Altes aus der Provinz

In der kleingeistigen Zeitung war heute neben einer schon üblichen, aber doch besonders konstruierten, Hetze gegen Tom Cruise (und Hollywood überhaupt) passenderweise auch davon die Rede, dass einer dessen „eigenwillige Filmbewertungen unter Kennern Kultstatus genießen“ würde in Pension ging.

 

Ja, so, oder jemand der Ressentiment-beladen bis schlicht hasserfüllt jede Genrefilm-Äußerung als widerwärtiges „Bedürfnis“ oder sonstwas zu beschreiben wusste, noch bei Ken Russell von einem Pornographie-„Verdacht“ schrieb und damit kurzerhand diese gleich sowieso mit zu einem Verbrechen erklärte, und dabei jede beliebige, halbwegs reduktionistische Konfektion mit französischen Altstars für „außergewöhnlich“ hielt…

Als ich mich in meiner grenzenlosen Naivität vor ein paar Jahren darüber beschwert habe und mich fragte weshalb meine primäre Kulturform Videospiele in betreffender Publikation so gar nicht berücksichtigt wird, bekam ich noch lapidar ungefähr zurück, dass derlei „Kommerz“ dort bloß zurückhaltend (falls überhaupt) beworben werde würde, man grundsätzlich (in der Redaktion? Per Abstimmung oder schöngeistiger Folter eruiert?) „eher auf der Seite“ von Michael Haneke“ als auf der eines gewissen „Rambos“ stünde und es nicht erwiesen sei, dass ich des ersteren Filmwerk „richtig begreife“.

Aus diesen Jahren erinnere ich mich auch noch an einen Leserbrief, da wurde der alte Chefredakteur voraus geschickt als sich jemand anderes über die kulturelle Fremdenfeindlichkeit deren eingebildeter „Filmbewertungen“ beschwerte. Das war ungefähr zur gleichen Zeit als sie die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatten und ihre Kolporteure in Graz deshalb kurzfristig streikten…

Später hielt ich mehr ernüchtert und pragmatisch orientiert beziehungsweise auf meinen Blutdruck bedacht als resignativ jede weitere Kritik für völlig sinnlos und lächerlich – nach einer letzten Beschwerde über (wiederholte) Verunglimpfungen kinderloser Menschen der für eine Rubrik namens „von Mensch zu Mensch“ verantwortlich zeichnenden Journalistin dort, als ich dank einer in beliebigen vermeintlich noch zentristischen Zirkeln grassierenden Lebensformtheorie wohl super korrekt zur Antwort hielt, dass ich mit meiner Behinderung sowieso eine andere Lebensform sei…

Nach der Wahl Obamas ins helle Haus war dann freilich auch noch davon zu lesen, dass dort nun eine „Brut“ einziehen würde…

Als stiller Beobachter verfolge ich nämlich diese noch mehrfach ausgezeichnete Tageszeitung und die Äußerungen ihrer RedakteurInnen gelegentlich jedoch weiterhin, und meine Vermutung, dass diese zusammen mit der Furche einen noch viel schädlicheren, weil latenter-unterschwellig-bürgerlich gepflegteren, pseudo-liberalen Einfluß auf zumindest den Süden Österreichs besitzt als die überall bekannte Kronen Zeitung – samt eigenem Blog: http://www.krone-blog.at/ – wird eigentlich mehr bestätigt als mir als persönlich eigentlich doch harmoniebedürftiger Mensch wirklich lieb sein kann.

 

Schließlich ist Selbstkritik immer gut, und da ich gestern durch Zufall doch erfreulicherweise auf eine dritte mögliche Lesart der Haneke-Filme gestoßen bin: http://heise.de/tp/r4/artikel/28/28019/1.html– möchte ich diesen Eintrag auch versöhnlich beenden 🙂

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