Archive for März 2009

Auf der GDC

30. März 2009

(Game Developers Conference) hat Hideo Kojima aus meiner Sicht indirekt heftige Kritik an gegenwärtigen japanischen Spiel(design)en geübt, für mich in dieser Konsolengeneration vor allem an den meiner Meinung nach äußerst mäßigen Produktionen Sakaguchis und von Square-Enix („Infinite Undiscovery“, „The Last Remnant“) ersichtlich, auch wenn das gerade nicht Kojima-sans Thema hier ist: http://www.gametrailers.com/player/47267.html

Ich hätte vor ein paar Jahren jedenfalls nicht gedacht, dass ich mit „Persona 4“ ausgerechnet einen Titel für Playstation 2 Anfang 2009 Als das beste neuere japanische Rollenspiel ansehen würde…

Das Leben als „Killerspiel“

28. März 2009

Angeregt durch Angela Römelts hervorragenden Text hier: http://www.horx.com/Downloads/Das-Leben-ist-ein-Killerspiel.pdf

Stieß ich in einem religionswissenschaftlichen Blog auf folgenden nachdenklich stimmenden Kommentar von Monika (anonym): http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4711987/#comments

Heute empfehle ich…

27. März 2009

… das Editorial der Zeitschrift „M! Games“ (vormals Maniac, 5/2009) zu lesen.

Anstatt selbst etwas zu schreiben hat sich deren Redaktion nämlich entschlossen den fulminanten Leserbrief eines geschockten Baden-Württemberger Hauptschulpädagogen dort abzudrucken. Dieser spricht auch mir aus der Seele.

Offener Brief an Jürgen Walter, Grüne im Landtag von Baden-Württemberg

24. März 2009
– positive Stellungnahme zu Verbot der Electronic Sports League in Stuttgart
Sehr geehrter Herr Walter!
Mit Fassungslosigkeit und Entsetzen habe ich die kulturell fremdenfeindliche, menschenverachtende  und verantwortungslose Stellungnahme ‚„Counter Strike“ und „Warkraft 3″: Grüne begrüßen Absage eines Computerspiel-Wettbewerbs in der Liederhalle durch die Stadt Stuttgart‘ zur Kenntnis genommen.
Als Bürger der Europäischen Union, langjähriger Sympathisant der grünen Bewegung in Europa, Mensch mit Behinderung, Computer- und Videospieler protestiere ich hiermit auf das schärfste gegen diese politische Verfolgung und verurteile diese hiermit auch.
Bislang dachte ich stünde eine Forderung nach Medienkompetenz an oberster Stelle Grüner Medienpolitik, aber da habe ich mich wohl gründlich geirrt.
Die Auseinandersetzung mit kontemporärer Sicherheitspolitik in „Counterstrike“, oder High Fantasy-Spiele aus dem „Warcraft“-Universum – noch germanisiert falsch geschrieben -, eine schon allein beschämende Ignoranz in dieser Form noch auf ein Gewaltverbrechen zu beziehen, ist eine kulturpolitische Armutserklärung und aus meiner Sicht ebenfalls ein beispielloser Vorgang für die Grünen in Europa.
Auch in Hinblick auf die Opfer von Gewaltverbrechen und das Leid, welche diese verursacht haben.
Und auch als Historiker kann ich nur davor warnen die Kultur von Menschen, dermaßen oder sonstwie, einfach auf Gewaltverbrechen zu beziehen (den Geschmack anderer Menschen), wenn diese(r) als unerwünscht empfunden wird oder nicht verstanden, wie es in dieser Aussendung von den Grünen in Baden-Württemberg noch unterstützt wird.
 
Mag. phil. Jürgen Mayer,
Kulturwissenschafter
aus Österreich

Für eine Sache einzustehen

22. März 2009

auch in windigen Zeiten, ist nichts wofür man sich schämen müsste. Standhaft zu bleiben, aufrecht zu sein, kein Ausdruck von Selbstgerechtigkeit – eher schon von Fremdgerechtigkeit, schließlich hat niemand wirklich bloß selbst etwas davon, sondern eigentlich vor allem andere. Mit großer Sorge blicke ich so in die Zukunft

Eine Zukunft, in der es für Menschen wie mich welche die Richtigkeit von etwas das sie für wertvoll und wichtig erachten nicht nach einfachen Schemata von „gut“ oder „böse“ oder oberflächlichen Gesichtspunkten, noch verbunden mit Körperverständnissen die ebenfalls zuletzt weiterhin an ganz andere Zeiten erinnern könnten, nicht leicht werden kann.

Betrachtet man eine gestrige Rede des Deutschen Bundespräsidenten genauer

Moralische Überlegenheiten

13. März 2009

Zwar gibt es auch in diesen Tagen vor allem eher eine vermeintliche Ausprägung moralischer Überlegenheit praktisch festzustellen, aber es gibt auch eine tatsächliche Form dieser Gewalt – und damit meine ich kein abstraktes Gut wie das eines Staates oder einer sonstigen stimmangebenden Kommunität, sondern die tatsächliche moralische Überlegenheit aus einer bestimmten Position heraus. Einer Position, aus der man sich Gehör schaffen kann – in der Einfluss herrscht und dieser noch verbreitert werden kann.

Die Gewalt gegen die Auseinandersetzung mit Gewalt in Videospielen ist demnach vielfach auch lokal gebunden, mit dem Ort verbunden wo jemand spricht, noch lange bevor womöglich kriminalisierende Gesetze erlassen werden und Gerichtsbeschlüsse im Einzelfall in Deutschland schon ergangen sind, und gerade das würde eine grundsätzliche Beschäftigung mit diesen Überlegenheiten für mich so wichtig machen.

Die Erkenntnis eines undemokratischen Charakters dieser, wenn rücksichtslos mit Sichtweisen Andersdenkender umgegangen wird – Vertreter womöglich noch vermeintlich berücksichtigt werden, und dennoch eingeschüchtert auftreten, wenn der Rechtfertigungsdruck durch diese Gewalt zu groß (geworden) ist und ein anderes Denken untergraben wird.

Hart und unfair – WDR: Hoffnung und moralische Empörung als Verleumdung

12. März 2009

Dabei fand ich die Diskussion bis kurz vor Ende äußerst optimistisch stimmend, es scheint tatsächlich eine differenziertere, öffentliche Betrachtung von der Beschäftigung mit Computer- und Videospielen in der Sendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vorhin ausnahmsweise einmal gegeben zu haben, und ich beobachte die Situation in meinem Nachbarland für eine diskursanalytische Dissertation an der Universität Graz seit Jahren. Bis zu dieser eindeutigen Verleumdung des Rappers Kaas… Das hat mich als Historiker leider schon ganz klar wieder an die Herrschaft des Nationalsozialismus und dessen kulturelle Sauberkeitsvorstellungen erinnert. Hoffe sehr der WDR Wird dafür geklagt werden

Aber worum geht es eigentlich? Was soll verschwiegen werden, oder will man gar wirklich nichts von Aussenseitern oder Leuten die sich zumindest dafür halten erfahren? Was in den Köpfen von Personen, die womöglich wirklich unfassbare Verbrechen begehen, wissen. Verständnis kann es dafür zwar keines geben, da stimmt das Zitat von Johannes Rau ganz am Ende natürlich wieder, und vorstellen mag man es sich auch nicht – was sich so jemand zusammenreimt, aber gleich gar nicht hören?

Sich moralisch darüber empören? Die Feststellung welche ich bei affektorientierten Körperdarstellung schon machen musste, das alles was gezeigt wird unhinterfragt als gewollt angesehen wird, kann so auch auf gesprochenes jedenfalls ausgeweitet werden.

Dabei behielt man es sich schon auch noch vor, sich mit der tatsächlichen Wiedergabe von Szenen aus „Counterstrike: Source“ mit USK-16 und Bluteffekten, statt verharmlosender Körperdarstellungen versteht sich, die Richtigkeit einer Empörung darüber nicht nehmen zu lassen. Aber das ist ja nichts neues, also

Ich kenne keine Fassung des Videos „Amok: Zahltag“ des besagten Musikers Kaas, vor dem nicht folgende Worte stünden: „Der Interpret dieses Videos will u. a. durch Provokation gesellschaftliche Misstände  thematisieren. Dazu benutzt er Verzerrung und Überspitzung als künstlerisches Stilmittel. Wir weisen darauf hin, dass der Künstler in keinem  Fall zu Gewalt oder kriminellen Handlungen aufruft. In diese Video soll Gewalt nicht verherrlicht oder angepriesen werden. Gewalt ist keine Lösung. Nie.“

Offenbar nichts anderes als Augenauswischerei für die Sendungsverantwortlichen beim WDR – diese Worte: vielleicht bin ich naiv, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Text niemandem aufgefallen ist bevor das Video in der Sendung als glattes Gegenteil zu dessen Aussage, als „Gewaltverherrlichung“, präsentiert wurde. Dann fiel auch nur mehr der Herr vom Jugend(!?)-Radio auf, für den es in einer ähnlichen, dann aber auch schon wieder bekannten Selbstverständlichkeit doch Computerspiele gibt, die nicht auf den deutschen Markt gelangen dürften. Als ob es davon schon nicht genug real gäbe – indiziert, beschlagnahmt UND Vernichtet…

Das alles klarerweise von mir ungeachtet der Frage gesprochen, wie pietätlos es eigentlich von der ARD Und dem WDR War, da gestern am Abend über Computerspiele überhaupt zu sprechen, als Anlaß eines gestrigen Morgens, an dem Menschen in Baden-Württemberg ihr Leben lassen mussten.

Reinhard Mey – Offener Brief

8. März 2009
Sehr geehrte Damen und Herren!
Mit einiger Erschütterung habe ich Reinhard Mey als Unterzeichner des „Kölner Aufrufs gegen Computergewalt“, eines kulturell fremdenfeindlichen und dahingehend aus meiner Sicht auch als rassistisch zu wertenden, inhumanen Pamphlets gegen die Beschäftigung oder Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt in Computer- und Videospielen zur Kenntnis genommen.
Als Mensch mit Behinderung, Bürger der Europäischen Union und passionierter Computerspieler bin ich durch diese Unterstützung agitativen Hasses im Zuge einer politischen Verfolgung von Menschen wie mir in Deutschland maßlos enttäuscht.
 
Ich schätzte Reinhard Mey seit Jahren als Musiker sehr und es ist mir unbegreiflich wie jemand wie Reinhard Mey eine dermaßen intolerante Geisteshaltung an den Tag legen kann.
 
Mag. phil. Jürgen Mayer
Historiker und Kulturwissenschafter,
Steiermark, Österreich

Das Elend des Kritizismus

1. März 2009

kann man dieser Tage bei Spiegel Online (SPON) erleben: erst wird nach einer „Rezension“ in der „Killzone 2“ unter anderem „Weltkriege romantisierend“ mit „Landsern“ in Verbindung gebracht wurde ein Video gereicht in dem Olaf Wolters von dem bislang nicht zu Kulturratsweihen vorgestoßenem Videospiel-Branchenverbund BIU Mit vielen internationalen Herstellern sich gleichsam für den Titel wohl so was wie entschuldigen soll(!?), die Helghast kurzerhand zu „Aliens“ erklärt, daneben ein „Angespielt“-Video in welchem die niederländischen Entwickler als „nicht sonderlich kreativ“ diffamiert werden und sogar noch ein zweites interessantes Playstation-3-Spiel angegriffen wird: dem konträr zu „Killzone 2“ völlig gewaltfreiem „Flower“ wird indirekt Naivität vorgeworfen.

http://www.spiegel.de/video/video-53565.html

Bei diesem in jeder Hinsicht voreingenommenen Journalismus wird es für eine weitergehende Anerkennung von Computer- und Videospielen in Deutschland wohl noch lange dauern, sehr lange

na hoffentlich bin ich für SPON Wenigstens ein Mensch…