Hart und unfair – WDR: Hoffnung und moralische Empörung als Verleumdung

Dabei fand ich die Diskussion bis kurz vor Ende äußerst optimistisch stimmend, es scheint tatsächlich eine differenziertere, öffentliche Betrachtung von der Beschäftigung mit Computer- und Videospielen in der Sendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vorhin ausnahmsweise einmal gegeben zu haben, und ich beobachte die Situation in meinem Nachbarland für eine diskursanalytische Dissertation an der Universität Graz seit Jahren. Bis zu dieser eindeutigen Verleumdung des Rappers Kaas… Das hat mich als Historiker leider schon ganz klar wieder an die Herrschaft des Nationalsozialismus und dessen kulturelle Sauberkeitsvorstellungen erinnert. Hoffe sehr der WDR Wird dafür geklagt werden

Aber worum geht es eigentlich? Was soll verschwiegen werden, oder will man gar wirklich nichts von Aussenseitern oder Leuten die sich zumindest dafür halten erfahren? Was in den Köpfen von Personen, die womöglich wirklich unfassbare Verbrechen begehen, wissen. Verständnis kann es dafür zwar keines geben, da stimmt das Zitat von Johannes Rau ganz am Ende natürlich wieder, und vorstellen mag man es sich auch nicht – was sich so jemand zusammenreimt, aber gleich gar nicht hören?

Sich moralisch darüber empören? Die Feststellung welche ich bei affektorientierten Körperdarstellung schon machen musste, das alles was gezeigt wird unhinterfragt als gewollt angesehen wird, kann so auch auf gesprochenes jedenfalls ausgeweitet werden.

Dabei behielt man es sich schon auch noch vor, sich mit der tatsächlichen Wiedergabe von Szenen aus „Counterstrike: Source“ mit USK-16 und Bluteffekten, statt verharmlosender Körperdarstellungen versteht sich, die Richtigkeit einer Empörung darüber nicht nehmen zu lassen. Aber das ist ja nichts neues, also

Ich kenne keine Fassung des Videos „Amok: Zahltag“ des besagten Musikers Kaas, vor dem nicht folgende Worte stünden: „Der Interpret dieses Videos will u. a. durch Provokation gesellschaftliche Misstände  thematisieren. Dazu benutzt er Verzerrung und Überspitzung als künstlerisches Stilmittel. Wir weisen darauf hin, dass der Künstler in keinem  Fall zu Gewalt oder kriminellen Handlungen aufruft. In diese Video soll Gewalt nicht verherrlicht oder angepriesen werden. Gewalt ist keine Lösung. Nie.“

Offenbar nichts anderes als Augenauswischerei für die Sendungsverantwortlichen beim WDR – diese Worte: vielleicht bin ich naiv, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Text niemandem aufgefallen ist bevor das Video in der Sendung als glattes Gegenteil zu dessen Aussage, als „Gewaltverherrlichung“, präsentiert wurde. Dann fiel auch nur mehr der Herr vom Jugend(!?)-Radio auf, für den es in einer ähnlichen, dann aber auch schon wieder bekannten Selbstverständlichkeit doch Computerspiele gibt, die nicht auf den deutschen Markt gelangen dürften. Als ob es davon schon nicht genug real gäbe – indiziert, beschlagnahmt UND Vernichtet…

Das alles klarerweise von mir ungeachtet der Frage gesprochen, wie pietätlos es eigentlich von der ARD Und dem WDR War, da gestern am Abend über Computerspiele überhaupt zu sprechen, als Anlaß eines gestrigen Morgens, an dem Menschen in Baden-Württemberg ihr Leben lassen mussten.

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2 Antworten to “Hart und unfair – WDR: Hoffnung und moralische Empörung als Verleumdung”

  1. lieinthesound Says:

    Ursachenforschung zu betreiben ist wohl kaum pietätlos zu nennen, wenn man selbige nicht plaktativ mit den ewig selben Sündenböcken besetzt. Dass besagtes Rap-Video aber eben vielleicht mehr als lediglich künstlerischer Ausdruck ist, liegt vielleicht auch an der Street Credibility mancher Rapper, die mit ihrer Kunstfigur derart verschmelzen, dass eine Trennung zwischen Realität und Fiktion für die (oft) minderjährigen Fans nicht leicht scheint. Man darf nicht immer nur Zensur bekritteln, sondern muss auch Künstler und sein Image in die Pflicht nehmen.

  2. lieinthesound Says:

    Nachdem mein lieber Co-Blogger SomeVapourTrails hier schon seinen Kommentar hinterlassen hat – noch ein paar Worte von mir zur Ergänzung:

    Der genannte Rapper ist einfach nur schlecht… ich glaub ihm keine 5 Minuten, dass es ihm um gesellschaftliche Misstände geht. Hier geht’s nur um Provokation um Aufmerksamkeit für das Produkt Kass zu generieren. Platten wollen promotet und verkauft werden.

    Das letzte Tabu, dass noch für Schlagzeilen sorgt, ist eben das Töten von Menschen. Nachdem wir schon Bundestagsabgeordnete mit Punk-Frisuren haben und das Thema Sex im Nachmittagsprogramm täglich zu Gast ist…gibt’s nur noch eine Möglichkeit zu schocken.

    Dies ist auch ein Grund, warum die Neo-Nazi Szene u.a. menschenfeindliche Organisationen so viel Zulauf haben. Protest wird nur noch dann wahrgenommen, wenn er radikal, menschenfeindlich und im schlimmsten Fall tödlich ist.

    Mit dieses Phänomen zu Werbezwecken zu missbrauchen ist mehr als nur geschmacklos. Niemand wird auf Grund eines Musikvideos zum Amokläufer. Die permanente Verrohung durch den Konsum von Gewaltvideos-Spielen-Musik bestärkt jedoch die labilen in ihrem Wahn.

    Es gibt viele Ursachen für den Amoklauf. Das Schlimme, alle Verursacher zeigen jetzt mit dem Finger aufeinander – niemand will schuldig sein.

    Eltern schieben die Schuld auf Schule u. Gewaltspiele, Lehrer auf die Eltern u. Gewaltspiele, … oder es wird abstrakt von „die Gesellschaft ist schuld“ gesprochen. Von den getöteten Mitschülern war niemand vorher an Mobbing beteiligt… Versteh mich nicht falsch, ich will den Attentäter nicht in Schutz nehmen, nur viele Leute sollten sich fragen, wo ihre eigene Verantwortung liegt. Auch wenn das Morden unentschuldbar ist und bleibt. Tausende Tropfen lassen das Fass überquellen – nicht einer!

    DifferentStars

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