Archive for April 2009

„Wir müssen uns neben die Jugendlichen setzen und uns den ganzen Müll ansehen, den sie sich einverleiben und verbreiten, und wir müssen ihnen den Respekt entgegenbringen, ihnen zu sagen, dass es Müll ist.“

29. April 2009

So wird in der GEE (Mai 2009, 48 Absatz 1) die Hamburger ZEIT Von meinem 29. Geburtstag zitiert.

Wie geht das?

„Respekt“? Respektlosigkeit wohl eher – gegenüber den Geschmack, das Empfinden anderer, ich glaube nicht einmal unbedingt andersdenkender, Menschen. Bloß solcher, welche bestimmte Dinge eben anders wahrnehmen. Aufnehmen und verarbeiten. Ein anderes Gefühl haben vielleicht noch

Anders, oder überhaupt, verstehen

Meine Freundin meinte einfach, für den Autor sei das eben „Respekt“.

Aber kann das wirklich sein? Dass man sich ein solches Wort dermaßen zurechtlegt?

Ich denke nein, es sollte nicht sein. In einer besseren Welt jedenfalls nicht – einer Welt mit „Killerspielen“, aber ohne solche, das Gefühl anderer Menschen verachtender Autoren, wie sie die ZEIT Beschäftigt.

Und das ist es, was ich im übertragenen Sinn auch Rassismus bei dieser Sache glaube nennen zu müssen. Widerwärtigst und verabscheuungswürdig – intolerante Ignoranz und eine wahrhaftige „Allianz der“ diesbezüglich „Abgestumpften“. Von deutschen JournalistInnen, PolitikerInnen, und Pseudo-Forscherinnen welche Meinung mit Wissenschaft verwechseln. Als Mensch. Und Computerspieler

Bioware-Community-Manager: „As I have stated before, these are terms that do not exist in Star Wars. Thread closed.“

29. April 2009

Es ging um die Begriffe „homosexual“, „lesbian“ und „gay“: http://www.gamepolitics.com/2009/04/28/bioware-locks-out-discussions-gay-characters-swtor-forum

Kulturell fremdenfeindliche „art.genossen“

28. April 2009

Der österreichische Rundfunk will offenbar nicht in ein allzu liberales Hintertreffen geraten: http://tv.orf.at/program/orf2/20090427/462802901/263116/

„art.genossen taucht in die bisweilen skurrile Welt der Computer-Spieler ein. Unter „sozial“ versteht man in dieser Szene, nicht gegen den Rechner sondern gegen einander zu kämpfen.

… Wie mit Scheuklappen sitzen viele Jugendliche mehrere Stunden pro Tag vor ihren Rechnern und üben, wie man einander am besten erlegt.
Die Veranstalter eines Turniers in Dallas bewiesen besonderes historisches Gespür: Sie ließen die Jugendlichen genau dort zum virtuellen Schlachten antreten, wo John F. Kennedy erschossen worden war.“

Bin einigermaßen fassungslos über diese Ankündigung und die von Australien eingekaufte Sendung, welche noch ausiebigst Objektivität heuchelt und dabei doch eher nur die dortigen populistischen Verhältnisse widerspiegelt – bei Beschreibung der Kultur anderer als Menschenjagd…
Bleibt zu hoffen, dass man sich am Küniglberg nicht irgendwann noch entschließt die Beiträge Rainer Fromms für das ZDF Zwecks Vorbildung zu übernehmen

Unterdessen kann ich nur die seit heute auch bei mir vorrätige Ausgabe der Zeitschrift GEE Empfehlen: http://www.gee-magazin.de/
Eine andere Wahrheit und wie meistens noch dazu entwaffnend optimistisch: „so genannte „Killerspiele“ spalten die Gesellschaft. Dabei wäre es so leicht, den Graben zu überwinden.“
Na dann…

ZDF: „Wir freuen uns, wenn Sie auch weiterhin zu unseren interessierten Zuschauern gehören.“

22. April 2009

Ach, dafür sind Menschen wie ich also wieder gut genug?
„Sadisten“? Durch „Militarisierung“ „gleichgeschaltet“?
Was solls.

 

‚“Die Deutschen Gamestage in Berlin waren der aktuelle Anlass, im „heute-journal“ über den „Kick der Killerspiele“ zu berichten. Beispielhaft wurden Szenen solcher Computerspiele gezeigt, die ausdrücklich Gewalt als notwendiges und für das Spielergebnis erfolgreiches Handlungsmodell vorführen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien hat an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass das Angebot brutaler Computerspiele größer geworden ist und bei den meist jungen Konsumenten negative Wirkungen zu erwarten sind. 

Wie die jüngste Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen ergeben hat, können Computerspiele, vor allem wenn sie einen Rollenvorbild nahelegen, sogar süchtig machen. Die Aussagen Betroffener, die eine solche Entwicklung an sich selbst erlebt haben, bestätigen dies auch durchaus schlüssig. Der Amoklauf in Winnenden war dabei der Anlass, das Thema in der Öffentlichkeit intensiv und aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren. Ihre Kritik an unserer Berichterstattung haben wir dennoch gerne der Redaktion des „heute-journals“ mitgeteilt. Ihre Stellungnahme werden wir außerdem als Teil der Zuschauerresonanz auf das Programm, Themen und Ereignisse festhalten.“‚

 

Ich geb sowas in Hinkunft völlig auf. Wenn man sich nun bereits dahingehend organisiert und derlei standardisiert wirkende Schreiben umgehend verschickt, eine solche Respektlosigkeit an den Tag legt, macht ein Widerstand in dieser Form auch keinen Sinn mehr für mich.
So oder so nicht.
Bei diesem öffentlich-rechtlichen Zynismus.

Offener Brief an das ZDF

22. April 2009

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich verurteile hiermit die neuerlich menschenverachtende und kulturell fremdenfeindliche Berichterstattung Rainer Fromms samt Anmoderation zum Thema Krieg und Gewalt in Computer- und Videospielen, ausgestrahlt in der Sendung „heute journal“ vom 21. April 2009, auf das schärfste.
Die darin völlig aus dem Zusammenhang gerissene, und mit glatten Unwahrheiten versehene, Agitation, entbehrt jeglicher Grundlage und entspricht keinesfalls Maßstäben, welche in einem demokratischen Rechtsstaat gelten sollten.
Das Ressentiment, der in dem Bericht vorgetragene Haß, gegen Menschen wie mich, welche gewillt sind sich in Computer- und Videospielen mit Krieg oder Gewalt auseinander zu setzen, ist das erschütternde Zeugnis einer ignoranten Verleumdung des Geschmacks und des Empfindens Andersdenkender als „sadistisch“, „gleichgeschalteter“ Menschen, welche angeblich von einer Militarisierung durch „Computergewalt“ betroffen seien.
Was hier noch unter dem Deckmantel von Wissenschaft und „Humanismus“, unter anderem gegen affektorientierte Körperdarstellungen, vorgetragen wurde, grenzt in ihrem Menschenbild an kulturell saubere Vorstellungen „gesunder“, unversehrter Körper, welche ich als Mensch mit einer schweren Behinderung und Computerspieler als Verletzung meiner Menschenwürde betrachte.
Das was in dem Beitrag an intoleranter Geisteshaltung und paternalistischem Normdenken zu in meinem Land respektierten Kulturgütern transportiert wurde, welche in Deutschland mitunter auch beschlagnahmt und vernichtet werden, drückt mit direkt oder indirekt artikulierten zusätzlichen Verbotsabsichten der Kultur von Menschen wie mir nichts anderes als politische Verfolgung aus

Wie mit unerwünschten Inhalten in Deutschland umgegangen wird

22. April 2009

Neulich im ZDF: vermeintlich gesicherte Erkenntnisse, ohne fragen zu stellen – in welche Richtung auch immer. Affektorientierte Körperdarstellungen gegen einen Humanismus auszuspielen, ganz selbstverständlich, so glaubt man: Recht und Moral auf seiner Seite behauptend, „gesunde“ unversehrte Körper ohne kulturpolitische Probleme. Und natürlich kein Kontext: Computerspiele sind keine Fiktionen, haben nichts zu sagen, eine Beschäftigung damit bietet einfach keine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit Krieg oder Gewalt darin. Jedenfalls nicht so konkret in dieser Ästhetik. Mit der Tradition keine Spiele. Ein Geschäft, keine Kultur. Wegsehen, ausblenden, nichts zu tun haben wollen. Empört zu sein. Aber „Militarisierung“ unterstellen, noch „gleichgeschaltet“.
Diese Berichterstattung? Oh nein, wohl nur ein weiterer, als absurd betrachteter Vorwurf – klingt alles nur so ähnlich. Aber hier auch sehr kompakt vorgetragen, gestatten, von Rainer Fromm:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/739498

Die Super-Industrie beginnt zu schwanken?

18. April 2009

Um satte 17 Prozent soll der Umsatz im US-Videospielbereich des Vormonats März im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2008 Gesunken sein: http://www.gamepro.de/news/branchen/finanzkrise_erreicht_us_spielemarkt/1960724/finanzkrise_erreicht_us_spielemarkt.html

Unterdessen diskutiert auf der inhaltlichen Ebene einer meiner Branchen-Lieblinge, der streitbare Fernsehjournalist Adam Sessler, anhand „Six Days in Falluja“ „Spaß gegen Kunst“ mit sich selbst: http://g4tv.com/thefeed/blog/post/694743/Sesslers-Soapbox-Fun-Vs-Art.html

Zu meinem letzten Blog-Eintrag ist Sessler übrigens auch auf Youtube prominent zu sehen, mit einem Beitrag von vor einem Jahr: http://www.youtube.com/watch?v=BoqB6-mqv-I

Xbox LIVE In Gesprächen mit „Gay & Lesbian Alliance Against Defamation“ (GLAAD)

15. April 2009

Bei der schon länger fragwürdig schwebenden bis tatsächlich problematischen Sache die Xbox LIVE Policy und eine Diskriminierung der sexuellen Orientierung von NutzerInnen betreffend, scheint nun – zumindest in den USA – Bewegung zu kommen: wie die hervorragende Seite GayGamer.net berichtet, wird unter Berufung auf den Podcast von Larry Hryb eine gemeinsame Erklärung von Xbox LIVE Und der GLAAD Offenbar vorbereitet.

Hryb ist dort voll des Lobes für die amerikanische Bürgerrechtsorganisation.

Sicherheit soll dabei (aber weiterhin) großgeschrieben werden – was mich angesichts einer schon selbst über Xbox LIVE Wahrgenommenen Exorbitanz homophober Sentimente auch keineswegs verwundert.

http://gaygamer.net/2009/04/major_nelson_talks_glaad_xbox.html

„Six Days in Fallujah“ mit unsicherem Europa-Release

14. April 2009

Wie beim Online-Auftritt der Zeitschrift „Gamepro“ zwischen den Zeilen zu lesen ist, traut man bei Konami Europe offenbar seinen eigenen (US-amerikanischen) EntwicklerInnenstudios politisch nicht recht über den Weg: man wolle dort abwarten, wie die Entwickler das Spiel präsentieren und dann abwägen, ob es bei uns veröffentlicht wird. An einem weiteren Spiel mit amerikanischem Hurra-Patriotismus á la „Ghost Recon Advanced Warfighter“ sei man nicht interessiert.‘ http://www.gamepro.de/specials/konami_gamers_day_2009/1960679/konami_gamers_day_2009.html

Die Entwickler von Atomic Games waren in der Vergangenheit für eher nüchterne, realistische Militärspiele wie der ursprünglichen „Close Combat“-Trilogie noch in den 1990er Jahren verantwortlich, und „Six Days in Fallujah“ sah sich als erster kommerzieller Titel zum Irakkrieg (den seit 2003) unmittelbar nach seiner Ankündigung bereits Vorverurteilungen ausgesetzt. Was die internationale militärische Bedeutung der Geschehnisse in der Stadt 2004 Betrifft existiert auch ein Diskussionspapier des „Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit“: http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=1928

 

Währenddessen herrscht in den USA Aufregung über die mögliche Beteiligung irakischer Aufständischer an der Produktion: http://www.gamepolitics.com/2009/04/14/insurgents-contributing-quotsix-days-fallujahquot-says-developer – Peter Tamte von Atomic Games wird dabei mit folgenden Worten zititert: „It’s important for us to say, you know, that there are actually three communities that are very affected by the battle for Fallujah. Certainly the Marines. Certainly the Iraqi civilians within Fallujah, and the insurgents as well. We are actually getting contributions from all three of those communities so that we can get the kind of insight we’re trying to get.“

Wann werden sie es lernen?

13. April 2009

(Un-)Passenderweise am 1. April erschien hier ein Artikel aus dem gedruckten Tagesspiegel, der auch in seiner Kürze und vermeintlichen Gewitztheit praktisch sämtliche Vorurteile, welche in Deutschland über Gewaltinhalte in Videospielen halt so im Umlauf sind, vereint: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Killerspiele;art772,2763906

Die beiden (im)prägnantesten wohl, dass es sich hierbei um Angelegenheiten für Kinder (oder Jugendliche) und keine Sache für Erwachsene handelt, sowie zweitens, dass diese wie auch immer dekontextualisiert – ob durch Ignoranz oder einfaches Unwissen – als Spielzeug betrachtet werden. Letzterem kommt dabei noch viel zu gute in Deutschland: erstens die nach wie vor vorhandene, grundsätzliche Stellung als materielle Kultur, und zweitens ein und dasselbe deutsche Wort „Spiel“ in Bezeichnungen für einen Kreisel oder „The Elder Scrolls IV: Oblivion“.

Fehlt nur noch eine neuerliche Rede von „Spaß“…