Archive for April 2009

„Hier gilt unser Recht. Und sonst nichts.“

9. April 2009

Von Florian Klenk, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur des „Falters“, erschien mit bezeichnenden Fotos von Heinz S. Tesarek im Süddeutsche Zeitung Magazin heute ein so toller Artikel, dass selbst ich mir die SZ Gekauft habe (8f.). Darin kommen Namen und Begriffe vor wie „Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ)“, „Sonderanstalt für straffällig gewordene Asylwerber“, „Zecken“ oder „Negermamas“.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28876

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Undemokratischere Datenschützer

9. April 2009

Die „Kleine Zeitung“ hat nach einiger Zeit, der Veröffentlichung des unsäglichen Bandes „Die Google-Falle“ von Gerald Reischl, wieder etwas gefunden um Google zu bashen (Steiermark 20f.): statt Verschwörungstheorien ist es diesmal (natürlich) das notorische Street View. Doch der Zeitungslinie nicht genug geben mir die dazugehörigen Aussagen eines Datenschützers, eines gewissen Hans Zeger, weiterhin zu denken:  demnach bestehe abgesehen von dem zumindest in Österreich so geltendem Recht auf das eigene Bild, bei dem trotz Unkenntlichmachung von Gesichtern vorher eine Erlaubnis der betreffenden Person einzuholen wäre, „kein rechtliches Interesse, den öffentlichen Raum aufzuzeichnen, wie es etwa die Polizei in manchen Fällen hat. Und aus einem Jux heraus aufzuzeichnen, ist in Österreich nicht erlaubt.“ Das Street View „müsste man“ klar „verbieten“ hieß es noch

Da musste ich schon schlucken, denn was könnte das alles bedeuten: abgesehen der Verletzung von Personenrechten scheint mir die dem zugrunde liegende Ideologie ebenfalls klar – Menschen werden hier in erster Linie nicht als ProduzentInnen, sondern KonsumentInnen von Medien betrachtet, und das selbstverständlich durchaus dem Bild dieses alten Mediums folgend. Oder was ist mit Social-Networking-Sites, mit Abbildungen von Architektur oder Menschen, einfachen Bildern aus Urlauben – alles Voyeurismus, Spionage?

Was man meint, und womit man diese Vorstellungen in eine Richtung verteidigen könnte, ist wohl die systematische Kartographisierung welche man darin zu erkennen glaubt, aber davon kann doch hier gar nicht die Rede sein: schließlich gibt es in althergebrachten Medien Wetterpanorama-Sendungen, welche doch genauso, sogar noch LIVE Und in bewegten Bildern, öffentliche Räume zeigen? Oder was ist mit jemandem, der eine Weltreise getan hat und anschließend Vorträge mit Dias hält. Wenn das alles Bildung sein soll, dann ist es ein Street View schon lange.

Doch gerade das wirkt illiberal abgesprochen auf mich, gegenüber demokratischeren Medien – wo mehr Menschen eine Stimme UND Ein Bild haben können. Ein Konsument wie ich, hat bei einer solchen Denkweise noch dazu auch nicht immer gute Karten, wenn es um manch unerwünschte Inhalte Kreativer geht: als Galeria Kaufhof beschloss Menschen mit meinen kulturellen Interessen künftig nicht mehr zu bedienen und mit entsprechenden Waren zu versorgen, meinte die dortige Familienredakteurin davor ihren „Hut“ ziehen zu sollen – über die Geisteshaltung dieser Zeitung brauche ich mir aber auch keine Illusionen mehr zu machen. Ansichten von Datenschützern wie sie so wiedergegeben sind erscheinen mir aber doch noch beobachtenswert, wenn man nach einem Upload bei Facebook nicht einmal so „eine Unterlassungsaufforderung“ bekommen will, welche in dem Interview empfohlen wird.

Alltag in Deutschland: „Mehr sag‘ ich ja gar nicht.“

9. April 2009

Am 3. Februar 2008 Wurde im Tagesspiegel jene denkwürdige Kolumne zum Thema Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus von Harald Martenstein abgedruckt, in der es mir an dieser Stelle angesichts einer allumfassenden Leistungsgesellschaft spontan Tränen der Freude in die Augen trieb: „… Schwieriger als für die Lesben ist die Lage für die so genannten Asozialen oder Arbeitsscheuen gewesen, die voraussichtlich kein Mahnmal bekommen, denn diese Eigenschaft wird auch heute nicht gerne gesehen…“ http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2468911

Was man von Martensteins darauffolgender, in der Tat fragwürdigen, Rede über gesellschaftliche Akzeptanz auch immer halten mag, um eine wirklich antifaschistische Einstellung zu haben glaube ich, wird man den vorhergehenden Worten folgen

Ein Mensch mit Behinderung.