Archive for Mai 2009

Von Trier provoziert dieses Jahr offenbar in Cannes

22. Mai 2009

Ohne das wirklich gesehen zu haben wovon ich im folgenden mitunter schreibe, erlaube ich mir ein paar Bemerkungen: Lars von Trier mag schon ähnlich wie Michael Haneke ein Kulturpessimist sein, diese Einstellung hat sich im Gegensatz zu diesem aus meiner Sicht jedoch niemals in Genrefeindlichkeit geäußert. Wenn Haneke in Interviews von Genre als „Lüge“ spricht, mag das im deutschsprachigen Raum aus welchen Gründen auch immer relativ viel Kopfnicken hervorrufen, woanders bleiben vielleicht aber schon wiederum relativ viele Fragen (wenn auch unausgesprochen) über, wie jemand sich zu so einer ansagenden Aussage von einem Realismus wie auch immer her bemächtigt fühlt, der doch keine Antworten liefern will und subjektiv (wenn schon nicht reduktionistisch) bleiben.

Nun kommt „Antichrist“ nach allem was ich bislang davon gesehen, und es war zugegebenermaßen nicht viel mehr als der Trailer, doch mit etwas nach Cannes, das Genre-Ikonographie einfach hat, und sich dieser allem Anschein nach auch nicht überlegen fühlt. Dabei kann ich mich zwar auch irren, aber immerhin scheint es mir so zu sein.

Natürlich ist von Trier kein Quentin Tarantino, niemand der cinephan gewordenes zititert – doch schon „Zentropa“ war ein, wenn auch politischerer, doch ein Genre-Film durch und durch. Bereits dieser Film funktionierte nicht über einen Realismus, jedenfalls nicht allein.

Quentin in der „Kleinen“

21. Mai 2009

Gleich zweimal ätzt die heutige kleingeistige Zeitung über Quentin Tarantino (im Wettbewerb von Cannes).

In einem „Porträt des Tages“ wird über den angeblichen „Herrn des zügigen Blutflusses“ vom „österreichischen Kulturjournalisten des Jahres“, was sag ich, „der letzten Jahre“, bei einer schon penibel wirkenden Aufzählung seiner Filme der Beitrag zum „Grindhouse“ seltsamerweise nicht erwähnt, vielleicht aber auch nur aus Platzgründen anstatt sich eine kurze Erklärung zu allzu unangenehm sein mögenden Diskursen über kulturelle Sauberkeitsvorstellungen zu ersparen, während ein anderer – vielleicht doch erblicher Nachfolger im Kulturjournalisten-Titel einmal kommender Jahre „Inglorious Bastards“ aus Cannes im hinteren Kulturteil berichtet, dass das „Kriegs-Epos“ nicht „wie ein Siegerfilm“ aussehe.

Wider Erwarten sei es kein Aufreger, keine „Blutsuppe“, sondern doch unterhaltsam. Warum aber dann kein Siegerfilm? Ach ja, ich vergaß, „Unterhaltung“ und ein Gewinn in Cannes sollten sich irgendwie ja wohl ausschließen – dem entspricht auch ein Verweis auf das Gerücht „künstlerischer Probleme“ zwischen Tarantino und Isabelle Huppert, um schnurstracks wie selbstverständlich noch eingebildeten Realismus Alain Resnais zu promoten – welcher „Altmeister“ genannt wird, also anders denn ein gewisser „Herr“ im vorderen Teil der Zeitung. Da spielt es auch keine Rolle, dass in Frankreich halt trotz mancher, auch berechtigter, künstlerischer Differenzen sich womöglich vielfältigerer Ausdrucksformen erfreut wird – auch Andersdenkende gleichberechtigt zum Zug kommen können, im Sinne der französischen Filmindustrie noch politisch unterstützt werden http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=877 Und sich dort, also im eigentlichen Mutterland eines filmischen Reduktionismus, es auch ein lebendiges Genre-Kino gibt, mit Erzeugnissen welche im großen Nachbarn Deutschland wiederum schon Gefahr laufen beschlagnahmt und vernichtet zu werden.

Ein „Siegerfilm“ mag der neue Tarantino wirklich nicht sein, aber keine kulturelle Fremdenfeindlichkeit ist eine solche Berichterstattung für mich ebenfalls nicht.

Da kann ich die vorgebliche Weltoffenheit im Leitartikel Stefan Winklers, wo dieser die Ideen eines „freiheitlichen“ Europas, eines „Abendlandes“ und „Christentums“, als Karikatur und Bemächtigung eines religiösen Symbols auf „widerwärtige Weise“ bezeichnet, einfach nicht mehr verstehen. Aber das gehört anscheinend zum Selbstbildnis dazu.

Das gilt auch für den damit doch einhergehenden, breitgetretenen Bericht über die offenbar äußerst mangelhafte politische Kultur steirischer Abgeordneter zum Nationalrat http://www.youtube.com/watch?v=MsSphC9Gtew. Es ist halt doch Boulevard. Wie klein der Artikel zur Klage der Volksanwaltschaft gegen Ewald Stadler ausgefallen ist, verwundert mich darüber hinaus ebenso wenig – wenn auf Seite 10 ein halbseitiges Inserat zu finden ist das sich „Post vom Volksanwalt Mag. Ewald Stadler“ nennt, noch unterzeichnet mit „Unser Volksanwalt in Brüssel“.

Aber Hauptsache man kann sich moralisch noch über „Abendland in Christenhand“-Fantasien stellen und gegen Gewaltdarstellungen im Film richten – alles was man halt lieber ausblenden möchte…

Naht das baldige Ende eines Handels von Datenträgern mit Handheld-Spielen?

8. Mai 2009

Die Zukunft liegt in digitaler Distribution. Was am PC Eine zwar unbeliebt sein mögende, aber dennoch immer weiter forcierte Tatsache ist, und nicht zuletzt mit dem DSi trotz eines meiner Meinung nach bislang mangelhaften Software-Angebotes auch im Handheld-Bereich nach dem iPhone/iPod touch bereits deutliche Formen angenommen hat, geht bei Sony nun offenbar massiv voran

Mittlerweile glaub auch ich, dass in der zweiten Jahreshälfte mit einer PSP-4000, „Go“, unter welchem Namen auch immer, aber halt ohne UMD-Laufwerk wohl oder übel zu rechnen ist: und Schuld daran ist sicherlich weniger das schwachbrüstige optische Disc-Format, als der sicherere Kopierschutz.

So wurde in den USA diese Woche das tolle, in Europa schon vor fast einem halben Jahr veröffentlichte „Patapon 2“ mit PSN-Voucher, aber ohne UMD in den Einzelhandel gestellt – zu (den Wechselkurs mit berücksichtigt deutlich weniger als) der Hälfte dessen was es hierzulande noch immer kostet. Aber wie oft wird sich das so als Gutschrift wohl verkaufen?

In Europa und den USA Konnte man am PSN Zuletzt jeweils ähnliche Entwicklungen mit älteren Titeln beobachten: einerseits eine spürbare Zunahme vormaliger UMD-Discs als Download, andererseits das ungebrochen erweiterte Angebot von PS1-Spielen die auch auf der PSP Laufen. In Japan hat dieses Segment an PSN-Downloads schon enorme Ausmaße erreicht, vor einiger Zeit erschien dort sogar „Final Fantasy 7“ (international) in dieser Form. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das auch außerhalb Japans als Download von Sony verfügbar wird.

Im FPS-Mehrspielerhöllen-Himmel

6. Mai 2009

Ich hätte mir ehrlich gesagt nie gedacht einmal ein Multiplayer-Kartenpacket für einen Ego-Shooter zu kaufen. Aber die 8-10 Stunden welche mich „Call of Duty 4“ auf der 360 bislang am längsten fesseln konnten wird „Killzone 2“ voraussichtlich um ein vielfaches überbieten, jedenfalls über mehrere Jahre hinweg, wie bei mir keineswegs ungewöhnlich, aber halt doch für dieses Genre: „Steel & Titanium“ bietet dabei für mich vor allem architektonisch interessantes Futter, und zwar in Form von altem und neuem – die beiden Karten ermöglichen einerseits die noch relativ gewaltfreien ersten Minuten der Solokampagne ausgiebig zu ergründen, andererseits eine spektakuläre alternative Situation zu erfahren. Beide Karten zeugen für mich für die enorme imaginative Kraft, welche Guerilla Games in ihre Shooter-Welt zwischen Umweltverschmutzung und totalitärer Architektur packt.

Interessante Spielszenen aus Japan

3. Mai 2009

Die „Atelier“-RPG-Reihe erhält einen PS3-Titel: „Rorona“ http://www.gametrailers.com/player/48808.html

Und die Filmreihe „The Grudge“ bekommt eine dem Anschein nach angemessene Umsetzung für die Wii spendiert: http://www.gametrailers.com/player/48797.html

„Die Gesellschaftler“: offener Brief und „Schnittbericht“…

3. Mai 2009

http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=1166&z1=1241359428&z2=7c80779aeab08906d404a1e2023624f2&

Offener Brief

„Passage mit beleidigendem Inhalt sowie ein diffamierender Vergleich gelöscht. Bitte beachten Sie die Diskussionsregeln und bleiben Sie sachlich.“
Die Wortwahl welche ich verwendete, hatte ich zuvor vollständig dem Tagebucheintrag des Herrn Haag entnommen, sowie als Zitate auch zu erkennen gegeben. Soviel zu meiner „Sachlichkeit“.
Weshalb darf Herr Haag das was ich als meine Kultur begreife demnach wie es noch die Moderation erkennt „beleidigen“, ich mich jedoch dagegen nicht in dieser Form verwehren?
Darüber hinaus empfinde ich es ungeheuerlich, einen kulturpolitischen Hinweis sowie den Hinweis auf begangene Verbrechen als „diffamierend“ zu zensieren.
Was soll hier so eigentlich verdrängt werden – worüber nicht gesprochen?
Noch auf einer Seite der Initiative „Aktion Mensch“?
Ich verbitte mir die Unterstellung hier irgendetwas „verglichen“ haben zu wollen und verurteile diese Zensur, sowie wie mit Menschen wie mir hier umgegangen wird. Dem Geschmack und Empfinden Andersdenkender ganz zu schweigen

 

Und das war mein betreffender Beitrag dort. Die zensierten Passagen

Für mich als österreichischen Historiker und Kulturwissenschafter ist Ihr Beitrag, Herr Haag, kulturell fremdenfeindlich und einfach menschenverachtend.
Die Beschäftigung oder Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt in Computer- und Videospielen ist für mich sehr wertvoll, wichtig und unverzichtbar.
Aber das verstehen Leute wie Sie wohl nicht.
Auch als schwerbehinderter Mensch, welcher an der Glasknochenkrankheit leidet, ist dieser „Tagebucheintrag“ von Ihnen für mich mehr als verantwortungslos zu nennen, er ist verabscheuungswürdig was Kulturpoltiik, Zensur, Indizierung, Beschlagnahmung und Vernichtung von Kulturgütern in Deutschland angeht.
Einer jahrzehntelangen Tradition, seit 1954 (wieder).
Auf der Seite einer Initiative von „Aktion Mensch“ schreiben Sie diesen „Tagebucheintrag“. Das nenne ich „zynisch, verkümmert“ oder „armselig“. Als Mensch mit Behinderung, Computer- und Videospieler.
Und als solcher fühle ich mich auch politisch verfolgt, wenn ich in Deutschland zu Besuch bin. Und diskrimniniert. Weniger wegen meiner schweren Behinderung, sondern weil ich zufällig Computerspieler bin. Bei dieser Geisteshaltung, welche Sie auch hier zum besten geben.
Aber auch das mag Ihnen ebenfalls nicht zu denken geben, womöglich noch froh darüber sein, weil diese Geisteshaltung ihre jeweiligen geheuchelten Fassaden aufgebaut hat. Für wen auch immer.
 Auch wenn Ihnen dies nicht zu denken gibt, ebenso wenig wie meine Erinnerung bei solchen Aussagen an die kulturellen Sauberkeitsvorstellungen während der Herrschaft des Nationalsozialismus, samit industrieller Vernichtung von Menschen wie mir.
Was wollen Sie eigentlich? Bloß die Kultur von Menschen wie mir schlecht reden, oder diese doch gleich zerstören – weil Sie es einfach nicht besser wissen?
Nun, das bringt mich auch nicht davon ab, über dieser Vorgänge für eine diskursanalytische Dissertation an der Universität Graz hier in Östereich zu schreiben.
Mag. phil. Jürgen Mayer,
Kulturwissenschafter, Steiermark

 

Anmerkung:

ich kann mir durchaus vorstellen, dass meine beiden Beiträge dort samt dem Schreiben oben von der Seite mittlerweile vollständig gelöscht wurden. So weit ist mein Vertrauen in diese „Debatte“ in Deutschland mittlerweile gesunken…

Innovation, Vermutungen und beleidigender Alltag samt Beschimpfungen: ‚“Halo“ nämlich ist pseudoreligiöser Science-Fiction-Kitsch, …‘

3. Mai 2009

‚… in dem es hauptsächlich darum geht, die Welt zu retten, indem man in die Panzerung des Masterchiefs steigt. Das ist ein Figur, die nicht nur einen denkbar uninspirierten Namen trägt. Sie ist dazu noch von einem charakterlichen Tiefgang, gegen den selbst Luke Skywalker vielschichtig wirkt. Garniert wird das ganze mit einer aufgeblasenen Weltraum-Saga, von der man dank genuschelter Synchronisierung fast nichts versteht. Was vermutlich aber für die geistige Gesundheit ganz gut ist.‘ http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,512042,00.html

„Und immer wieder dankbar sein. Denn in Zeiten, in denen inhaltsleere Spiele wie „Killzone 2″ das Gesicht eines Mediums werden wollen, freuen sich Spieler über jede kreative Oase, ganz weit weg von Gewalt und Kampf.“ http://derstandard.at/?id=1234508865655

Ich für meinen Teil wäre schon für einen ganz kleinen Funken Respekt dankbar, wenigstens soviel, dass was anderen gefällt nicht einfach so als inhaltsleer bezeichnet wird – bloß weil womöglich jemandem etwas (daran) nicht gefallen mag oder zu unangenehm sein.

Straßenumfrage und ein Computerspieler bei einer Wahrsagerin

1. Mai 2009

„HL-1.tv bewegtes Lübeck“ veröffentlichte schon im März eine Straßenumfrage mit lauter aufgeschlossenen Menschen: http://www.hl-1.tv/Vorlage_Freieseite.php?id=1430 – ein richtig(er)es Bild?

Unterdessen findet sich bei „Medienpädagogik und Medienkultur. Das Portal zur Medienbildung“ das lustige hier: http://www.mediaculture-online.de/Computerspiele.1292.0.html

Vielen Dank an amegas aus dem Stigma-Videospiele-Forum http://www.razyboard.com/system/morethread-thread-links-zur-presse-rey_alp-1858639-5593886-230.html für die Veröffentlichung der Links dort.

Roland Näf und das Ende jeglicher Liberalität gegenüber fiktionalen Darstellungen in Computer- und Videospielen

1. Mai 2009

Stichwort konsequent zu Ende gedacht – Nikolai von GameRights.ch berichtet über ein Zitat aus der „Solothurner Zeitung“ vom 28. April – darin soll sich der Schweizer „Sozialdemokrat“ wie folgt geäußert haben:

„Wir sind uns alle absolut einig, dass es keine Kinderpornografie geben darf und dass man nicht betrunken Autofahren darf. Warum? Weil diese Dinge Drittpersonen schaden. Das ist auch bei Killerspielen so.“ http://www.gamerights.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=94:roland-naef-vergleicht-qkillerspieleq-mit-kinderpornos&catid=37:news

Ja, folgt man den Ausführungen Näfs in der Vergangenheit, und von PolitikerInnen aus Deutschland, wird dem wohl so sein müssen, damit sie ihre perfiden, menschenverachtenden Behauptungen zwecks Kriminalisierung realpolitisch wirklich umsetzen können. Fragt sich bloß, ob das auch so richtig ist…

Danke an Alea aus dem Stigma-Videospiele-Forum http://www.razyboard.com/system/morethread-thread-links-zur-presse-rey_alp-1858639-5593886-230.html für den Hinweis auf das Zitat