Quentin in der „Kleinen“

Gleich zweimal ätzt die heutige kleingeistige Zeitung über Quentin Tarantino (im Wettbewerb von Cannes).

In einem „Porträt des Tages“ wird über den angeblichen „Herrn des zügigen Blutflusses“ vom „österreichischen Kulturjournalisten des Jahres“, was sag ich, „der letzten Jahre“, bei einer schon penibel wirkenden Aufzählung seiner Filme der Beitrag zum „Grindhouse“ seltsamerweise nicht erwähnt, vielleicht aber auch nur aus Platzgründen anstatt sich eine kurze Erklärung zu allzu unangenehm sein mögenden Diskursen über kulturelle Sauberkeitsvorstellungen zu ersparen, während ein anderer – vielleicht doch erblicher Nachfolger im Kulturjournalisten-Titel einmal kommender Jahre „Inglorious Bastards“ aus Cannes im hinteren Kulturteil berichtet, dass das „Kriegs-Epos“ nicht „wie ein Siegerfilm“ aussehe.

Wider Erwarten sei es kein Aufreger, keine „Blutsuppe“, sondern doch unterhaltsam. Warum aber dann kein Siegerfilm? Ach ja, ich vergaß, „Unterhaltung“ und ein Gewinn in Cannes sollten sich irgendwie ja wohl ausschließen – dem entspricht auch ein Verweis auf das Gerücht „künstlerischer Probleme“ zwischen Tarantino und Isabelle Huppert, um schnurstracks wie selbstverständlich noch eingebildeten Realismus Alain Resnais zu promoten – welcher „Altmeister“ genannt wird, also anders denn ein gewisser „Herr“ im vorderen Teil der Zeitung. Da spielt es auch keine Rolle, dass in Frankreich halt trotz mancher, auch berechtigter, künstlerischer Differenzen sich womöglich vielfältigerer Ausdrucksformen erfreut wird – auch Andersdenkende gleichberechtigt zum Zug kommen können, im Sinne der französischen Filmindustrie noch politisch unterstützt werden http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=877 Und sich dort, also im eigentlichen Mutterland eines filmischen Reduktionismus, es auch ein lebendiges Genre-Kino gibt, mit Erzeugnissen welche im großen Nachbarn Deutschland wiederum schon Gefahr laufen beschlagnahmt und vernichtet zu werden.

Ein „Siegerfilm“ mag der neue Tarantino wirklich nicht sein, aber keine kulturelle Fremdenfeindlichkeit ist eine solche Berichterstattung für mich ebenfalls nicht.

Da kann ich die vorgebliche Weltoffenheit im Leitartikel Stefan Winklers, wo dieser die Ideen eines „freiheitlichen“ Europas, eines „Abendlandes“ und „Christentums“, als Karikatur und Bemächtigung eines religiösen Symbols auf „widerwärtige Weise“ bezeichnet, einfach nicht mehr verstehen. Aber das gehört anscheinend zum Selbstbildnis dazu.

Das gilt auch für den damit doch einhergehenden, breitgetretenen Bericht über die offenbar äußerst mangelhafte politische Kultur steirischer Abgeordneter zum Nationalrat http://www.youtube.com/watch?v=MsSphC9Gtew. Es ist halt doch Boulevard. Wie klein der Artikel zur Klage der Volksanwaltschaft gegen Ewald Stadler ausgefallen ist, verwundert mich darüber hinaus ebenso wenig – wenn auf Seite 10 ein halbseitiges Inserat zu finden ist das sich „Post vom Volksanwalt Mag. Ewald Stadler“ nennt, noch unterzeichnet mit „Unser Volksanwalt in Brüssel“.

Aber Hauptsache man kann sich moralisch noch über „Abendland in Christenhand“-Fantasien stellen und gegen Gewaltdarstellungen im Film richten – alles was man halt lieber ausblenden möchte…

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