Offener Brief an die Stabsstelle der „Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten“ (Bayern)

Sehr geehrte Damen und Herren!
Wie ich den Medien entnommen habe belästigt die „Kommission für Jugendmedienschutz“ aktuell ein österreichisches Unternehmen mit perfiden Unterstellungen unter dem Deckmantel eines „Jugendschutzes“ in Deutschland, welcher aus meiner Sicht nichts anderes als Respektlosigkeit gegen die Kultur anderer Menschen offenbart.
Von „sadistischem Handeln“ ist da unter anderem die Rede, um nur ein Beispiel der ungeheuerlichen Vorwürfe und unhaltbaren Interpretationen gegen Inhalte in Computer- und Videospielen zu nennen. Von damit unweigerlich verbundenen Angriffen auf die Kreativität von KünstlerInnen und ProgrammiererInnen, etc., ganz zu schweigen.
Öffentlich einsehbar ist das Schreiben auf welches ich mich hier beziehe und den Anlaß für diesen Widerstand bildete, etwa hier: http://www.pcgames.de/aid,687577/Gamewareat-soll-auf-dem-Index-landen/PC/News/?menu=browser&mode=article&browsersize=fullscreen&article_id=687577&entity_id=24986&image_id=1145124&page=1&order=#top (17.6.2008 21:28, Internet Explorer 8.0)
 
Die Beschäftigung oder Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt ist sehr wichtig, wertvoll und unverzichtbar für mich. Eine Ressentiment-beladene bis Haß-erfüllte Sprache des Staates dagegen ist in meinem Land weitgehend unbekannt. Zum Teil ist in den hiesigen Jugendschutzgesetzen überhaupt nur von einer möglichen Jugendgefährdung durch Medien die Rede. 
Eine Diskriminierung von Computer- und Videospiele(rInne)n findet in meinem Land glücklicherweise nicht statt, und ich bin auch in der erfreulichen Situation eine (weitergehende) Zerstörung dessen, was ich als Erwachsener zum Beispiel für einen wesentlichen Bestandteil meiner Identität(en) halte, hier nicht befürchten zu müssen.
Anders als in Deutschland wird in meinem Land zwischen Computer-, Videospielen und anderen Kulturgütern etwa auch nicht in der Sozialadäquanz unterschieden.
In der Tat ist mir kein kontemporäres, noch historisches Erzeugnis der internationalen Videospielindustrie bekannt, welches auch nur annähernd dermaßen negativ bis bedrohlich und respektlos im Umgang mit Andersdenkenden wäre, wie das Schreiben auf welches ich mich hier beziehe.
 
Ich protestiere demnach auf das schärfste gegen dieses Vorgehen in meinem Land – was ich auch als Historiker und Kulturwissenschafter mit der indirekten Kundmachung kultureller Sauberkeitsvorstellungen dadurch nach 1945 nicht für möglich gehalten hätte. Wehret den Anfängen, und Freiheit ist immer Freiheit der anders Denkenden sich zu äußern!
 
Mag. phil. Jürgen Mayer
Steiermark,
Österreich

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