Archive for August 2009

Robert Feldhoff tot

27. August 2009

Von den (Online-)Ausgaben der großen Zeitungen fand ich leider nur in der WELT Einen, dafür guten, Artikel zum für mich erschütternden Ableben Feldhoffs: auch der Literaturwissenschafter Hans Esselborn kommt darin zu Wort. Für ebenfalls bemerkenswert halte ich den ersten Kommentar eines gewissen Reinhold Herrmann dazu: „… Auch wenn das literarische Feulleton nicht versteht, für was der Autor Robert Feldhoff steht, so ist er doch für Millionen von Lesern weltweit ein Quell der Inspiration und der Hoffnung auf eine bessere Welt gewesen…“ http://www.welt.de/kultur/article4372529/Perry-Rhodan-Chefautor-stirbt-mit-47-Jahren.html

Ein Nachruf des Teams samt Hinweis auf das bereitgestellte Kondolenzbuch findet sich hier: http://www.perry-rhodan.net/aktuell/news/2009082101.html

„Company of Heroes“ in China ohne Deutsche…

27. August 2009

http://kotaku.com/5346416/company-of-heroes-online-replaces-germans-with-federation

Wer sich wie ich öfters über die Verschleierung des Nationalsozialismus und dessen Herrschaft in Spielen für den deutschen Markt aufregt, hat vielleicht einen neuen Grund sich zu wundern: war für diesen Markt „Company of Heroes“ bislang kein Problem und die Nazi-Bezüge von Haus aus schon zu undeutlich, so musste für eine neue Online-Variante in China die deutsche Seite darin offenbar gänzlich einer fiktiven „Federation“ weichen… Haben mit dieser die „Wölfe“, wie die Nazis in der deutschen Version auch des aktuellen „Wolfenstein“ mitunter genannt werden, so etwa doch noch eine erfundene Heimat in China gefunden?

Die Homophobie des Schattenkomplexes

26. August 2009

In den USA Wird derzeit der Name Orson Scott Cards diskutiert, im Zusammenhang mit einem Boykott der kürzlich veröffentlichen 2D-Hommage „Shadow Complex“ von Chair (Undertow) und Epic Games.

http://www.gamepolitics.com/2009/08/25/gamers-propose-shadow-complex-boycott-over-orson-scott-card039s-invovlement

http://www.gamepolitics.com/2009/08/26/shadow-complex-boycott-non-starter

Zwar war mir Card als gläubiger Mormone bewusst, nicht jedoch als (namhafter?) Aktivist gegen die Rechte sexuell gleichgeschlechtlich orientierter Menschen. Auch nicht, als ich vor nunmehr fast fünfzehn Jahren schonmal einen Titel woran er beteiligt war spielte, Lucasarts Adventure „The Dig“. War das damals schon ein Fehler gewesen?

Abgesehen davon, dass die Narration Cards bei „Shadow Complex“ eine doch eher untergeordnete Rolle spielt, stellt sich diese Frage mir auch grundsätzlich – ohne Autoren-Prominenz: die Beteiligung von Menschen mit massiv ausgeprägten politischen Ressentiments gegenüber (den Rechten von) anderen an einer gemeinschaftlichen Produktion wie der eines Films oder nunmal Spiels: niemand ist dabei allein heranzuziehen, auch der größte eingebildete Auteur und Anhängiger „authentischer Kunstwerke“ nicht. Wo also beginnt die Verantwortung nicht jemanden zu unterstützen der (ansonsten) gegen die eigene Überzeugung operiert, und wo hört diese auf – verkehrt sich vielleicht schon in gegenteiliges um – wenn eine Produktion pauschal boykottiert werden soll, für welche ein solcher Autor, eine solche Autorin, möglicherweise noch gar nicht maßgeblich gewesen ist?

Das Internet als „rechtsfreier Raum“, soziale Netzwerke darin als „rufschädigend“…

26. August 2009

Wer oder was ist schuld? Vorhin in der Zeitung: Facebook „verfallen“, Social Networking gefährlich. Die alten Medien erkennen den Schuldigen scheinbar umgehend im neuen. Dass bloße Vorurteile Firmen bestimmen, wenn diese Schlussfolgerungen aus virtuellen Veröffentlichungen für ihr Personal zu gewinnen glauben, davon ist keine Rede. Man solle doch vorsichtig sein, sich im Netz nicht „exhibitionieren“. Dass eine Partizipation in einem so alten Medium wie der Zeitung bis auf die Leserbriefseite, und sogar noch dort nur unter Auswahl, nicht möglich ist, das ist nicht die Gefahr – scheinbar nicht einmal ein Problem. Im Gegenteil: das war immer schon so und ist wohl auch gewollt. Also die Diskriminierung der Personalabteilungen und Detektivagenturen in dieser Hinsicht ebenfalls? Versuche dort etwas anders zu denken erscheinen enorm abwegig zu sein. Dass Menschen mit Behinderungen wie ich nicht eingestellt werden wollen ist bekannt, nun betrifft das aber offenbar auch jemand der in VZ-Netzwerken auf (zu vielen) Party-Bildern abgebildet ist. Und dieser Umstand deutet auf das Problem Internet? Für ein altes Medium das sich selbst noch dazu wie andere, auch in dieser Hinsicht, gerne nicht nur als moralisch kompetent, sondern ebenfalls als Autorität doch irgendwie begreift, keineswegs nur fahrlässig, sondern regelrecht verantwortungslos zu nennen aus meiner Sicht. Mehr: eine Bankrotterklärung aus moralischen Überlegenheitsdünkeln heraus, vorgetragen im eigenen alten Medium – zugunsten das Leben der anderen ausspionierender Organisationen. Und noch ein Freibrief für viele tatsächlich weniger schönen Umtriebe, sich im Netz hinter einer (vermeintlichen) Anonymität zu verstecken?

The „Federal Department for Media Harmful to Young Persons“…

25. August 2009

Konnte mirs lachen nicht verkneifen, als mir vorhin wiedermal beim US-Gamepolitics-Blog Abgründe bildlich vor Augen aufgetan waren, als es um die verschiedenen Jugendschutzsysteme in Deutschland ging.

Dort scheint mir manches einfach nur so unverständlich schon zu sein was in Deutschland Alltag ist, dass die Kommunikation von Zusammenhängen bereits fast ein Ding der Unmöglichkeit darstellt.

USK-Brunner wurde dort zitiert, und es stimmt ja auch alles: 

„It’s hard when half-truths are being used. They say the USK does this wrong, the USK does that bad and why doesn’t this get a rating?“

Gamepolitics ergänzend dazu: „Brunner noted that other government bodies influence the type of game content which can be sold, including the Federal Department for Media Harmful to Young Persons and the criminal courts.“

http://www.gamepolitics.com/2009/08/24/ea-exec-accuses-german-government-game-censorship

Es ging um die Florin-Aussagen zur USK, welche ebenfalls eine Pressemitteilung der FDP Bereits provoziert hatten: http://www.fdp-fraktion.de/webcom/show_websiteprog.php?wc_c=649&wc_lkm=84&wc_id=12779&bis

Und es sind ja auch wirklich, wenigstens zum Teil, Halbwahrheiten welche da gegen die USK offenbar verbreitet wurden: ein Austausch der USK Durch die PEGI In Deutschland würde erstmal gar keine Änderung bringen, wenn die BPJM Noch immer etwas zu sagen hat bei Computer- und Videospielen. Von den Gerichten ganz zu schweigen…

Im Gegenteil: wenn die USK-Kennzeichen keine Sicherheit gegen eine Indizierung mehr darstellen, wäre es ein Rückfall in die Zeit vor 2003.

Ob Gerhard Florin ein System wie in Großbritannien jetzt angedacht hat, wonach die BPJM Ein Veto quasi hätte gegen PEGI-Kennzeichen, kann ich natürlich nicht sagen…

Da hätte die BPJM Aber auch deutlich mehr zu tun als jetzt und das würde selbst aus meiner Sicht als Nicht-Juristen auch ganz klar ihrem gegenwärtigen Kompetenzbereich schon widersprechen.

Selbst wenn jetzt bereits bei „Gefahr in Verzug“ (Film „Saw 5“, Spiel „Soldier of Fortune 3“) vorläufig ohne Antrag indiziert werden kann, oder wie an einer Stelle im Forum der Piratenpartei spekuliert wird seit 2003 die BPJM (So?) auch selbst einen Antrag stellen darf http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=115&t=7355 , dann wäre aber so halt ständig auch „Gefahr in Verzug“… Und die „Zensur findet nicht statt“-Optik wohl noch weniger kommunizierbar

Deutschland scheint mir ja im Gegensatz zu Großbritannien noch stolz darauf zu sein, dass es im Land offiziell eben keine Zensur gibt…

Capcom: neuerlich Messe-Demo von „Lost Planet“ auch online gestellt?

23. August 2009

Für die Xbox 360 Wurde wie schon beim ersten Teil 2007 unlängst eine Demo für „Lost Planet 2“ veröffentlicht, noch bevor ein Release-Termin des Titels überhaupt bekannt ist.
Damit erfüllt der Hersteller Capcom irgendwie schon zum zweiten Mal den Wunsch vieler (Konsolen-)Gamer, eine Demo die offenbar zuerst auf der E3 Gezeigt wurde lange vor dem Release zumindest auch auf den beiden großen Netzwerken der Konsolenhersteller zu veröffentlichen. Ähnliche Stimmen wurden etwa schon bei der überlangen „God of War 3“-Demo auf der E3 Laut, weshalb Hersteller nicht dazu übergehen diese scheinbar fertigen Produkte auch online der breiten Masse als Kostprobe zur Verfügung zu stellen. Der Aufwand, welcher in die Herstellung dieser später wieder verpuffenden Messe-Demos geht, scheint mittlerweile jedenfalls schon enorme Ausmaße angenommen zu haben. Es wird jedoch davon auszugehen sein, dass Marketing-Maßnahmen wie die von Capcom auch in Zukunft wohl die Ausnahme bleiben werden – zu groß ist der jeweilige (Schau-)Wert für AAA-Titel in der Mache, und wer weiß: vielleicht könnte durch so ein planmäßiges Vorgehen vieler Anbieter das Interesse an jeweiligen Titeln dadurch wirklich geringer werden. Ein Hype scheint in der Industrie schließlich oft vieles zu sein…

http://www.gametrailers.com/video/co-op-demo-lost-planet/54580

Offener Brief an einen Autor der Kleinen Zeitung, anlässlich der Veröffentlichung des Kommentars „Quentin Riefenstahl“ am 23.8.2009 63

23. August 2009

Sehr geehrter Herr Titz!
Ich verstehe nicht und beobachte seit Jahren Woche für Woche wie in Ihrer Zeitung jeder zurückhaltend-reduktionistische, einem vermeintlichen Realismus nachgehende Spielfilm in dem kaum Bewegung herrscht, vor allem aus Frankreich, für „außergewöhnlich“ gut gehalten wird – Ausnahmen bestätigen die Regel – Genre-Filme jedoch für gewöhnlich abgewertet oder gleich übergangen werden. Dabei gibt es gerade in Frankreich auch ein lebendiges Genre-Kino, dessen Werke oder wohl eher Produkte wie es in Ihrer Zeitung so heißen würde, zwar beständig Gefahr laufen im Nachbar Deutschland verboten zu werden, in Frankreich dennoch einen Platz haben. Nicht nur als Filme die dort, wie glücklicherweise hier in Österreich auch, auf Video verkauft und verschenkt werden dürfen, sondern auch eine entsprechende Produktionsumgebung in Frankreich vorfinden.
Dazu braucht es gar kein Hollywood und diese Filme könnten aufgrund ihrer oft noch sexuell aufgeladenen Brutalität in den USA häufig auch gar nicht so einfach in die Kinos kommen, ganz abgesehen von der Sprachbarriere.
Hierzulande ist bis auf zwei Arbeiten des ehemaligen Kameramanns von Michael Haneke, Andreas Prochaska, ebenfalls kaum etwas aus diesem Bereich zu nennen: Prochaska, der sich in einem Interview anfangs einmal relativ erschrocken gezeigt hat in welcher Gesellschaft er sich beim Genre-Film befindet und von Klassikern aus diesem Bereich als „merkwürdiges Zeug“ gesprochen hat.

Tarantino? Dessen Filme brauchen um ein solches Schicksal nicht zu fürchten, dafür kann wirklich im gesamten deutschsprachigen Feuilleton irgendwie noch gelegentliches Verständnis aufgebracht werden, und ich sage bewusst kritisch dazu: warum auch immer.
Wo die Ablehnung für derlei Stoffe, Inhalte UND Formen sonst für gewöhnlich doch einhellig ist.
Und mag sein, dass das sogar wirklich auch ein Manko von Tarantino ist, dass sich dieser so einem etablierten Geschmack und Empfinden mit seinen ganzen Zitaten und der seinen Filmen inne wohnenden Ironie angebiedert hat. Ich sage noch: diese Zitate und die Ironie müssen darin nicht vorkommen, doch weshalb sollte die Gewalt um welche es darin doch auch geht ausgeblendet werden?
Oder gleich gar nicht thematisiert werden? Bloß aus dem off denunziert, so wie bei Herrn Haneke, zur selbstgefälligen moralischen Überlegenheit – weil ein anderer Blick bloß der Konsumierbarkeit von Gewalt dienen würde? Zum Wohle wessen? Wer von „Infantilität“ spricht denkt eine andere „Reife“ mit: kann sich jemand der einen (Alp-)Traum gegen die vermeintliche Realität eintauscht, auch gegen eine historische Realität – dem „so wie es wirklich gewesen ist“ -, nicht bloß ebenfalls etwas einbilden?
Wo ist der Respekt für das (alp)träumen?

Ich halte nicht sehr viel davon, wenn sich Schauspieler ernsthaft als Holocaust-Opfer verkleiden. Dabei wird mir schnell übel, und in diesem gefühlten Zustand befinden sich auch meine rationalen Vorbehalte gegen einen solchen Realismus. Weiß auch, dass ich zumindest mit diesem Gefühl in Österreich nicht ganz allein bin: in Robert Schindels Roman „Gebürtig“ wird dieses Unbehagen, auch verfilmt, thematisiert. Kann ich nur empfehlen.

Am Beispiel „Inglorious Basterds“: dort einen mangelhaften Respekt zu beklagen wirkt äußerst befremdlich auf mich – einerseits den Nachnamen vom Urheber des Films durch den der bekanntesten Propagandistin des Nationalsozialismus austauschen und dann noch mangelhaften Respekt für Nazis fordern, weil ansonsten etwas (auch) „Menschenverachtung“ wäre? Allen anderen wird in dem Film doch ausreichend Respekt entgegengebracht. Eine hohe Wertschätzung für Riefenstahl ist in den USA keineswegs ungewöhnlich, keine Provokation wie hierzulande leider anscheinend immer noch, wo zwischen Form und Inhalt offenbar nicht unterschieden werden kann. Mit der Akzeptanz von Nationalsozialismus hat das doch nichts zu tun und diese Wertschätzung hat auch ein George Lucas vor Jahren bereits verlautbaren lassen: für sein Star-Wars-Märchen hat er sie als Grundlage der „dunklen Seite“ verwendet, bei der gleichen feudalen Grundlage für die „guten“. Faschismus ist ohne Riefenstahl kaum darstellbar aus meiner Sicht. Faschismus als repräsentative Staatsform, das Verbrechen als Fiktion – vom Alltag bis zu „Festen“ – hat Pasolini in seinem letzten Film 1975 gezeigt. Doch wieso soll der repräsentative Faschismus automatisch positiv gemeint sein, und nicht bedrohlich? Ganz abgesehen von der Frage, worin überhaupt die Vorzüge eines Inhalts über die Form bestehen sollten.
Für mich sind solche Bilder immer bedrohlich. Das ist es dann auch was nicht gezeigt werden sollte? Die Bedrohung des Faschismus?

Andererseits kommt wiederum kaum eine einschlägige Sportübertragung im Fernsehen ganz ohne eine solche Ästhetik aus, dort sehr wohl positiv – als Mensch mit Behinderung halte ich eine solche Affirmation bei körperlicher Ertüchtigung schon für hinterfragenswert. Aber mir gefällt das manchmal auch, wenn vom 3m-Brett in Zeitlupe ins Wasser Turm-gesprungen wird. Na und?
Wenn Sie das futuristische Manifest Marinettis gelesen und sich mit Protofaschismus beschäftigt haben, werden Sie schnell feststellen, dass explizite Gewaltdarstellung dessen Sache kaum gewesen sein konnte – das hätte jeder „reinigenden Befreiung“ durch Gewalt, dem Krieg als „Hygiene“, so widersprochen. Das versehrte, die Opfer, darzustellen war immer eher Sache einer anderen, später politisch verfolgten Moderne – bis Darstellungen von Leid und Schrecken wiederum später vor allem im deutschsprachigen Europa beständig Affirmation unterstellt wurde, wenn es sich um die populäre Kultur gehandelt hat, und heute auch so wohl gemeint wird – vor allem in Deutschland – einer populären Gefahr dadurch noch entgegen treten zu können. Dieses entgegen-treten, oft noch so wie in Deutschland mit Verboten bis hin zum Strafrecht, und nicht bloß Ausblendung/Abwertung wie im Falle der Kleinen Zeitung, ist es dann auch, das ich schon eher den Vorwurf einer neuen kulturellen Sauberkeit mache. Und einer Fassade welche keine schmutzigen Bilder sehen will und hinter der die bekannten Abgründe lauern. Die können nämlich, wenn auch versteckt, weiterhin Alltag sein.
Was ist da schon gegen andere Körperdarstellungen zu sagen, welche einmal eben nicht „gesund“-schönes zeigen?

Auch dem Soldaten James Ryan wurde so unterstellt, der Film erfreue sich in seinen Anfangsszenen bloß an den Schrecken des Krieges. Sowie Schrecken und Leid gibt es auch bei den „Inglorious Basterds“ zu sehen, vorausgesetzt es wird nicht gleich als zynisch gemeint affirmativ interpretiert. Der Humor in einem solchen Film liegt aus meiner Sicht jedenfalls ganz woanders als in den Gewaltdarstellungen – was wiederum jedoch noch lange nicht bedeutet, dass man auch daran nicht seinen Spaß haben kann, vorausgesetzt die eigenen Moralvorstellungen werden hinterfragt und/oder zurückgenommen.
Und Spielberg, so wie ich ebenfalls seit vielen Jahren schon passionierter Videospieler, hat nicht nur Schindlers Liste verfilmt, sondern war auch an den „Transformers“ beteiligt.
Einem „Kriegsfilm für Kinder“, wie es oft heißt, womöglich gleich nachdem ein kritischer Film von Eli Roth als „Folterporno“ beschimpft wurde – was laut Roth, der ebenfalls in „Inglorious Basterds“ zu sehen ist, mehr über den Schimpfenden aussagt als einen Film. Dabei erinnere ich mich an die Werbung für ein Buch, die Sie in der Zeitung mal gemacht haben: wenn Peter Bürger über „Staatskunst“ aus Hollywood schreibt, so scheint er für mich eher eigene Gewaltfantasien in die Kultur Andersdenkender zu transportieren und diesen – Menschen wie mir – dann zu unterstellen, wofür er hierzulande „friedensbewegt“ noch Preise erhält. Aus meiner Sicht wäre das bereits nach einem Besuch auf dessen Homepage leicht nachvollziehbar, wenn er sich dort in einem autobiographischen Text kurz in die Rolle des Colonel Kurtz aus „Apocalypse Now“ begeben hat. Jemand, der Freude an Action- und Horrorfilmen, von Tarantino angefangen, hat, muss nicht so zynisch bis gewaltverliebt denken. Wirklich nicht. Derlei Unterschiede in der Wahrnehmung sind es dann auch welche nichts anderes als kulturelle Fremdenfeindlichkeit für mich darstellen. Und diese vermeintliche gesellschaftliche Urteilskraft ist es auch was ich kritisieren möchte.

Aber vielleicht muss da wirklich bei Null angefangen werden und erstmal (wieder) Toleranz eingefordert sein, denn wer kann so schon gegen kulturelle Diversität auftreten und gleichzeitig Gewaltverzicht sowie Friedfertigkeit fordern? Vorschreiben wollen was zu gefallen hat, ein Interesse an der fiktionalen Darstellung vermeintlicher Lebenswirklichkeiten gegenüber fiktive (Alp-)Träume ausspielen, und für ein friedliches, sowie respektvolles Miteinander indirekt plädieren?

Hochachtungsvoll, Jürgen Mayer

Bitte, bitte, bitte. Darf ich mir was wünschen?

13. August 2009

„Dear or Alive 5“ 🙂 Wenn es angeblich schon Peditionen für eine Preisreduzierung von „Call of Duty (6?) – Modern Warfare 2“ gibt, so sollte nach dem unschönen Weggang Itagaki-Sans von Tecmo’s Team Ninja doch auch eine solche Bitte möglich sein, oder 😉 Auch ohne den umstrittenen Meister müsste es trotz meiner gelegentlichen Kritik an kreativer Defizite doch ausreichen personelles Potenzial für einen Nachfolger aus Japan auch geben

Meine Kritik an der Kritik an (vermeintlichen) Nazi-„Vergleichen“ bei der Behandlung von Computerspiele(rInne)n in Deutschland

12. August 2009

In letzter Zeit ist verstärkt Kritik laut geworden an Plakaten und umgeformten Symbolen wie diesem hier

http://www.wowszene.de/files/GamerStern.jpg

In der Diskussion wird dabei des öfteren auf „Godwin’s Law“ hingewiesen, ohne jedoch zu berücksichtigen, dass dieses auf Debatten über historische oder gegenwärtige Diskriminierungen wohl kaum anwendbar ist.

Darüber hinaus erscheint mir dabei vorschnell ein direkter Bezug zum singulären Ereignis des Holocaust, der Shoah, stets kritisiert zu werden – auch wenn keines der beanstandeten Bilder meines Wissens nach darauf überhaupt Bezug genommen hat.

Würden Berge verbotener Spiele mit Leichenbergen von Menschen in Beziehung gesetzt werden, empfände ich das selbstverständlich auch „geschmacklos“ und völlig unangebracht, überzogen bis verwerflich. Doch da dem gar nicht der Fall ist sehe ich bei der Kritik an solchen „Vergleichen“ schon ganz andere Probleme:

ich habe mich mal – schon vor Jahren – daran gemacht, die beiden Holocaust-Einträge auf der deutschsprachigen und englischsprachigen Wikipedia bezüglich des beigefügten Bildmaterials zu vergleichen, und bei diesem simplen Vergleich eine erstaunliche, heute noch immer aktuelle Entdeckung gemacht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

http://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust

Von den gegenwärtig neun Bildern des deutschen Eintrages zeigt kein einziges direkt und eindeutig tote oder sterbende Opfer, beziehungsweise Gefolterte und deren menschliche Hinterlassenschaft. Die meisten Bilder sind Darstellungen von Erinnerungskultur wie Denkmäler und von bis heute zum Zwecke der Erinnerung erhaltener Orte der Vernichtung von Menschenleben.

Der englische Eintrag hingegen weist derzeit 47 Abbildungen auf, von denen mindestens 20 deutliche Darstellungen extrem Misshandelter oder deren menschlicher Hinterlassenschaft zeigen.

Darüber, ob die davon differenzierte Auswahl der Bilder auf der deutschen Wikipedia mit (deutschen) Persönlichkeitsrechten, Bilderrechten in Deutschland zusammenhängt, oder doch von einer Vorstellung beseelt war, drastische Bilder einem deuschen Publikum nicht zuzumuten, kann ich natürlich nur spekulieren. Es ist vorderhand aber auch irrelevant, die unterschiedliche Bildauswahl ist auch ohne ihre genauen Gründe zu kennen einfach belegbar.

Und dahingehend scheinen Symbole wie der Davidstern oder eben das Hakenkreuz (mittlerweile) schon das einzige zu sein, was für eine Repräsentanz historischen Unrechts bis hin zum Holocaust bereits stehen kann. Zwischen Diskriminierung und Ermordung muss da so anscheinend gar nicht mehr differenziert werden. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass sich Ideologie welche bei Diskriminierung anfängt und in der industriellen Vernichtung von Menschenleben (einmal) endete, auch ohne diese Symbole verbreiten könnte…

„Alles was im echten Leben nicht möglich ist…“

11. August 2009

„…, scheint im Netz zu gehen“ ist zu hören. Ich werde auch hier keine Namen mehr nennen, doch hat der Spiegel mit diesem Cover im Print wohl endgültig internationales Format verloren.

Sprechen über Wirklichkeiten und Fiktionen: ein großes Problem in Deutschland – offenbar weiterhin, mit offenem Ausgang.

Manchmal ist es doch nicht so wichtig vielleicht, aber wenn es um vergewaltigte Kinder geht könnte man doch meinen, dass es das wäre: dabei sollte die Autorin dieses Spiegel-Artikels doch eigentlich wissen was in einem Medium „möglich ist“, „geht“, sie arbeitet doch selbst in einem. Und im Internet ist im Grunde genommen substantiell gar nicht mehr möglich als im Medium in dem sie arbeitet – sicher, Ilona Staller unzensiert in ihren Glanzzeiten würde im Spiegel nicht „gehen“: da würde die BPJM Wohl oder übel einschreiten, vielleicht auch zurecht. Doch was geht überhaupt in einem Medium, also auch dem Internet: auf irgendeine Realität bezogen doch nur zwei Dinge – entweder reale Darstellungen oder erfundene Sachen. Fiktion und Wirklichkeit. Letztere ist in diesem Fall auch nicht nur im Internet möglich, und wird auch dort eben verfolgt: das Problem – die Wahrnehmung. Das Internet als „rechtsfreier Raum“ – ein Klischee im politischen Sprachgebrauch Deutschlands mittlerweile, und ein Armutszeugnis noch dazu. Denn das Internet ist weder ein richtiger Raum, noch war es je rechtsfrei: alles was darin geschieht hat ihren Ursprung in der realen Welt – jede Kreativität, die von mir aus schöngeistige, wie auch die ohne Frage verbrecherische, entstammen dieser realen Welt. Dort gibt es nichts zu beschönigen oder zu relativieren. Doch was geschieht?

Es wird die virtuelle Welt als etwas eigenständiges wahrgenommen – fast schon so wie in der harten Science-Fiction eines Greg Egan, wo Teile der Menschheit tatsächlich nur mehr Software sind und geboren werden etwa eine alte Angewohnheit darstellt. Natürlich denken diese AutorInnen, PolitikerInnen etc. Keineswegs so weit. Sie wissen doch (hoffentlich), dass sie in dem Fall eigentlich von realem Leid sprechen.

Dennoch wird andauernd vom Internet geredet – was dieses und jenes mache, tue, initiiere. Technik-, bilderfeindlich: was auch immer.

http://www.youtube.com/watch?v=6AmmFN0joPI