Meine Kritik an der Kritik an (vermeintlichen) Nazi-„Vergleichen“ bei der Behandlung von Computerspiele(rInne)n in Deutschland

In letzter Zeit ist verstärkt Kritik laut geworden an Plakaten und umgeformten Symbolen wie diesem hier

http://www.wowszene.de/files/GamerStern.jpg

In der Diskussion wird dabei des öfteren auf „Godwin’s Law“ hingewiesen, ohne jedoch zu berücksichtigen, dass dieses auf Debatten über historische oder gegenwärtige Diskriminierungen wohl kaum anwendbar ist.

Darüber hinaus erscheint mir dabei vorschnell ein direkter Bezug zum singulären Ereignis des Holocaust, der Shoah, stets kritisiert zu werden – auch wenn keines der beanstandeten Bilder meines Wissens nach darauf überhaupt Bezug genommen hat.

Würden Berge verbotener Spiele mit Leichenbergen von Menschen in Beziehung gesetzt werden, empfände ich das selbstverständlich auch „geschmacklos“ und völlig unangebracht, überzogen bis verwerflich. Doch da dem gar nicht der Fall ist sehe ich bei der Kritik an solchen „Vergleichen“ schon ganz andere Probleme:

ich habe mich mal – schon vor Jahren – daran gemacht, die beiden Holocaust-Einträge auf der deutschsprachigen und englischsprachigen Wikipedia bezüglich des beigefügten Bildmaterials zu vergleichen, und bei diesem simplen Vergleich eine erstaunliche, heute noch immer aktuelle Entdeckung gemacht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

http://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust

Von den gegenwärtig neun Bildern des deutschen Eintrages zeigt kein einziges direkt und eindeutig tote oder sterbende Opfer, beziehungsweise Gefolterte und deren menschliche Hinterlassenschaft. Die meisten Bilder sind Darstellungen von Erinnerungskultur wie Denkmäler und von bis heute zum Zwecke der Erinnerung erhaltener Orte der Vernichtung von Menschenleben.

Der englische Eintrag hingegen weist derzeit 47 Abbildungen auf, von denen mindestens 20 deutliche Darstellungen extrem Misshandelter oder deren menschlicher Hinterlassenschaft zeigen.

Darüber, ob die davon differenzierte Auswahl der Bilder auf der deutschen Wikipedia mit (deutschen) Persönlichkeitsrechten, Bilderrechten in Deutschland zusammenhängt, oder doch von einer Vorstellung beseelt war, drastische Bilder einem deuschen Publikum nicht zuzumuten, kann ich natürlich nur spekulieren. Es ist vorderhand aber auch irrelevant, die unterschiedliche Bildauswahl ist auch ohne ihre genauen Gründe zu kennen einfach belegbar.

Und dahingehend scheinen Symbole wie der Davidstern oder eben das Hakenkreuz (mittlerweile) schon das einzige zu sein, was für eine Repräsentanz historischen Unrechts bis hin zum Holocaust bereits stehen kann. Zwischen Diskriminierung und Ermordung muss da so anscheinend gar nicht mehr differenziert werden. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass sich Ideologie welche bei Diskriminierung anfängt und in der industriellen Vernichtung von Menschenleben (einmal) endete, auch ohne diese Symbole verbreiten könnte…

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