Archive for September 2009

Sprechen über einen Star

29. September 2009

Das was mich an der Verhaftung Roman Polanskis so aufgeregt hat, mehr noch die empörenden Reaktionen welche da sofort über dessen Vergangenheit laut wurden, ist eine gewisse Unkenntnis scheinbar, die mit einem doch auch stets empörenden bis schlicht anprangernden Blick kund getan wurde. Sehr schnell konnte man so zu dem Verteidiger eines „pädophilen Kinderschänders“ werden, obwohl man doch bloß die Trivialität eines Wissens kritisieren wollte: ein Wissen das europäische Kultur in den letzten dreißig Jahren zumindest mit ermöglicht hat. Ich kenne Herrn Polanski wie die allermeisten anderen welche sich in dieser Sache geäußert haben natürlich keineswegs persönlich, dennoch kenne ich seine Arbeit und den Umgang mit ihr.

Ich wußte davon ebenso wie von seiner Flucht in den Siebzigern und was von deren Grund halt so alles bekannt wurde, gleiches gilt für die Geschichte davor – vom Holocaust bis Charles Manson.

Ich nahm die HBO-Dokumentation wahr, Aussagen des Opfers, etc.

Wenn jetzt Kulturschaffende, zum Teil sicher mit üblich-bekannten Ressentiments, wegen ihrer Verteidigung Ps. angegangen werden, so trägt das abgesehen sämtlicher möglicher antisemitischer und/oder kleinbürgerlicher Wut auch einige kafkaeske Züge: wo bei Kafka das eigentliche Verbrechen in solchen Fällen kaum bis gar nicht bekannt war, scheint es hier ins Auge zu springen, eben gleich zugegeben worden zu sein. Doch was bedeutet dies? In Wirklichkeit wahrscheinlich nicht viel, und ein solches Urteil (von mir und anderen welche die Sache in eine ähnliche Richtung sehen) ist es letztlich, das angegangen wird. „Wahrscheinlich nicht viel“ hab ich eben geschrieben, und das soll angesichts des Leids des bekannten Opfers Ps. Empören.

Relativ früh hab ich seit gestern, und ich versuchte über diverse Internetforen bei Tageszeitungen eine gewisse Stimmung zu erhaschen, Reden über die (vermutlich bloß deutschen) Internetsperren in dem Zusammenhang vernommen. Und die Argumentation einer Von der Leyen bei diesem Thema, sowie die mit Selbstverständnis vorgetragene Empörung über P. Kann ich nicht ganz auseinanderhalten. Ich denke zurecht nicht.

Von „internationalen Ecken“, Tee und Deutschland

29. September 2009

Gestern Nachmittag, der praktisch designierte neue deutsche Außenminister auf einer Pressekonferenz: http://www.youtube.com/watch?v=R4pQlkshzm4

Frédéric Mitterand: „Man kennt die Bedingungen, unter denen das passiert ist.

28. September 2009

Und genauso wie es ein großzügiges Amerika gibt, das wir lieben, gibt es auch ein gewisses Amerika, das Angst macht. Und dieses Amerika hat uns heute sein Gesicht gezeigt“, zur schrecklichen Situation um den nach dreißig Jahren Kulturschaffen für Europa in Zürich auf einmal inhaftierten Roman Polanski Polanski ficht Auslieferung an USA an: «Leider hat es diesmal Herrn Polanski getroffen»

Bundestagswahl

27. September 2009

Ich finde, dass das Ergebnis aus Gamer-Sicht realistischerweise überhaupt nicht besser sein könnte.
Eine linke Koalition war von der deutlichen Abgrenzung der Bundes-SPD Zur Linken von vornherein undenkbar, auch da Rot-Grün sich nie und nimmer ausgegangen wäre und die FDP Eine Ampel schon im Vorfeld ausschloß.
Die Koalition welche das “Killerspiel”verbot in den Koalitionsvertrag schrieb war 2005 Schließlich die große Koalition: die FDP Hat sich anders als die SPD Immer klarer dagegen ausgesprochen und die FDP Ist sehr gestärkt aus dieser Wahl hervorgegangen.
Sicher liegt es ganz bei ihnen (der FDP), wie in dieser Frage weiter vorgegangen werden wird.
Die Parteien welche vorderhand für mehr Verbote in diesem Bereich waren, waren aber immer die beiden Volksparteien.
Die SPD Hat sich in den letzten vier Jahren immer weiter nach rechts entwickelt und aus meiner Sicht mehr als alles andere als von der Union zu wenig verschieden präsentiert. Als außenstehender Beobachter halte ich diese scheinbare bürgerliche Wende in Deutschland, von der folgenden Mitte-Rechts-Regierungskonstellation abgesehen, so auch eher für einen Linksruck im Parlament

Die Piratenpartei hat dabei ein außerordentlich gutes Ergebnis erzielt und offenbar ganze 2% Der Stimmen auf Anhieb erreichen können: http://www.piratenpartei.de/node/944

TGS 09: meine Top 9

26. September 2009

1. Ninokuni (NDS) Ninokuni , 2. Okamiden (NDS) Okamiden , 3. Metal Gear Solid: Peace Walker (PSP) Metal Gear Solid: P… , 4. Resident Evil: Darkside Chronicles (Wii) Resident Evil: Dark… , 5. Dead Rising 2 (PS3/Xbox 360) TGS 09: Sweet Wheels Gameplay, 6. No More Heroes 2 (Wii) No More Heroes 2 , 7. Dead Space: Extraction (Wii)  Dead Space: Extract… , 8. Bayonetta (PS3/Xbox 360) Bayonetta , 9. End of Eternity/“Resonance of Fate“ in den USA (PS3/Xbox 360) Resonance of Fate ;

TGS 09: immer mehr westlich orientierte Großproduktionen aus Japan

26. September 2009

Die erste Berichterstattung über die diesjährige Tokyo Game Show hat von Japan selbst aus meinen Eindruck schon noch verstärkt, wonach sich die japanische Videospielindustrie in einer tiefen kreativen Krise befindet.

So scheinen immer mehr der größeren Produktionen, sofern es sie denn überhaupt gibt, beträchtliche Anleihen an einem westlichen Geschmack zu nehmen und zum Teil auch gleich (nur) englisch vertont zu werden – wenn nicht gleich im Ausland entwickelt, wie etwa „Castlevania“ (Spanien), „Dead Rising 2“ (Kanada) oder „Silent Hill 5“ und „Front Mission Evolved“ (beide USA).

Blickt man schließlich etwa auf den japanischen PSN, so ist die Dominanz kleiner japanischer Titel, welche hierzulande – falls überhaupt – unter ferner liefen laufen, unübersehbar: Gründe dafür dürften neben kreativer Defizite zur Zeit vor allem in den explodierenden Produktionskosten bei dieser Konsolengeneration liegen. Ein Erfolg auf dem japanischen Markt allein garantiert für ein einzelnes Spiel anscheinend keinen großen kommerziellen Erfolg mehr.

Schläge von der Polizei

21. September 2009

Furchtbare Bilder von einer Polizeiaktion, aus Dänemark: leider ist mir der Zusammenhang nicht ganz ersichtlich – http://sondagsavisen.dk/91/050125136/ Nehme jedoch an, es ging wahrscheinlich um eine Demonstration für ein besseres Asylrecht.

Antisemitismus zahlt sich hierzuland demnach (weiterhin) aus?

20. September 2009

Über ein Viertel der heutigen WählerInnen in Vorarlberg sollen ihre Stimme einer Partei gegeben haben, deren Spitzenkandidat im Wahlkampf bundesweit in erster Linie durch einschlägige Äußerungen gegen den Leiter des Jüdischen Museums Hohenems aufgefallen ist und den Stimmenanteil so noch verdoppeln konnte http://www.youtube.com/watch?v=Uq_PyMzuM8I Ein dunkler Tag für ganz Österreich.

Ächtung des Ausdrucks von Menschen an deutscher Schule

18. September 2009

Die Ächtung des kulturellen Ausdrucks von Menschen scheint nun erstmals auch ganz offiziell an einer deutschen Schule gefordert zu werden: „Killerspiele sollten geächtet werden“ – Schule im Schwarzwald Die betreffende Bildungseinrichtung solle „frei“ davon gemacht werden…

Phoenix: selbstverständliche Empörung unter Scheinwerfern

18. September 2009

Es ist ja nichts neues und Fiktionen waren gestern Abend überraschend positiv weniger das Thema, Gewaltvideos – die echten, gefilmten Verbrechen – sind keineswegs zu rechtfertigen, dennoch: dass sich ein renommierter Autor wie Wolfgang Bergmann im deutschen Fernsehen über „Snuff“-Videos empört, setzt wohl hoffentlich voraus, dass es so etwas überhaupt wirklich gibt, also das zu Unterhaltungszwecken hergestellte Filmdokument eines Mordes. Ansonsten könne er auch gleich über das Loch-Ness-Monster als gesicherte Erkenntnis reden. Und das womöglich noch mit anderen Gewaltverbrechen in Zusammenhang bringen: der Urban Myth „Snuff“ – Thema einer Vielzahl popkultureller (Mach-)Werke bis hin zu in Deutschland auch beschlagnahmten Sachen (Manhunt) – bleibt so jedenfalls eine Imagination. Außer jemand wie Herr Bergmann, der offenbar gegenteiliges behauptet, könnte dieses Gegenteil auch beweisen.

Was nicht der Lebenswirklichkeit so Vortragender entspricht, deren Geschmack und Empfinden, erscheint in dieser Form auch als Mysterium, als Abscheulichkeit kulturpessimistischen Zuschnitts, und drückt letzendlich aus meiner Sicht nichts anderes aus als einen pornografischen Blick auf die Welt, welcher mit allem anderen das der Lebenswirklichkeit so Vortragender fremd erscheint, bricht: dem aber leider nicht genug, denn diese Fremdheit wird überhaupt nicht hinterfragt – bis hin zu anwesenden Richterinnen nicht, ob „gnadenlos“ oder nicht – sie ist und bleibt, für Deutschland, leider negativ – bis feindselig. Dieses Fremde in fremden Medien.