Moral, Ausdruck und das eigene Überleben

Seit gestern beschäftigt mich ein Gedanke den ich beim neuerlichen Studium des Beschlagnahmebeschlusses zu Segas „Condemned“ (2005/06) hatte: http://www.technolex-anwaelte.de/index. … =condemned

Der Gedanke betraf die Frage, ob ich überhaupt in einer „Konfliktsituation“ handle, wenn ich mich in einem Videospiel Gewalt gegenübersehe, oder nicht doch in einer Notsituation. Wird das Leben von jemandem gewaltsam bedroht und es besteht die Möglichkeit mittels Gewaltanwendung das eigene Überleben im Spiel sicher zu stellen? Diese Bedrohung scheint mir dabei unter Hinweis auf eine solche „Konfliktsituation“ ja noch zusätzlich problematisiert zu werden, wenn etwa behauptet wird, Spiele würden (unnötig) Feindbilder aufbauen, etc. Gerade in Deutschland wird auch in dieser Hinsicht aus meiner Sicht noch immer gegen den Ausdruck von Gewaltdarstellungen mit einer moralischen Verantwortung für friedliche Koexistenz als Reaktion auf die unheilvolle Vergangenheit – angefangen von „nie wieder Krieg“ – geredet, doch welche Rolle kommt dabei dem Individuum zu?Schaffte dieses Denken womöglich nicht doch (wieder) bloß neue Normen in denen die Situation des Einzelnen hinten an steht?

Wäre nach allen schrecklichen Erfahrungen eine auch gedanklich klare Trennung zwischen Fiktion und Realität, ähnlich wie in Japan, nicht wesentlich wünschenswerter?

Ausgangspunkt vieler negativer Sichtweisen auf die Inhalte von Spielen scheinen mir nämlich weiterhin die Lebenswirklichkeiten von Menschen zu sein: genau darum geht es in vielen der inkriminierten Spiele aber doch überhaupt nicht, sondern eher um diese Lebenswirklichkeiten durch andere aufregende Situationen zu erweitern. Im positiven wie negativen Sinn: vielfach dabei auch um solche Situationen, in welche man sich freiwillig im eigenen Leben wohl niemals begeben möchte. Das Interesse an solchen Situationen stößt so jedoch auf Unverständnis, und sei es wie eben vor Gericht. Dort wird dann noch mit einer Gefahr der Nachahmung für Verbote argumentiert, doch wiederum ohne die Situation in der es zwischen den Spielfiguren zu Gewalt kommt eigentlich genau zu betrachten. Schließlich beschäftigt sich selbst die Nutzungs- und Wirkungsforschung mehr mit der Frage ob es zu einer solchen Nachahmung kommen kann, als ob eine solche Nachahmung überhaupt Sinn machen würde oder nicht von vornherein schon absurd zu nennen wäre, weil Spiele nachzuahmen gar kein einseitiges Vorgehen, gar kein Verbrechen bedeuten würde, und die Verbrechen welche in einer realen Welt geschehen eigentlich ganz anderer Natur sind.

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