Sprechen über einen Star

Das was mich an der Verhaftung Roman Polanskis so aufgeregt hat, mehr noch die empörenden Reaktionen welche da sofort über dessen Vergangenheit laut wurden, ist eine gewisse Unkenntnis scheinbar, die mit einem doch auch stets empörenden bis schlicht anprangernden Blick kund getan wurde. Sehr schnell konnte man so zu dem Verteidiger eines „pädophilen Kinderschänders“ werden, obwohl man doch bloß die Trivialität eines Wissens kritisieren wollte: ein Wissen das europäische Kultur in den letzten dreißig Jahren zumindest mit ermöglicht hat. Ich kenne Herrn Polanski wie die allermeisten anderen welche sich in dieser Sache geäußert haben natürlich keineswegs persönlich, dennoch kenne ich seine Arbeit und den Umgang mit ihr.

Ich wußte davon ebenso wie von seiner Flucht in den Siebzigern und was von deren Grund halt so alles bekannt wurde, gleiches gilt für die Geschichte davor – vom Holocaust bis Charles Manson.

Ich nahm die HBO-Dokumentation wahr, Aussagen des Opfers, etc.

Wenn jetzt Kulturschaffende, zum Teil sicher mit üblich-bekannten Ressentiments, wegen ihrer Verteidigung Ps. angegangen werden, so trägt das abgesehen sämtlicher möglicher antisemitischer und/oder kleinbürgerlicher Wut auch einige kafkaeske Züge: wo bei Kafka das eigentliche Verbrechen in solchen Fällen kaum bis gar nicht bekannt war, scheint es hier ins Auge zu springen, eben gleich zugegeben worden zu sein. Doch was bedeutet dies? In Wirklichkeit wahrscheinlich nicht viel, und ein solches Urteil (von mir und anderen welche die Sache in eine ähnliche Richtung sehen) ist es letztlich, das angegangen wird. „Wahrscheinlich nicht viel“ hab ich eben geschrieben, und das soll angesichts des Leids des bekannten Opfers Ps. Empören.

Relativ früh hab ich seit gestern, und ich versuchte über diverse Internetforen bei Tageszeitungen eine gewisse Stimmung zu erhaschen, Reden über die (vermutlich bloß deutschen) Internetsperren in dem Zusammenhang vernommen. Und die Argumentation einer Von der Leyen bei diesem Thema, sowie die mit Selbstverständnis vorgetragene Empörung über P. Kann ich nicht ganz auseinanderhalten. Ich denke zurecht nicht.

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