„Klasse – Rassismus?“ – offener Brief an Andrea Brandt, SPON

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,635876,00.html

Sehr geehrte Frau Brandt!
Ich gratuliere.
Dieser Artikel stellt auch für SPON Bei einer ohnehin schon auch langen Tradition Vorurteils- und Ressentiment-beladener Texte, trotz dem einen oder anderen Aufgeschlossenheit vermittelnden Artikel, doch einen weiteren Tiefpunkt dar was die Wahrnehmung von Menschen als „funktionierende“ (oder eben nicht) Maschinen betrifft, deren Geschmack und Empfinden als offenbar normativ vorgegebene Tatsachen, welche eine sinnvolle bis respektable Beschäftigung oder Auseinandersetzung mit Krieg oder Gewalt in bestimmten Ausdrucksformen von vornherein bedingen oder eben schon ausschließen. Ob es sich dabei nun um Sport oder Kunst handelt.
Dabei mein ich gar nicht die ansonsten notorische Rede von „Gestaltungshöhe“, sondern moralische Überlegenheitsdünkel, die mit einer Mischung aus aggressivem Kulturpessimismus, einem naiven Konzept von Ursache und „Wirkung“ und negativem Menschenbild einschüchtern wollen. Den negativen Bezug zu etwas anderem, so fremd wirkendem, das damit verbunden einzig und allein in ímmer wiederkehrendem Unverständnis und vorwurfsvollen Gefühlen, Unterstellungen, Zuschreibung dessen was anderen gefällt als Verbrechen bis hin zu einer wiederholten Rede von Morden und Tötungen, aufzugehen scheint. Ohne zu wissen was Leuten wie Ihnen, Frau Brandt, eigentlich so alles gefällt. Das bleibt stets mehr oder weniger dunkel.
Eigentlich traurig. Nichts dazugelernt – in vielen Jahrzehnten nicht: bloß „bürgerliche“ Fassaden aufgebaut, hinter denen sich Abgründe erstaunlichen Ausmaßes verbergen. Abgründe, welche mit solcher „Kritik“ scheinbar geschützt werden sollen, „Kritik“ wie es euphemistisch immer heißt. Aber das sind andere Herkünfte, Identitäten für Menschen wie mich halt auch nicht. Und „Kritik“ in dieser Form ebensowenig angebracht, sondern brutal, ja ihrerseits moralisch verwerflich, wie es aus meiner Sicht keine Fiktion, kein Computerspiel je sein könnte. Wenn es sich um andere Kulturen handeln würde ginge das alles ja gleich überhaupt nicht, bloß bei Medienfeindlichkeit: diesem letztes Ventil, das man sich in Deutschland so erhalten hat, die letzte Kultur die man meint noch ungestraft zerstören zu können. Und sei es mit angeblicher Tugend. Ob es sich nun um Gaming, den Genre-Film, japanische Mangas/Anime oder explizite Darstellungen von Sexualität handelt – alles wird übelst zugeschnitten und reduziert. In einem amerikanischen Sprichwort heißt es, dass zunächst die Fiktion streitig gemacht wird, hernach das Denken und am Ende das Leben von Menschen, und ich denke, hier ist man schon längst beim zweiten Punkt angekommen (wieder). Und da sehe ich bei Leibe keinen Unterschied, weil es für gewöhnlich ja „nur“ um Freizeitbeschäftigung geht: nein, es geht auch um Kreativität und mit das Denken von Menschen. Deren Gefühle und Empfindungen die so diffamiert, nachhaltig diskreditiert werden. Ob es sich nun um Hautfarbe, Behinderung, Sexualität, Religion oder gesellschaftlichen Status handelt. Letzterer spielt ja auch in diesem Artikel mit hinein, wenn etwa von „gebildeten“ Leuten gesprochen wird. Wäre auch für die Soziologie eines Bourdieu glaub ich leicht als überaus brutal zu erkennen so ein Text. Als selbst gewalttätig(er als das was scheinbar thematisiert wird). Denn wie ließe sich eine solche Sicht auf die Welt, ein solches Bild von Menschen wie mir, ganz abgesehen von einem Klassendenken, noch beschreiben?

Aber ich danke Ihnen und Ihren Kollegen auch dafür: so geht mir hier in Österreich oder anderswo auf der Welt, an einem Ort welcher davon (noch) nicht betroffen ist, nie Material zur Analyse aus, bei dem in dieser Hinsicht erfreulich unerschöpflichem Quell an Geschmacksnormen aus Deutschland.
Meine Empathie gilt derweil (weiterhin) den deutschen Gamern, welche das alles und noch viel mehr ertragen

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