Kommentar bei Badischer Zeitung

http://www.badische-zeitung.de/computer-medien-1/darf-man-am-pc-zivilisten-toeten

Wie ist eine solche Berichterstattung auch nur erklärbar? Geschweige denn verantwortlich zu nennen?

Wird sich auch über andere Darstellungen von Schrecken und Leid hier dermaßen empört, dass der Eindruck erweckt wird damit nichts zu tun haben zu wollen?
Hier wird über dermaßen negative Gräueltaten wie noch ein Flughafenmassaker geschrieben und geradezu selbstverständlich dessen Thematisierung mit einer solchen Empörung abgelehnt. Bloß nicht ansprechen scheinbar. Dass von den EntwicklerInnen gerade diese Reaktion beabsichtigt war keine Sekunde angedacht anscheinend. Warum? Weshalb? Weil es als „Spiel“ firmiert? Das tut jedes andere Schauspiel auch. In jedem Schauspielhaus. Was ist das für ein vorurteilsbeladener Zugang zum anderen-fremden Denken? Gar dessen sein? Woher kommen diese negativen Gefühle – wo gehen sie hin?
Was soll darin an Krieg Spaß machen und weshalb wird jeder negativen Darstellung in dieser Hinsicht offenbar eine positive (affirmative) Bedeutung unterstellt?
Von welchem Kulturbegriff dabei ausgegangen wird frag ich erst gar nicht.
Was ist das bloß für ein Zugang zu einer anderen, vermeintlich fremden, Ausdrucksform gegenüber?
Da wird breit von der Schrecklichkeit dieser Szenen erzählt, jedoch ohne diese auch nur ansatzweise zu reflektieren. Sie werden mit Empörung einfach so abgelehnt, auf dass hier oder anderswo damit nie wieder jemand (so) konfrontiert werde: wenn schon mit fiktiven Verbrechen in einer fiktionalen Welt so umgegangen wird, wie dann erst mit historischen oder gar gegenwärtigen? Werden dieser dann ebenso geleugnet und womöglich nur für Sonntagsreden mißbraucht, damit die Eigentlichkeit sauber bleibt? Eine solche Berichterstattung kann ich nur menschenverachtend nennen.
Das ist nichts anderes als ein negativer Zugang zum fremden, eine schlichte Ablehnung des Geschmacks Empfinden Andersdenkender für mich. Negative Gefühle. Welche gesellschaftlichen Grundlagen sollen hier so transportiert werden? Eine Gesellschaft die weg sieht und von nichts etwas wissen will, mit nichts etwas zu tun haben, sich für beständig überlegen hält und andere dabei noch ausgrenzt? Ein anderes Denken am Ende gar nicht mehr zulässt?
Das was in Nachrichten geschieht noch für notwendig hält, aber bloß nicht in der Kunst davon belästigt werden will??? Davon was in Nachrichten geschieht. Denn dieses Spiel ist nichts anderes: eine Reflexion dessen was in Nachrichten geschieht beziehungsweise leider passieren könnte, also von nichts anderem als großem öffentlichen Interesse, und die EntwicklerInnen erlauben sich dem Spieler, der Spielerin, zuzugestehen, das auch einzuordnen und geben dabei eben nichts moralisch vor, ordnen es eben NICHT Fein säuberlich für bestimmte Herrschaften und Damen Deutschlands hier ein.
Aber der Titel wurde diesbezüglich ja auch schon zensiert um von der in Deutschland dafür zuständigen Stelle die Freigabe „ab 18“ zu erhalten.
Also: was denn noch? Die deutsche Öffentlichkeit wird am deutschen Markt so doch bereits immer wieder für unmündig erklärt, aus einem dementsprechenden Normdenken heraus? Unter einem Deckmantel von „Jugendschutz“ oder dem so festgelegtem Strafrecht. Denn „ab 18“ bedeutet in Deutschland keineswegs, dass etwas auch wirklich „ab 18“ freigegeben wäre. Da gibt es noch ganz andere Einstufungen und „ab 18“ deutet oft genug schon auf Zensur hin. In dutzenden wenn nicht hunderten Fällen bei internationalen Spielen, in hunderten wenn nicht tausenden Fällen bei internationalen Filmen. Das ist die Schande Europas: ein cordon sanitaire wurde in Deutschland gebildet, der jede Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vermeintlich beseiitgigen soll, doch was geschieht in dessen inneren: welche Voerstellungen von dem was sich angeblich gehören würde, was sein soll und nicht sein darf, gibt es darin, und wie wird ein normativer Kulturbegriff gepflegt und immer weiter getragen – bis in die Computerspielpresse hin, um beim Thema Videospiele zu bleiben? Was geschieht hier bloß? Was soll das?
Wo führt diese diffamierende Agitation hin?

Mag. phil. Jürgen Mayer,
Historiker und Kulturwissenschafter
Steiermark, Österreich

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