Archive for Dezember 2009

Filmkritik: „Brüno“ (2009)

28. Dezember 2009

Von Arschwitzen gesegnet 9/10 Österreicher *****

Die weitgehende Verhaltung bis Ablehnung gegenüber diesem neuen Film des Duos Charles/Cohen finde ich schon bezeichnend: während sich beim fremden Rückstand Borats noch wohl zurücklegen gekonnt wurde, schafft es diese bombastische Programmierung ständig gleicher Szenen kaum bis gar nicht mehr als dass nur mit einem Dunstkreis der Verachtung dagegen geschlagen wird, umgeben von Vorstellungen über „Pornographie“: von Begriffen dazu bis zum „money shot“ (Ekkehard Knörer). Die eigenen Vorbehalte und Vorurteile, Jahrzehnte nach den kulturellen Sauberkeitsvorstellungen und den Tabus bis zu industrieller Vernichtung immer und weiterhin das gleiche, in einem meiner festen und tiefsten Überzeugung nach beständig fremdenfeindlichen deutschsprachigen Raum. Alles behutsam gepflegt in unzähligen Feuilletons.

Die angloamerikanische Welt war freundlicher, und in erster Linie richtet sich dieser Film ja auch nicht gegen Deutschtümer, geschweige denn gegen Österreich so wie Borat nichts gegen oder gar auch nur über Kasachstan wirklich sagte, sondern betrifft weiterhin vor allem den extrem grassierenden homophoben Alptraum Amerika, in dessen Herzen mit jeder gestellten Einstellung auch durchaus nahe zu kommen gescheint wird. Damit nähert sich Cohen mit dieser Figur auch in Bezug auf ein solches Amerika negativen USA-Bildern etwas weiter an, ein Amerika das mit diffuser Ablehnung (stereotypen) Fremdem in Borat ebenfalls bloß angedacht wurde.

Dagegen gefallen sicherlich die lieben Schwulitäten eines Michael Herbig, über die in Deutschland jeder lachen kann – selbstverständlich auch die tatsächlich schwulen Spießer in der Landschaft, welche in Wahrheit teilnahmslos anderen gerne alle möglichen Krankheiten andichten die sie in ihren Vorstellungen normal „funktionierender“ Menschen sich zu diagnostizieren womöglich im Stande sehen. Die halten Bru/üno wahrscheinlich selbstredend mit für „geschmacklos“. Wie widerwärtig und traurig ich das finde kann ich eigentlich gar nicht sagen.

Cohen gefiel mir bislang tatsächlich nur als Schauspieler (Sweeney Todd), den grundsätzlich harm-, sowie bissloseren Ali-G und Borat konnte ich nur wenig bis gar nichts abgewinnen: Bru/üno fiel mir aber schon im Fernsehen auf, und die Figur kommt hier tatsächlich formvollendet ausgebaut daher. Eine große Überraschung für mich.

Dabei sind es auch weniger Fernsehsendungen oder nur Bilder davon, welche die Satire des Films kennzeichnen – vielmehr ist es eine umfassendere Gesellschaftsdiagnose jenseits der noch familienfreundlichen Simpsons, wie ich sie bislang lediglich von der GTA-Videospielreihe her kannte.

Es gibt sogar kurze Momente ernsthafter Stille und des Dramas, etwa als Cohen vor einem Auditorium seinen finanziellen Einsatz für Projekte verkündete, hochdramatisch, an einer Stelle, als ein vermeintlicher Mexikaner wie ein Spanferkel zum 80er-Jahre-Starlet Paula Abdul hereingetragen wird, fühlte ich mich sogar an Pasolinis Salo erinnert.

So erhaben der Inhalt des Films somit sein mag, so bekannt ist dagegen dessen Form: wirklich nichts neues wird formal dieser semidokumentarischen Wundertüte aus fiktionaler Inszenierung von Wunderlichkeiten und realer Verwunderung bis in diesem Fall vor allem Abscheu hinzugefügt. Das macht den Film leider auch technisch absolut langweilig. Schade.

Kurzum: der Film, welcher einen Menschen zeigt, der den ganzen Film hindurch eigentlich niemandem etwas getan hat und doch beständig Ablehnung erfuhr, entlarvt soziale Regeln, pervertiert zu einem ganz alltäglichen Faschismus, und zwar durchaus glaubhaft im hier und jetzt – so gestellt können die einzelnen Szenen gar nicht sein. Ein überdreht Erfundener, und dennoch ein Mensch, welcher durch Umstände und Wünsche daran gehindert wird sein eigenes Glück zu verfolgen – gehindert von Normen. Mitunter möglicherweise mörderischen Normen

Rating 9.0

„Vereitelter Flugzeuganschlag“

27. Dezember 2009

Die Online-Präsenz des Wiener Standard zeichnet sich in diesen Minuten nicht gerade aus: von einem „störenden“ Passagier wird da berichtet, und in mir kommt die Frage auf, ob jetzt etwa schon die Hinderung eines Menschen am verrichten seiner Notdurft als Kampf gegen Terrorismus (international) ausgewiesen wird: http://derstandard.at//1259282726057/Erneuter-Zwischenfall-Auf-derselben-Strecke ???

Von der Bestie Mensch gibt es kein entkommen

27. Dezember 2009

Ob es nun um die mit moralischen Überlegenheitsdünkeln vorgetragene Agitation gegen „Killerspiele“ in Deutschland und „Killer-Games“ in der Schweiz geht, sonstige Ablehnung fiktionaler Gewaltdarstellungen, die plötzliche Empörung nach der Verhaftung Polanskis, die pauschalen Verurteilungen eines angeblich Kinder vergewaltigenden Katholizismus wie sie mir als Katholik in den letzten Tagen gefühlsmäßig untergekommen sind, oder (wieder) anderes handelt: sich selbst von allem möglichen Unheil der Welt auszunehmen, darauf – auf vermeintlich widerwärtiges oder tatsächliche Verbrechen – bloß mit Verachtung, Distanz oder geglaubter Überhöhung zu blicken,  hilft der Menschheit nicht weiter. Keinesfalls ebenso eine (positive) Friedensbewegung mit einem (negativen) gegen-verschiedenes-sein und dafür noch glauben gewissenhaft auftreten zu können, zu verwechseln. Dazu gehört auch die vorgegebene Neutralität und beständig doch mit Unterstellungen sich für etwas besseres zu halten in einem österreichischen Parlament als filmische Sichtung aufzuführen.

Kulturen einteilen zu wollen, zwischen „Kult“ und davon kategorisch zu unterscheiden, etc.

Wie Eli Roth in punkto Gewalt angemerkt hat geht es darum damit umzugehen, ich füge hinzu: einen Umgang damit zu lernen, sich nicht auszunehmen und eben für etwas besseres zu halten.

Das hilft nämlich nichts und niemandem. Gewalt ist immer negativ, und anderen einen, noch dazu pauschal, positiven Zugang dazu zu unterstellen sollte (deshalb) in jedem Fall wohl überlegt sein. Gewaltdarstellungen können helfen damit individuell umzugehen, sich über den eigenen Körper und den anderer besser klar zu werden, diese besser zu verstehen, ihr vorhanden-sein, Rolle und Zweck auf der Welt, und zwar nicht im Sinne eines mechanistischen Menschenbildes von Stimulus und Response, Ursache und Wirkung. Das ganz und gar nicht.

Das gleiche gilt für Sexualität, deren helle wie dunkle Seiten. Konsensual von ruhiger Zärtlichkeit in Stille bis zum radikalen und schnellen, kontrollierten Spiel im BDSM-Bereich. Über „Pornographie“ als durchaus auch sexuellen Ausdruck einzelner Menschen gilt es nachzudenken, deren Öffentlichkeit oder Privatheit, sowie darüber wie wichtig Schutzalter sind.

Und selbstverständlich gilt es auch über diesen Bereich hinaus wiederum nachzudenken, welche Werte und Normen, welcher Blick auf die Welt einem ständigen Wandel unterzogen wann und wo richtig oder falsch sind.

Wo und wann Blick auf anderes die Ablehnung von Fremdem bedeutet, und wie dieser Ablehnung begegnet werden kann, so dass ein Zusammenleben von Menschen in verschiedenen Gesellschaften, gemeinsam ODER Nebeneinander, das heißt mit sowenig Zwang wie möglich, möglich(er) wird.

Dämonen und die Welt. Auch ganz ohne Buffy

21. Dezember 2009

Ich las UND Hörte (wobei ich mir bei letzterem nicht sicher bin, ob ich da nicht einem Verbrechen unfreiwillig beigewohnt habe – zumindest teilweise – von wegen, dass bilderfeindlich Gewalt weniger in Akustik vermutet wird) http://web246m.dynamic-kunden.ch/maria/anneliese.html#Kassetten in letzter Zeit viel über Exorzismus. Nachdem meine Bibliothek nichts mehr diesbezüglich hergab, bestellte ich mir vorhin zwei äußerst kathulisch erscheinende Titel, einen vom Chef-Exorzisten aus Rom, den anderen einer Theologin und ebenfalls Exorzistin (?), die schon über Johannes, den XXIII., geschrieben hat. Was tut man nicht alles um seine Religion (noch) besser zu verstehen… Investigativen Journalismus aus Deutschland meide ich übrigens wie der Teufel das Weihwasser. Bislang jedoch ohne Ergebnis 😉

Unbegründet, die erste: die gesamte Mathematik ist falsch

21. Dezember 2009

😉

Krieg… was ist das eigentlich?

19. Dezember 2009

Für gewöhnlich muss ich mit der Videospielberichterstattung beim Web-Standard doch ganz zufrieden sein, stellt sie in relativer Aufgeschlossenheit meistens ja schon eine große Ungewöhnlichkeit bei einer Tageszeitung im deutschsprachigen Raum dar. Begriffe wie „Spaß“ und „Spiel“ werden zwar kaum hinterfragt, aber immerhin… Außer es schreiben AutorInnen welche ansonsten eher in Deutschland journalistisch tätig sind, oder wenn aus derlei Landen regelmäßig konzertierte Aktionen übernommen werden  – na ja, wie man sieht: grundsätzlich ist es mit der Aufgeschlossenheit bei derlei kulturpolitischen Implikationen von einem wesentlich größeren deutschsprachigen gegenüber (noch) wohl leider doch nicht viel her, aber so ist das nunmal…

Einen weiteren kritischen Punkt stellt jedoch noch das Militär dar, oder halt „Krieg“ – was immer jeweilig darunter verstanden wird. Vor allem Kooperationen mit (US-amerikanischem) Militär für Produktionen die sich mit militärischen Konflikten auseinander setzen.

http://derstandard.at/1259282295666/Kriegsspiel-und-Politik

Abgesehen von der grundsätzlichen Fragwürdigkeit in diesem Artikel, weshalb historische oder sonstige Konflikte in diesem Bereich denn weniger oder womöglich gleich gar nicht politisch sein sollen, als gegenwärtige, weshalb jeder Hintergrund des Franchises „Medal of Honor“ (vom Übergang von T- zu M-rated jetzt bei Afghanistan, die Wurzeln bei „Saving Private Ryan“ etc.) übergangen wird dabei, all das spar ich hier mir mal aus um einmal vor allem eines deutlich zu machen: die Vorurteile dem Thema in Videospielen gegenüber. Immer und immer wieder dieselben.

Niemand oder meinetwegen kaum jemand wird im Katastrophen-Genre ernsthaft behaupten wollen, in einem Katastrophenfilm sei das Publikum, die für die Herstellung der Produktion verantwortlich zeichnenden Menschen, propagandistisch dafür – für die Katastrophe. Der Katastrophenfilm wäre gar für eine Katastrophisierung der Welt, und wenn mit dem Katastrophenschutz (sic!) zusammengearbeitet wird, dann deshalb, weil beide die Welt brennen sehne wollen! Tatsächlich.

Verrückt.

Womöglich vermeintlich gar gierig darauf. Sich feindselig dermaßen über die Bilder zu erheben und in argumentativ vermeintlicher Überlegenheit zu schwelgen

Ungeachtet des eigenen Geschmacks und Empfindens.

Ja sicher, ein Kriegsfilm kann großen Spaß machen – auch ein Katastrophenfilm naturgemäß, wobei für mich jeder Kriegsfilm welcher „Krieg“ auch nur annähernd darstellt auch ein Katastrophenfilm ist, doch was macht daran Spaß? Der Krieg? Nein. Wer weiß gibt es den überhaupt in der Darstellung. Die Gewalt? Nein. Die Gewaltdarstellung!

Die Unmittelbarkeit von Action-Spielen kommt da noch hinzu, wo im Film Ausblendung und Distanz verordnet wird, wird für diese Überlegenheitsdünkel hier nichts mitgeliefert. Eben (hoffentlich) nichts normiert eingeordnet!

Das halte ich für die große Stärke von (solchen) Spielen. Und es ist wohl oder übel das Gräuel für all jene, die sich dabei für was besseres halten und ihre Ressentiments diesbezüglich so vor sich hertragen – alle die immer genau wissen wollen wie was gemeint ist, wer wo dahintersteckt, ob offen antiamerikanistisch und verschwörungstheoretisch wie in diesem Fall leider oft üblich, oder latenter, ob einem unbekannten Publikum – Fremden (!) – mehr oder weniger xenophob etwas unterstellend – bei solcher „Kritik“. Doch „Kritik“ ist das genausowenig für mich wie in Fällen gegen andere Bevölkerungsgruppen auch nicht, über die ebenfalls pauschal nicht mehr gewusst wird als sich jeweilig eingebildet wird.

So sagt der Herr Pumhösel da über das Teaser-Bild mit dem „Medal of Honor“-Titel: „Die Kriegsikonographie des Werbesujets lässt kaum Zweifel an der Ausrichtung des Afghanistan-Spiels.“ Bringt es vorderhand mit Rekrutierungsprogrammen wie „America’s Army“ in Verbindung – ein geschlagenes Jahr vor dessen zu erwartender Veröffentlichung (!).

Und ich denke mir einen Soldaten zu sehen, der mir mit einer gesenkten Waffe in der Hand den Rücken zugekehrt hat: der wird wohl schon viel mitgemacht haben im Leben, und mit dem möcht ich nicht tauschen, denk ich mir.

Also zweifellos wohl anderes als sich der Herr Alois Pumhösel dabei wohl denkt und um bei derlei „Kriegsikonographie“ „kaum Zweifel“ zu haben wird so wohl auch entsprechend viel Propanda inhaliert worden sein müssen…

Das denk ich mir noch.

Unvorstellbar für diesen da etwas anderes zu denken als er selbst? Ja – mag schon sein, für mich aber auch mich dermaßen vereinnahmen zu lassen und diese Vereinnahmung dann noch anderen zu unterstellen, in deren Schuhe zu schieben. Die eigenen Probleme und Unzulänglichkeiten, Vorurteile, den eigenen Hass. In und aus welcher Richtung auch immer

HAWP: Die Genialität geht weiter

19. Dezember 2009

Weihnachten kann kommen http://www.gametrailers.com/video/preggers-hd-hawp/60111 Enterbungen in Vorbereitung 🙂

„Ganz unten“

17. Dezember 2009

Ab Seite 58 der aktuellen Ausgabe von GEE findet sich anhand der Entwicklung von „Metro 2033“ eine beeindruckende Reportage über die inhaltlichen Verschränkungen von (großen) Spielen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit dem (vermeintlich) gegenwärtigen Alltag dort.

‚Es ärgert …, wenn in einem amerikanischen Titel wie „Call of Duty 4: Modern Warfare“ die ukrainische Stadt Pripyat auftaucht, dort hängende Schilder aber in flaschem Kyrillisch beschriftet sind. „Wir würden niemals ein Spiel über Gangster in Los Angeles oder japanische Samurai produzieren“ … „Um die Wirklichkeit eines Landes einzufangen, muss man vor Ort sein. Dort leben. Sonst macht man sich lächerlich.“‚ GEE 50, Januar 2010, 60.

„Abgewirtschaftet“…

16. Dezember 2009

Nachdem ich vorhin den heutigen Aufmacher der kleingeistigen Zeitung bei mir vernahm dachte ich mir schon, weshalb eine solche Schlagzeile nicht vor ein paar Jahren schon möglich gewesen wäre, als der Jörgele noch unter den Lebensmenschen wandelte. Läuft da etwa gar nix mit investigativem Journalismus in diesen Ländern?

Australien: Internetsperren am Vormarsch

16. Dezember 2009

August nächsten Jahres soll in Australien der Broadcasting Services Act novelliert werden, eine Novelle die ganz so wie im (sonstigen) Videospielbereich auch Internetsperren für Inhalte vorsieht, denen eine Klassifizierung (ebenfalls sonst) verweigert werden würde. Das Internet würde in Australien aus meiner Sicht demnach ähnlich wie ein Einzelhandel (anderer) unerwünschter Produktionen auch reguliert werden.

‚Electronic Frontiers Australia (EFA) spokesman Colin Jacobs was not impressed with the news, calling the government’s posture that is simply blocking child pornography rubbish, “Refused classification is definitely more than just illegal child pornography.”‘ http://gamepolitics.com/2009/12/15/australia-preparing-censor-internet

Weiters meinte Jacobs: „It’s anything that doesn’t fit into the Classification Board’s other ratings and that include video games aimed at adults, criminality and euthanasia and all sorts of controversial things. Our concern is that once there is a secret blacklist in place it is going to be very difficult for the public to know what’s on it and if it will be increased in scope as time goes on.“