Krieg… was ist das eigentlich?

Für gewöhnlich muss ich mit der Videospielberichterstattung beim Web-Standard doch ganz zufrieden sein, stellt sie in relativer Aufgeschlossenheit meistens ja schon eine große Ungewöhnlichkeit bei einer Tageszeitung im deutschsprachigen Raum dar. Begriffe wie „Spaß“ und „Spiel“ werden zwar kaum hinterfragt, aber immerhin… Außer es schreiben AutorInnen welche ansonsten eher in Deutschland journalistisch tätig sind, oder wenn aus derlei Landen regelmäßig konzertierte Aktionen übernommen werden  – na ja, wie man sieht: grundsätzlich ist es mit der Aufgeschlossenheit bei derlei kulturpolitischen Implikationen von einem wesentlich größeren deutschsprachigen gegenüber (noch) wohl leider doch nicht viel her, aber so ist das nunmal…

Einen weiteren kritischen Punkt stellt jedoch noch das Militär dar, oder halt „Krieg“ – was immer jeweilig darunter verstanden wird. Vor allem Kooperationen mit (US-amerikanischem) Militär für Produktionen die sich mit militärischen Konflikten auseinander setzen.

http://derstandard.at/1259282295666/Kriegsspiel-und-Politik

Abgesehen von der grundsätzlichen Fragwürdigkeit in diesem Artikel, weshalb historische oder sonstige Konflikte in diesem Bereich denn weniger oder womöglich gleich gar nicht politisch sein sollen, als gegenwärtige, weshalb jeder Hintergrund des Franchises „Medal of Honor“ (vom Übergang von T- zu M-rated jetzt bei Afghanistan, die Wurzeln bei „Saving Private Ryan“ etc.) übergangen wird dabei, all das spar ich hier mir mal aus um einmal vor allem eines deutlich zu machen: die Vorurteile dem Thema in Videospielen gegenüber. Immer und immer wieder dieselben.

Niemand oder meinetwegen kaum jemand wird im Katastrophen-Genre ernsthaft behaupten wollen, in einem Katastrophenfilm sei das Publikum, die für die Herstellung der Produktion verantwortlich zeichnenden Menschen, propagandistisch dafür – für die Katastrophe. Der Katastrophenfilm wäre gar für eine Katastrophisierung der Welt, und wenn mit dem Katastrophenschutz (sic!) zusammengearbeitet wird, dann deshalb, weil beide die Welt brennen sehne wollen! Tatsächlich.

Verrückt.

Womöglich vermeintlich gar gierig darauf. Sich feindselig dermaßen über die Bilder zu erheben und in argumentativ vermeintlicher Überlegenheit zu schwelgen

Ungeachtet des eigenen Geschmacks und Empfindens.

Ja sicher, ein Kriegsfilm kann großen Spaß machen – auch ein Katastrophenfilm naturgemäß, wobei für mich jeder Kriegsfilm welcher „Krieg“ auch nur annähernd darstellt auch ein Katastrophenfilm ist, doch was macht daran Spaß? Der Krieg? Nein. Wer weiß gibt es den überhaupt in der Darstellung. Die Gewalt? Nein. Die Gewaltdarstellung!

Die Unmittelbarkeit von Action-Spielen kommt da noch hinzu, wo im Film Ausblendung und Distanz verordnet wird, wird für diese Überlegenheitsdünkel hier nichts mitgeliefert. Eben (hoffentlich) nichts normiert eingeordnet!

Das halte ich für die große Stärke von (solchen) Spielen. Und es ist wohl oder übel das Gräuel für all jene, die sich dabei für was besseres halten und ihre Ressentiments diesbezüglich so vor sich hertragen – alle die immer genau wissen wollen wie was gemeint ist, wer wo dahintersteckt, ob offen antiamerikanistisch und verschwörungstheoretisch wie in diesem Fall leider oft üblich, oder latenter, ob einem unbekannten Publikum – Fremden (!) – mehr oder weniger xenophob etwas unterstellend – bei solcher „Kritik“. Doch „Kritik“ ist das genausowenig für mich wie in Fällen gegen andere Bevölkerungsgruppen auch nicht, über die ebenfalls pauschal nicht mehr gewusst wird als sich jeweilig eingebildet wird.

So sagt der Herr Pumhösel da über das Teaser-Bild mit dem „Medal of Honor“-Titel: „Die Kriegsikonographie des Werbesujets lässt kaum Zweifel an der Ausrichtung des Afghanistan-Spiels.“ Bringt es vorderhand mit Rekrutierungsprogrammen wie „America’s Army“ in Verbindung – ein geschlagenes Jahr vor dessen zu erwartender Veröffentlichung (!).

Und ich denke mir einen Soldaten zu sehen, der mir mit einer gesenkten Waffe in der Hand den Rücken zugekehrt hat: der wird wohl schon viel mitgemacht haben im Leben, und mit dem möcht ich nicht tauschen, denk ich mir.

Also zweifellos wohl anderes als sich der Herr Alois Pumhösel dabei wohl denkt und um bei derlei „Kriegsikonographie“ „kaum Zweifel“ zu haben wird so wohl auch entsprechend viel Propanda inhaliert worden sein müssen…

Das denk ich mir noch.

Unvorstellbar für diesen da etwas anderes zu denken als er selbst? Ja – mag schon sein, für mich aber auch mich dermaßen vereinnahmen zu lassen und diese Vereinnahmung dann noch anderen zu unterstellen, in deren Schuhe zu schieben. Die eigenen Probleme und Unzulänglichkeiten, Vorurteile, den eigenen Hass. In und aus welcher Richtung auch immer

Schlagwörter:


%d Bloggern gefällt das: