Der Rassismus, das Land und seine Menschen

„Mitbürger, das sind doch Menschen, die man nicht kennt, aber mit denen man durch das soziale Band, das ein Gemeinwesen knüpft, verbunden ist. Aber mit diesen Leuten verbindet mich nichts. Mit jeden Marsmenschen verbindet mich mehr, jedes niedere Wesen, jede Amöbe ist mir näher als diese Schlechtmenschen…“

Können überhaupt noch Fragen zu so einem vorgetragenen Menschenbild existieren?

„… Was muss eigentlich im Leben von Menschen schief gelaufen sein, dass man so wird?“

Das frage ich mich auch, nämlich bei solchen Verlautbarungen eben http://derstandard.at/1262209205357/Videocast-von-Robert-Misik—Folge-111-Warum-Arigona-Zogaj-nicht-abgeschoben-werden-darf Dessen Videoblog ich mir schon geraume Zeit jede Woche anhöre, aber damit wohl (auch) nächste Woche aufhöre.

Die Berichterstattung dieser Zeitung bei der da veröffentlicht wird zu kommentieren, hatte ich mir schon vor zwei Wochen abgewöhnt gehabt, nachdem jemand auf einen Beitrag von mir so reagiert hat, dass ohne Ansehen der Person auf mein Elternbild dahingehend eingedroschen wurde, wie ich solche bloß als Verwandte wahrenhmen könne, und das noch veröffentlicht: das würde mich nämlich „disqualifizieren“. Daber war ich bis dahin ja schon einiges an Absurditäten dort gewohnt, besonders oft und gern von allen möglichen Personen halt die sich für was besseres halten dem Vernehmen nach, die vermeintlich glauben irgendwas „geschafft“ zu haben im Leben, etabliert (jetzt) sind, und sich dabei nichts sagen lassen wollen, dafür andere gerne als „krank“ und mit „schlechtem Geschmack“ ausgestattet begreifen. Solch sozial kompetente ZeitgenossInnen.

Nachdem ich heute am Nachmittag allerdings sah, dass sie mein Profil dort in den letzten Tagen dahingehend umgestellt haben, dass meine erweiterte Privatspähre vor den sozial kompetenten ZeitgenossInnen zumindest vermeintlich geschützt ist, erlaubte ich mir noch einen Kommentar – nur um gleich die gesamte dort grassierende Ablehnung erneut zu erfahren, bloß weil ich mir erlaubt habe in Frage zu stellen, dass ein siebzehnjähriger Mensch noch ein Kind ist: ob so über diverse Freund- und Seilschaften aus einem ganz bestimmten großen deutschprachigen Nachbarland, wo für manche dieser Zeitgenossen sowieso alles scheinbar besser ist, hier eine (weitere) Strafrechtsform mit diesem Kindheitsbegriff vorbereitet wird, darüber kann ich natürlich (auch) nur spekulieren. Woher ein gewisses Denken in „hoch“ und „nieder“ kommt scheint mir dabei wiederum aber nur zu eindeutig zu sein.

Und ähnlich war es schon vor zwei Wochen, da ging es ursprünglich nämlich darum, dass ich mir erlaubt hatte indirekt abzustreiten, dass die Lendenkraft eines gewissen Erwin Buchinger diesen zum Anwalt für Menschen mit Behinderungen in Österreich befähigt – das heißt auch für Erwachsene…

Wie dem auch sei, vermutlich schließe ich mich so selbst weitergehend aus – mir ist diese gesamte Reduktion von negativen Gefühlen auf die eine oder andere Seite sowieso zutiefst unerträglich schon geworden, von den ganzen damit einhergehenden Überlegenheitsdünkeln ganz zu schweigen. Wo alle möglichen Vorurteile zusammenkommen und jedeR sowieso scheinbar schon genau weiß wie etwas gemeint ist, dass man schreibt: wo im Grunde vor allem eines nicht mehr möglich ist, nämlich anders zu denken und dies auch zu vertreten, anders als es die eine oder andere Seite eben beliebt. Und wenn am Ende da jetzt noch mehr Überlegenheitsgefühle, von wo auch immer her, dazukommen, geht das noch immer weiter und wird immer schlimmer, auch mit diesen Normen

Offiziell für eine solche Publikation zu schreiben könnte ich mit meinem Gewissen dabei sowieso noch nicht (mehr) vereinbahren

Österreich braucht nämlich weder solchen Populismus, noch dementsprechende Symbolpolitik, welche ihrerseits auf nichts anderem den Ressentiments beruht und ständig nur krätig am austeilen ist während nicht das geringste eingesteckt werden möchte anscheinend: denn rassistische Zustände wirklich und direkt anzusprechen getraut man sich dabei eh nicht offenbar, wahrscheinlich doch aus Furcht von den betreffenden PolitikerInnen der moderateren oder radikaleren Rechten geklagt zu werden. Oder um nicht als „unverhältnismäßig“ oder übertreibend zu gelten. Wie auch immer: alles erbärmlich. Hinzu kommt noch, dass die österreichische Sozialdemokratie mit einem Innenminister wie Franz Löschnak vor mittlerweile fast drei Jahrzehnten groß gedacht mit diesen ganzen Gesetzesverschärfungen angefangen hat um einen Haider vermeintlich in Zaum zu halten, selbst immer weiter nach rechts gerutscht ist, auch wenn dieser gemeinsam mit einem Vranitzky das Land selbst noch davor bewahrt hat – zumindest in dessen Außenwahrnehmung.

Doch seitdem ist eben schon viel Zeit vergangen. Sehr viel Zeit. Zu viel Zeit

Armes Land.

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2 Antworten to “Der Rassismus, das Land und seine Menschen”

  1. DerStandard.at und sein Publikum « Jürgen Mayer Says:

    […] Mich eingeschlossen – auszugsweise möchte ich als ergänzenden Abschluss zu https://pyri.wordpress.com/2010/01/11/der-rassismus-das-land-und-seine-menschen/ Reaktionen aus den letzten Minuten auf Beiträge kurz wiedergegeben, welche von mir dort […]

  2. Majakowski Says:

    Sehr geehrter Herr Mayer,

    an dieser Stelle noch ein paar Worte – folgend der Diskussion im Standard-Forum.
    Zuerst möchte ich sowohl Hr. Misik als auch den Standard verteidigen.
    Misik bringt in seinen wöchentlichen Blogs seine persönliche Meinung zum Ausdruck, dies teilweise auf sehr emotionale Weise.
    Wenn er jetzt in metaphorischer Art seine Gefühle für gewisse Menschen mit Amöben und dgl. vergleicht, so verstehe ich dies nicht als Hetze im direkten Sinne. Wohl ist das keine sehr feine Art, aber für mich persönlich doch verständlich. Was aber ausschließlich daran liegt, dass sich mein Standpunkt mit dem des Misik sehr deckt.
    Aber stellen wir uns mal eine völlig emotionsfreie Argumentation vor… nichts was ich wollte, denn diese Emotionen sind ja auch sehr verräterisch, würde ein Strache und noch weiter rechts angesiedelte Konsorten völlig ohne Emotion argumentieren… noch viel mehr Leute würden auf sie hereinfallen, detto natürlich auch der Misik und seine Konsorten – ganz klar.
    Diese Emotionen helfen uns, unsere eigenen Standpunkte abzugrenzen.
    Theoretisch wäre es klar toll, man würde ohne diese auskommen, aber dies wäre dann ja wieder sehr elitär und nur wenige würden den Argumentationen folgen können.
    Emotionen sind in diesem Zusammenhang also wohl ein notwendiges Übel, ich kann den Standpunkt mögen oder nicht, aber die Emotion kann ich persönlich nicht verurteilen.
    Wenn einem dieser Stil nicht liegt, hat man immer noch die freie Wahl, es gibt auch andere Leute, die selbes sagen und dabei einen anderen Stil wählen.
    Ich will hier aber auch ganz klar vom Populismus abgrenzen, der Misik sagt seine Meinung und ihm ist es prinzipiell egal, ob diese Meinung nun opportun ist oder nicht.

    Der Standard kann nun wirklich nichts für die Leute, die dort posten!
    Was soll er tun, er zensiert eh schon wie verrückt, einen Aufnahmetest einführen? Nicht wirklich, oder?
    Ja, der Standard ist eine Qualitätszeitung, auch wenn die Qualität in den letzten 10 Jahren etwas eingebüßt hat. Aber, für Österreich (meistens) noch immer auf sehr hohem Niveau für eine Tageszeitung.
    Das Standard-Forum… hahaha… was denken sie wie oft die User dieses Forums schon über mich hergefallen sind?!? War nicht anders als bei ihnen, aber damit muss man rechnen, es ist ein riesiger Marktplatz mit einigen Edelleuten, vielen Geschäftsleuten (Opportunisten), Gauklern und Halunken.
    Trotzdem – im Vergleich zu anderen Foren anderer österreichischer Tageszeitungen meist das Lesen wert, da man immer wieder mal auch gute Informationen erhält, oder auf völlig andere Standpunkte trifft, die selten, aber doch auch noch gut argumentiert sind.
    Ob es den Preis, den man manchmal dafür zahlen muss wert ist, das muss jeder für sich entscheiden.

    Aber nun zu unserem Disput über die Menschlichkeit, hier meine letzte Antwort (wie ich sie auch im Standard-Forum gepostet habe).

    Zunächst Danke! für ihren Erklärungsversuch, so ganz kapiert habe ich das zwar noch immer nicht, wie sie das meinen, aber das wird an mir liegen.
    Es gibt zwar einige Definitionen von Mitleid von Aristoteles, Lessing usw. usf.
    Aber ihre Definition ist neu. Wo sich Mitleid ausnimmt und überlegen fühlt verstehe ich nicht.
    Klar, Mitleid ist wie Trauer eine zutiefst egoistische Regung und daher für mich sehr menschlich.
    Mitleid geht über das Mitgefühl hinaus, einen Schritt weiter.
    Mitleid war ein tragendes Mittel in der antiken Tragödie, ohne dieses Element würden diese Stücke nicht funktionieren.
    Mitleid ist ein starkes Motiv um anderen zu helfen, ihr Leid zu lindern, weil es auch mein Leid ist…Mir erscheint es eher so, als würde hier eine Verwechslung von Mitleid/Menschlichkeit und dem ursprünglichen Humanismus von Voltaire und der Weisheit vorliegen.
    Voltaire war ja jener, der einer Mutter ihr Kind entriss, es auf die Strasse warf und dem Kind beim Sterben zusah, um seine Gefühle zu erkunden – nichts was wir heute als humanistisch bezeichnen würden. Da nimmt das Mitleid sich dann aus, wird zur reinen Beobachtung.
    Weisheit (oder Erleuchtung) wäre jener Zustand in dem Mitleid nicht mehr nötig oder möglich ist, weil die eigene Seele nicht mehr leidet – im stoischen Sinne. Oder im Sinne des Erleuchtenden der nur noch eine allumfassende Liebe verspürt und auch so zu Mitleid nicht „fähig“ ist.
    Alles andere ist für mich menschlich.

    Ich denke, sie verstehen Mitleid sehr im Sinne der Stoa.
    Die Stoa ist ein sehr verführerisches Spiel… aber eben nur ein Spiel, ein, wir tun so als ob…

    Bis zu ihrem letzten Posting im Standard-Forum hatte ich keine Ahnung wer sie sind, und auch nicht dass sie behindert sind.
    Ihre Behinderung hat keinen Einfluss auf meine Meinung, weder positiv noch negativ. Ihre Behinderung ist ein Fakt, an dem weder Abscheu (wäre er denn bei mir vorhanden) noch Mitleid etwas ändern könnten.
    Jedoch ist es Mitleid, welches mich motiviert hier diese Zeilen zu schreiben.
    Jetzt NICHT Mitleid im Sinne von „och, der ärmste Hascher…“ – ganz und gar nicht, sondern Mitleid im Sinne von „autsch, das kenne ich auch“.

    Mitleid ist wie eine sympathische Saite auf einem Saiteninstrument, eine Saite die mitschwingt, wenn die entsprechende Frequenz auf der Hautpsaite erklingt.
    Ich denke ich verstehe teilweise ihre Ablehnung bzw. negative Beurteilung von Mitleid, denn oft ist Mitleid ein Schutz vor der eigenen Angst. Viele Menschen, die einen zb. behinderten oder missgestalteten Menschen sehen, bekommen Angst, und diese Angst maskieren und artikulieren sie als etwas, dass wie „Mitleid“ aussieht, und dann wird es schnulzig und schwer erträglich.
    Etwas, dass ihnen, da bin ich mir sicher, oft genug widerfahren ist.
    Unter diesem Aspekt verstehe ich ihre Definition von Mitleid, auch wenn ich sie nicht teile.
    Und verstehen sie das jetzt bitte nicht falsch, das ist kein Urteil über sie, sondern eine Darstellung meiner Gedankengänge, um auf interpretatorischem Wege ihre Gedanken verstehen zu können – etwas, das wir alle machen, ständig.
    Etwas, dass man leicht als Urteil bezeichnen könnte, es aber nicht sollte, denn ich „urteile“ im gewissen Sinne zwar (wie wir alle ständig es tun, wenn wir einen Aspekt kognitiv zu verstehen versuchen), aber ich habe mir kein Urteil über sie gebildet, zumindest noch nicht.

    Seit mehr als 15 Jahren bin ich Krankenpfleger und habe an diversen Arbeitsplätzen viel erlebt – vom größten Horror bis zu den glücklichsten Momenten.
    Aber der Tag, an dem ich Mitleid so definiere wie sie es tun (oder besser gesagt, in ihrem Posting taten), wäre für mich der Tag in diesem Job aufzuhören, wenn die Saiten auf dem Instrument so verbraucht sind, dass sie nicht mehr mitschwingen, wäre es Zeit andere Saiten aufzuziehen.
    Für mich ist aufrichtiges Mitleid etwas sehr menschliches und eine Hauptmotivation unseres Seins um für andere Menschen etwas zu tun.

    Dies ist mein Verständnis von Mitleid, sie mögen ihres haben, beide Standpunkte können aus der rein subjektiven Betrachtungsweise heraus falsch oder richtig sein.
    Aber meinen Standpunkt klar zu legen, war mir ein Anliegen und ich danke ihnen hier für die Möglichkeit dies zu tun.

    Majakowski

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