Hitler? Wer? Oder von „Bemantelungen“ als Satire

Also wirklich. Da hat sichs jetzt aber ausgehitlert. Hitler als politische Figur im Zweiten Weltkrieg! Und das noch in einem Videospiel. Spielen mit Hitler. Dem nicht genug – „Experte“ für den Zweiten Weltkrieg soll dieser auch noch sein… Sachen gibts – so oder so ähnlich sollte sich die Empörung wohl umschreiben lassen, welche ein unkommentiert (sic!) gebliebener Leserbrief in der vorletzten Ausgabe der Zeitschrift Gamestar (11/2009 109) welche ich noch gekauft habe kundtut – wegen dem Normdrama um „Modern Warfare 2“ boykottiere ich IDG-Zeitschriften ja aktuell.

Ein gewisser Adrian Lauer schreibt da über den Zweiten Weltkrieg und der „Einordnung“ von dessen realem Geschehen. Es geht um „Hearts of Iron 3“, das absurd-ironischerweise in Deutschland noch zynisch damit beworben wurde, dass es in China wegen der Unabhängigkeit Tibets und anderem im Spiel dargestellten historischen Fakten zu verbieten ist, jedoch ohne zu erwähnen, dass es für eine Veröffentlichung in Deutschland wie üblich (auch) zensiert wird.

Bei Adolf Hitler zum Beispiel eben, der ja in deutschen Ausgaben von „Hearts of Iron“ traditionell „Alfons Hiller“ heißt…

Wie dem auch sei, auch da gibt es für Herrn Lauer möglicherweise noch zuviel Nähe zum historischen Österreicher AKA Schwarzes Loch (O-Ton Harry Mulisch und Elfriede Jelinek), schreibt er doch:

„… Ein Spiel, das die Dekade 1936-1946 umfasst und dem Spieler die Lenkung eines Staates überlässt, darunter Nazi-Deutschland, verdient zumindest auf einigen Seiten des Handbuchs eine fundierte Einordnung des Hintergrunds und der realen Geschehnisse dieser Zeit. Gerade auch für jüngere Spieler, die das Thema noch nicht intensiv in der Schule behandelt haben, ist das wichtig.

Umso ungläubiger saß ich vor meinem PC, als ich die heruntergeladene Demo startete und mir erklärt wurde, dass mir nun ein echter Experte die Grundzüge des Spiels erklären würde: Hitler! Geht’s noch? Natürlich werden die Entwickler darauf verweisen, dass es sich um eine satirische Auseinandersetzung mit dem Thema handele, was wohl an den flachen Witzen über Hitlers Bart und Malkünste erkennbar sein soll. Ich finde durchaus, dass Hitler als Person der Gegenstand on Witzen sein kann und sollte, wenn sich diese auf einem gewissen Niveau bewegen und nicht seine Opfer verunglimpfen. Ihn aber als Lehrer im Tutorial eines Strategiespiels zu benutzen und das dann mit einigen flapsigen Sprüchen als Satire zu bemänteln, ist einfach nur abgeschmackt und ekelhaft. Gerade auch wenn ich im gleichen Spiel für das NSDAP-regierte Deutschland die ganze Welt erobern kann.“ (sic!)

Ich rekapituliere: Hitler und der Zweite Weltkrieg als No-go, reale Geschehnisse ja, aber so ohne Hitler (!?); Witze über Hitler ja, aber hier wird das als „Mantel“ gebracht. Um was zu verhüllen? In welcher Welt wird da eigentlich gelebt? Diese Unterstellung gegen Kreative. Indirekt gar, dass so mit Hitler noch „gelehrt“ werden soll – also Hitler als Autoritätsperson quasi. Mit der NSDAP Die „ganze Welt“ erobern ja, aber wieder bitte ohne Hitler. Denn der ist ja nicht „eingeordnet“ worden, erst dann darf erobert werden!(?) Am besten wahrscheinlich womöglich auch ohne die Partei. Der eigentliche Sinn deutscher Zensurmaßnahmen? Oder wie ist das zu verstehen? Und wie auch immer sich das so vorgestellt wird… Diese ganzen „Einordnungen“: alles so schwierig. „Einordnungen“ zu verlangen und anderen alles mögliche übel vorzuwerfen. Nur nicht zugeben mit etwas da einfach nicht konfrontiert werden zu wollen: man wollte doch bloß einfach so die Welt erobern, unter Umständen halt auch mit Deutschland – „Spielspaß“ haben, an nichts erinnert werden, aber was soll ich sagen: jetzt muss wohl „eingeordnet“ werden…

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