Zur menschenverachtenden Gewalt der deutschen Mainstream-Presse – Kommentar bei Stigma Videospiele

@Mars
Ich hatte zwar eigentlich beschlossen auf solche Beiträge in Zukunft nicht mehr zu reagieren, doch erscheint mir das hier doch noch bitter nötig zu sein: wenn die „Killerspieler“ eine Lobby darstellen in Deutschland, dann ist das so bei Obdach-, Arbeitslosen und anderen marginalisierten Gruppen auch – hier kann jede Gruppe, welche in einer demokratischen oder auch nur pseudodemokratischen Ordnung marginalisiert wird dann dazugezählt werden, was hernach jedem autoritären Ansinnen das den eigenen Geschmack, das eigene Empfinden für etwas besseres hält, zweifellos freuen wird, denn dann gibt es das alles ja nicht mehr was Marginalisierungen für gewöhnlich so auszeichnet: keine Verdrängung an einen gesellschaftlichen Rand mehr, kein Nicht-Gehör-finden unter „normalen“ Umständen mehr (bei karitativem wäre Weihnachten etwa ein Ausnahmezustand so gesehen), und auch kein bedroht werden mehr (mit den ganzen Verbotsforderungen von womöglich schon bereits verbotenem sind alle drei Punkte aus meiner Sicht klar und deutlich erfüllt). Beim Thema Gewaltdarstellung
Bordern diese Kommentare selbst an den kulturellen Sauberkeitsvorstellungen und moralischen Überlegenheitsdünkeln, diesem Übermenschen-Gehabe das hier im Tagesspiegel (noch wiederholt) vorgetragen wird. Sind auch völlig verantwortungslos, widerwärtig und verabscheuungswürdig zu nennen für mich
Bei der Zuschreibung einer Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt als (kriminalisierend) Gewalt selbst, pathologisierend Krankheit oder sonstiges schändliches was diesen „Schund“ halt zu dem Wort mache, die killerspielende Gefahr zu dem was da nicht „verharmlost“ werden dürfe, geht es auch nicht um Vertretungen (indirekte Demokratie) politisch: der Vorwurf des Kulturfaschismus kann dabei wie so oft ja nur deshalb nicht berechtigt ausformuliert werden, weil hier anders als bei einer Helga Zepp keine Lichtgestalt wie Schiller als Alternative zu den „Killerspielen“ vorangestellt wird wieder, sondern die Alternativen halt doch eher nebulös bleiben. Man ist weiterhin „nur“ eher gegen etwas, gegen sich mit „Killerspielen“ vollspritzen in dem Fall, als ausdrücklich für irgendwas oder irgendwen.
Es geht auch keineswegs um Repräsentanz – eine solche Repräsentanz kann über NGOs auch karitativ durchaus vorhanden sein, für Menschen mit Behinderungen oder AsylwerberInnen zum Beispiel. Hier scheint nicht verstanden zu werden was politische Marginalisierung bedeutet, geschweige denn politische Verfolgung: wenn der Ausdruck, die Kultur anderer Menschen als Verbrechen beschrieben wird, deren Wesen mit karzinogenen Substanzen, illegalen Suchtgiften verglichen und das spielen selbst scheinbar allein über den Inhalt mit Bildern von Drogenabhängigkeiten davon, sowie mit Vergewaltigungen von Kindern in Zusammenhang gebracht wird. Eine Pathologisierung als kranke „Junkies“ erfolgt, usw.

Im Grunde sollte ich mich über diesen neuerlichen Kommentar Lehmings im Tagesspiegel wohl freuen, da so (endlich) diverse Abgründe im Denken dieser auf mich psychisch wie strukturell erdrückend gewalttätig EINWirkenden Leute, welche permanent nach einer Zerstörung der Kultur von Menschen wie mir trachten, die Geisteshaltung dahinter, ziemlich deutlich zum Vorschein kommt. Für diskutabel habe ich solche und andere Äußerungen in der Vergangenheit sowieso schon niemals gehalten
Die Geisteshaltung der Vernichtung, von welcher ich mich nicht einschüchtern lassen möchte, auch nicht beeindrucken, braucht dabei zudem offenbar die Imagination einer Macht im gegenüber das sie zu zerstören gedenkt. Ökonomistisch sind das dann die malevolenten „Lobbies“ eben, welche ihre sinisteren Einflüsse mittels „übler Produkte“ (ZDF) vorantreiben. Ein Militär usw. Bei einer von Werlhof wird lebendig-geschlechtliches (weibliches) gleich gegen zerstörerisch(-männlich)e Technik und Vernunft ausgespielt. Ein Schaden für eine Gesundheit, welche da im Einzelfall auch immer gemeint ist, für eine wie auch immer gedachte Norm, ist ebenso üblich zu nennen für diese Vorgänge: ob die idealisierte Norm nun bloß aus nicht-Killerspiele-spielen oder gar aus einer umwälzenden Rückkehr zu einer Subsistenzwirtschaft bestehen soll, welche gleich Jahrtausende Menschheitsgeschichte ungeschehen machen möchte.
Irgendetwas passt immer nicht
Aber gerade diese Imagination von „Lobbies“ kennzeichnend nachhaltig schlimmes: und dass hier so etwas noch unter dem vermeintlichen Deckmantel eines Antifaschismus vorgetragen wird, welches diesen eigentlich nichts anderes als eklatant verhöhnt, kennzeichnet das ganze noch erschreckender als es ohnehin schon ist aus meiner Sicht. Ich sehe hier schon eine enorme Geschichtslosigkeit oder halt immer noch fürchterliche Ressentiments brodeln, welche bei Bedarf und Gelegenheit hinter einer sauberen Fassade hervorbrechen können, kommt es darauf an
Man mag sich als BetroffeneR zurecht über Zuschreibungen von „Trauerterror“ nach Gewaltverbrechen empören, wenn man doch nur Missstände bekämpfen möchte, Wärme in vermeintlich kalte Herzen zurückbringen, Gefühle und Menschlichkeit transportieren. Ok, mit der Technik, dem Leben im Netz, muss nicht zurechtgekommen werden – diese kann auch jederzeit und überall abgelehnt werden – etwa für schade gehalten – doch was beginnt da vielfach gleich? Nicht nur ein „schade“, sondern gleich ein Schaden, eine Schlechtigkeit, ein Übel vorangestellt. Sicher kann negatives auch artikuliert werden. Das was man für schlecht hält. Jedoch mit welchen Mitteln? Und Folgerungen – einem Denken, das im anderen, im Fremden gleich gar kein Leben mehr zu erkennen scheint, sondern nur noch übles. Wo Twitter kein zuhören mehr wäre und im Internet überhaupt Sachen möglich wären welche in einer Realität nicht gingen, wo das alles nichts wirklich-tatsächliches wäre. Sondern nur das was im Fernsehen darüber gesagt wird womöglich – von den vom US-Militär entwickelten „Killerspielen“ zum Abbau einer Tötungshemmung zum Beispiel etwa angefangen. Ich frage mich, WO Da keine „Realität“ mehr vorhanden ist? Im Fernsehen, den Zeitungen, welche nichts anderes als Haß schüren aus meiner Sicht, oder im Internet?

Es gibt da dieses Buch, oder besser Büchlein, das ich gern ignoriere – da verniedlicht der Autor diese Zustände welche ich kritisiere meiner Ansicht nach gern zu einem Kinderspielplatz, und ignoriert so diverse Machtverhältnisse: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – Wie Zeitungen über Computerspiele berichten“ von Simon Stock. Mag sein, dass der Autor darin doch Recht hat, und hier Prozesse im laufen sind welche nicht so schlimm sind wie sie sich für mich lesen. Dass es mehr oder weniger egal ist, wie nun über Spiele berichtet wird, solange überhaupt berichtet wird (also ob als Spielzeug oder Kulturgut im deutschen Sinne), und wie die Inhalte nun tatsächlich wahrgenommen sein. Mag sein. Vielleicht aber eben auch nicht

Sowie zwei Fragen: was geschieht bei dem aufstellen weiterer scape goats – schließlich haben die Gewaltverbrecher selbst in der Gesellschaft die sie umgeben hat auch nur einen Sündenbock gesucht und gefunden. Und was tut eine Presse da, wenn sie auf dieser Klaviatur scheinbar so bereitwillig mitzuspielen gedenkt? Gegen die „Killerspiele“ mobilisiert – mit „Meinung“ – wo „Killerspiele“ zu spielen unter männlichen Jugendlichen doch nunmal eine Normalität der Mediennutzung ist auch wenn sie hier nicht passt, ob inklusive oder ungeachtet den ganzen „Wirkungen“ welche damit verbunden gedacht werden

Stigma Videospiele

Nachtrag, exklusiv für hier: die Rede von „Lobbies“ in diesem Zusammenhang und in dieser Deutlichkeit drückt für mich mehr negatives aus als wenn gegen die SpielerInnen als potentielle TäterInnen von Gewaltverbrechen, Amokläufen, was auch immer da zusammengedacht wird, oder wenn auch „nur“ gegen die Spiele selbst gehetzt wird. Und meinen Hinweis auf Geschichtslosigkeit auch in diesem Zusammenhang wieder verstehe ich absolut nicht als „ungeheuer“ verharmlosend, wie mir einmal vorgeworfen wurde, sondern eben auch als bitter notwendig: bei einer Gesellschaft die sich selbst für so sakrosankt hält, irgendwelche Nazis – vor allem im Osten des Landes – zwar in Landtage kommen, dort beherbergt werden, aber in kein Fernsehstudio eingeladen – die Visagen dort und in den entsprechenden Zeitungen sich gar nicht allzu sehr verzerren brauchen, sondern bloß ein wenig nach rechts drehen, damit die Fratze des Faschismus zum Vorschein kommt – wie schon in diesem letzten Kommentar beim den Kommentar begleitendem Bildmaterial des Tagesspiegels sehr schön zu beobachten ist.
Da kann man sich auch noch gern als „links“ einbilden, wunderbar sogar für einen Anarchisten womöglich halten, usw. Für anti-reaktionär etc. Eben – da hilft alles nichts, wenn die Macht des Ökonomismus und entsprechende negative Gefühle zusammenkommen. Gegen das was als „krank“ diagnostiziert wird, oder gleich als „geschmacklos“. Obwohl es völlig konsensual und mit Freude kreativ enstand. Ganz wunderbare Fiktionen. Wenn der eingebildet bessere Geschmack und ein höheres, feineres, schöngeistigeres (sic!) Empfinden dagegen ist. Ein sich für etwas besseres halten, usw.

Dieser Blog-Eintrag versteht sich zudem als mein Beitrag zum Gedenken der Gewaltverbrechen in Winnenden heute vor einem Jahr. Er ist allen Todesopfern von damals gewidmet, das heißt nicht nur den Opfern des Täters.
Sowie allen Computer- und VideospielerInnen Deutschlands welche sich von einer dermaßen negativen Öffentlichkeit, inklusive zunehmend (weiter) Teile der Spielepresse etc. in dem Land nicht unterkriegen lassen. Wehret weiterhin den (so leider schon fortgeschritteneren) Anfängen!
Jürgen Mayer

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ Rosa Luxemburg.

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