Deutscher Bundespräsident ruft offen zur „Wehr“ gegen Computer- und Videospiele(rInnen) auf

Dieser Beitrag fällt mir wahrlich nicht leicht – meinem Gewissen schulde ich ihn jedoch (leider): Ansprache von Bundespräsident Die betroffene Passage in der Rede beginnt dabei mit einem „wir“, womit die kulturell fremdenfeindliche Marschrichtung bereits eindeutig vorgegeben ist: „müssen … uns gegen eine drohende Verrohung unserer Gesellschaft gemeinsam zur Wehr setzen und Grenzen ziehen.“ Der Passage vor geht die klare, deutliche und unmissverständliche Beschreibung einer (wichtig unbestimmten!) Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt in Computer- und Videospielen als Verbrechen: Bundespräsident Horst Köhler spricht dabei von Videospielen, „bei denen es darum geht, anderen Menschen Gewalt anzutun, ihnen Schmerzen zuzufügen, sie zu töten.“ Was auch immer es überhaupt bedeuten soll, wenn fiktionale Ausdrucksformen so beschrieben werden, dass es dabei um etwas „ginge“: besonders problematisch erscheint mir ein dieser Beschreibung wiederum vorangehender Teil der Rede zu sein, wonach die Frage aufgeworfen wird wie „Jugendliche“ davor zu schützen wären „sich Videospielen auszuliefern“. Ungeachtet des bereits bestehenden Jugendschutzes und beispielloser Videospielverbote in dem Land, bis in das Strafrecht hinein und dem darin verankerten Vergehen „Gewaltdarstellung“, wird so keine individuelle Rezeption von Videospielen offensichtlich gesehen: dies werte ich als Entmenschlichung von Computer- und VideospielerInnen, welche offenbar nur kollektivistisch als Opfer Kreativer (beziehungsweise gar nur einer malevolent gedachten Industrie) sozusagen betrachtet werden. Die Rede von „Verrohung“ darüber hinaus sowieso als menschenverachtend
Da Köhler sich nicht an die Politik mit Verbotsforderungen richtet werden andere (Gewalt-)Maßnahmen dabei ins Auge gefasst werden als weitergehende Verbote. Der Bundespräsident spricht an die deutsche Gesellschaft, mehr noch „unsere Gesellschaft“ – eine Wortwahl welche die Ausgrenzung andersdenkender VideospielerInnen praktisch schon nicht mehr anders als evident erwünscht erklärt, welche – und hier eben meine Interpretation dieser Passage der Rede als Gewaltaufruf – sich gegen eine Bedrohung über unerwünschte Videospiel-Inhalte, der Kultur von Menschen wie mir welche als Verbrechen halt beschrieben wird, „wehren“ müsse. Und sich „wehren“ zu sollen kann letzten Endes auf nichts anderes als Gewalt hinauslaufen – ob von Seiten eines Staates, strukturelle oder persönliche Gewalt in vielfältiger Form (psychisch oder physisch). Köhler „findet“ dies zudem unabhängig „davon, ob solche Spiele Handlungsanleitungen für potentielle Täter sind oder nicht – die Meinungen in der Wissenschaft gehen in dieser Frage auseinander“: diesen Teil der Rede werte ich von neuem als indirektes Eingeständnis dafür, dass hier auf gar keiner wissenschaftlichen Basis gesprochen wird, nicht einmal auf einer eingebildeten Wissenschaft welche eher einer zum Beispiel kulturell sauberen Ideologie gegen Gewaltdarstellungen entspräche, sondern auf schlichten Ressentiments. Negativen Gefühlen anderen, fremden Menschen wie mir gegenüber

Über die gewalttätigen Maßnahmen an welche hier gedacht wird kann nur spekuliert werden – in Frage kämen etwa weitere Untersagungen von E-Sport-Veranstaltungen oder die in diesem Zusammenhang immer wieder vorgebrachte „Ächtung“, ob öffentlich oder privat, mit ungewissen Folgerungen. Es ist, und das ist das erschreckende für Menschen wie mich daran, aber auf alle Fälle davon auszugehen, dass solche Maßnahmen gegen vermeintliche Gewalt (fiktionale Gewaltdarstellung als Gewalt) weiterhin NICHT Als Gewalt wahrgenommen werden in Deutschland, sondern eben leider eher noch als dessen Gegenteil – gar als Gewaltprävention. Die Respektlosigkeit, Inakzeptanz und Intoleranz gegenüber dem konsensualen UND fiktionalen Ausdruck anderer Menschen, deren fiktiver Geschichten in Videospielen, dem sich gegenseitig etwas ERZÄHLEN Darin, die Imagination all dessen als Gefahr welche auch nicht verharmlost werden dürfe, ist besorgniserregend, traurig und bedauerlich.
Die moralischen Überlegenheitsdünkel, welche einen eigenen Geschmack und ein eigenes Empfinden für etwas besseres halten, anscheinend soweit, dass sie andere bloß irgendetwas „ausgeliefert“ sehen, sind auf das schärfste zu verurteilen und für verabscheuungswürdigen, diskriminerenden Rassismus gegenüber dem Geschmack und Empfinden anderer Menschen zu erklären

Sieht man sich das Video aus einer Fernsehsendung unten an, wo Köhlers Gesang noch verharmlosend als „Fehltritt“ bezeichnet wird während in der von mir soeben analysierten Rede die Kultur von Menschen wie mir eher als Gefahr imaginiert wird, kann dabei auch der Vorwurf eines deutschen Chauvinismus nicht weit sein:

Nachtrag: da mir die bloße Rede von „Gewalt“ bei dieser Rede selbst noch zu niedlich vorkam, habe ich „Gewalt“ durch das tatsächlich verwendete, noch dazu militärisch anklingende Wort des deutschen Bundespräsidenten ersetzt und angepasst.

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