Archive for April 2010

Test Drive Unlimited 2 auf Ibiza

30. April 2010

Erfreuliche Eindrücke bei MTV, mit Produzentin Nour Polloni (Alone in the Dark 2008)

Auch „Anno 1404“ oder „Dawn of Discovery“ ist ein Kriegsspiel.

30. April 2010

Was ist wertvoll? Und was nicht?
Zur deutschen und „internationalen Version“ heißt es auf der offiziellen Seite des Deutschen Computerspielpreises: das „Spiel propagiert ein friedliches Miteinander sowie den Austausch unterschiedlicher Kulturen, das Spielerleben ist abwechslungsreich und vielschichtig.“

Zu einem anderen ausgezeichneten Titel wird indirekt vorangestellt sich gegen eigenes Leid besser nicht zu wehren: die „Welt tritt Spielerin und Protagonistin gleichermaßen als verzerrt und bedrohlich entgegen, doch finden sich im Gegensatz zu anderen Spielen keine Waffen, um den Schrecken zu besiegen, sondern allein Flucht und Versteck sind als Mittel einsetzbar. Damit wird auch das Game Design intelligent in das Setting verwoben und überzeugt durch Mut.“ Mut? Aha. Eine Verhöhnung von „Mut“ ist dieses sich für etwas besseres halten
Schlichte Einbildungen und eine negative Beziehung zu anderem – so was nenne ich „Gewalt“
Täter-Opfer-Umkehrung vorwärts! Diese Gewaltphobien sind aus meiner Sicht an Widerwärtigkeit kaum mehr zu überbieten. Wenn man schon auch nicht in der Lage ist genehmere, (vermeintlich) gewaltfreiere Spiele aus dem Ausland – wie zum Beispiel ein „Machinarium“ – aufzustellen, die nicht wegen ihrer relativen Gewaltarmut, sondern TROTZ dieser auch wertvoll sind…

Dazu passend Adam Sessler: „Gewalt IST Unterhaltung!“ – Soapbox

Deutscher Computerspielpreis 2010: deutsches Spiel als „international“ (offenbar nach)nominiert – und ausgezeichnet

29. April 2010

Die kulturellen Sauberkeitsvorstellungen und moralischen Überlegenheitsdünkel, noch vorgestellt als „pädagogischen Wert“, scheinen in dem Land keine Grenzen zu kennen: PC Games – geschweige denn anderes respektiert zu werden…
Erste Reaktion meinerseits: „das führt wohl weit hinter die 1950er Jahre zurück.“

Weiterer Kommentar: ‚Der Hinweis Neumanns, von dem bei Computec die Rede ist, entbehrt jeglicher Logik: das „Keinohrhasen“ der Videospielwelt ist gerade ein „Anno 1404“. Relativ jugendfreundlich, vergleichsweise harmlos. Großer kommerzieller Erfolg. Im Gegensatz zu einem „Dragon Age: Origins“ spricht gerade ein „Anno“ eben KEINE politisch relevanten Themen wie Rassismus oder sexuelle Ausbeutung an, sondern stellt oberflächlich beschaulich-beschönigende Darstellungen aus der Geschichte dar. Eigentlich nicht einmal das – ist ein Fantasy-Spiel das aus einem historischen Realismus betrachtet möglicherweise auch noch den Kolonialismus massiv verharmlost. Weil es sich in seiner Romantik zu wenig von vergangenem Leid distanziert. Es ist aber halt in jedem Fall politisch opportun für ein kulturell sauberes Selbstverständnis Deutschlands. Leider‘

Nachtrag: die Nachnominierung „Anno 1404″s als „internationales“ Spiel unter dem Titel „Dawn of Discovery“, welche zu diesem Gewinn erst führte, hat sich dem schon mehrmals dazu jetzt überarbeiteten Artikel bei Computec zufolge mittlerweile indirekt anscheinend bestätigt…

APA und derStandard.at leugnen indirekt die Existenz der ESRB??

28. April 2010

Ein sehr seltsamer kurzer Text über die Austria Presse Agentur ist auf derStandard.at erschienen. Darin wird über ein Zitat Schwarzeneggers zum erwünschten Verkaufsverbot von Videospielen an Jugendliche in Kalifornien, das sich der US-Supreme-Court jetzt noch einmal ansehen will, möglicherweise tatsächlich der Eindruck erweckt, als würden Videospiele in den USA – anders als Filme – keinen Ratings unterliegen…
Ein erster dort veröffentlichter Kommentar legt ebenfalls nahe, dass der Artikel so verstanden wird (beziehungsweise werden sollte?)

‚“Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern, sie vor den Auswirkungen von Spielen zu schützen, die äußerst gewaltsame Aktionen darstellen“, sagte Schwarzenegger und verglich dies mit den bestehenden Jugendschutzbestimmungen bei Kinofilmen.‘
???

Jugend und Computer – zur WELT und dem Deutschen Computerspielpreis 2010

28. April 2010

Bei Stigma Videospiele

Ich muss leider schon sagen, dass auch dieser Journalismus welcher sich noch als der aufgeschlossenste diesbezüglich vorstellt, wohl Teil des Problems ist, wenn selbst in diesem Artikel die Industrie noch als geldgeile, sich einmischende Lobby dargestellt wird.
Wenigstens hat man offenbar mal versucht da Widerstand zu leisten, Widerspruch anzumelden und wen mal angerufen gehabt: was wäre denn Lindemann lieber, dass dieser Preis tatsächlich praktisch ein Jugendpreis bleibt und die Mär vom Kindermedium nur noch weiter fördert. Wenn schon nicht ein Thomas Lindemann selbst, so sitzt halt ein Christian Stöcker vom SPIEGEL dort auch mit in der Runde. Und bestimmt die Preisträger mit. Oder ein Heiko Gogolin, eine Petra Fröhlich oder sonst wer aus der Spielepresse. So ist das nämlich auch vorgesehen. Ruhig? Das Personal scheint für viel Widerstand gewöhnlich ja nicht vorhanden zu sein – etlichen bereits bestehenden Verboten fast noch zugenickt zu werden von Seiten eines Mainstreams, dieser Industrie und einer deutschen Spielepresse
„Dragon Age: Origins“ ist ein Titel der sich mit vielen und unterschiedlichsten gesellschaftlichen Problemen auch auseinander setzt, von Rassismus bis sexueller Ausbeutung. Und jedes Jahr erscheinen solche Spiele.
In Großbritannien kein Problem, dass die BAFTA Games auszeichnet ist seit „Conker’s Bad Fur Day“ jedesmal ein Grund zur Freude. Die Preisvergaben dort sind wirkliche Indikatoren für Qualität. Und was ist mit diesem deutschen Preis? Abgesehen von der Kinder- und Jugendproblematik ist es ganz einfach auch ein ergreifender nationaler Preis. Ich kenne keinen anderen Preis in Deutschland der international gängiges so ausschließen würde. „Deutscher Computerspielepreis“ – ist das „deutsch“? Wirklich? Internationales so zu behandeln. Ausländische Errungenschaften, wenn schon tatsächlich in Deutschland selbst sich nicht viel mit Gewalt auseinandergesetzt wird. Das ist schlicht und einfach kulturelle Fremdenfeindlichkeit welche hier am Werk ist, doch niemand scheint auch nur im Ansatz das in diese Richtung so zu denken wie ich: das für lächerlich halten oder sich noch darüber zu empören, weil ich dadurch anderes angeblich „ungeheuerlich verharmlosen“ würde. Ungeheuerlich ist diese fremdenfeindliche Ignoranz: da wären keine „Gewaltspiele“ heißt es. Was soll der Unsinn? Bestimmt Herr Lindemann was ein Gewaltspiel ist und was nicht?
Diese kulturellen Sauberkeitsvorstellungen deuten zudem weiterhin auf abscheulichste historische Abgründe, inklusive Menschenverachtung. Die Verachtung fremder Kreativer.
Und wenn die Gewalt gewisser Normvorstellungen autoritätsgläubig weiterhin nicht hinterfragt wird, wird das noch immer schlimmer werden, solange „Kultur“ ein sauberes Soll bleibt, das den ganzen Schmutz und „Schund“ nicht nur am liebsten unter Teppiche verstecken würde, sondern wohl auch darauf dann noch am besten so herumgetrampelt wird bis das ganze unerwünschte Zeug völlig aus dem Sinn ist
Die Industrie sollte sich im Gegenteil von diesem Staat distanzieren und in Karlsruhe, Straßburg oder Den Haag gegen diese Zustände eine Klage nach der anderen einreichen. Deutschland ist Mitglied der Europäischen Union und hat sich bestimmt auch anders zu gewissen Standards Ausdrucksfreiheit betreffend verpflichtet, hier hat der Staat (auch) eine Verantwortung zu tragen. Der Preis erfolgt schließlich in dessen Namen

Zwei Nachträge von dort zur Festigung für hier noch:

@Yoshi128
Ja ich mein das eigentlich immer so wie Vicarocha schon schrieb. Und vielleicht bin ich da auch selbst Schuld wenn man mich falsch versteht, aber andere Worte fallen mir dazu oft leider nicht (mehr) ein.
Es ist vielleicht eher zufällig, dass man das so einordnen kann – also in “national” und international: so lässt sich dies etwa auch an der Zusammensetzung von G.A.M.E. und BIU erkennen, wer von der Industrie da wo vertreten – organisiert – ist.
Hollywood sprach ja auch Lindemann in seinem Text an: ich sehe das so, dass man über einen Tarantino halt nicht hinwegsehen kann – es sich gewissermaßen nicht leisten kann da keinen Diskurs zu führen oder den gleich nur in Bausch und Bogen abzulehnen. Dafür kann es sich ein deutscher Feuilleton sehr wohl leisten, und tut es auch, über besonders brutale französische Genre-Filme etwa überhaupt keinen Diskurs zu führen. Die werden auf Videos schnell indiziert, wenn schon nicht beschlagnahmt, und gibts dann auch gleich gar nicht mehr – obwohl sie vielleicht politisch durchaus sehr relevant sind und auch entsprechend produziert wurden

Ich sehe da Deutschland vielleicht wie eine Insel: was von außen kommt und zu gewaltdarstellend ist wird abgelehnt. Und da das was man sich international leisten kann – wenn sie etwa Lars von Triers “Antichrist” nicht gefördert hätten, mit der Begründung dass der Trier ein filmischer Gewalttäter oder was wär: das wär international kaum ohne Aufsehen geblieben nehm ich mal an. Weil Lars von Trier nunmal eine europäische Größe als Kulturschaffender ist. In fast jeder positiven deutschsprachigen Rezension zu “Antichrist” habe ich zudem immer einen Grundtenor gelesen: der Film sei zwar sehr brutal, aber eben auch nicht “selbstzweckhaft”. Immer das gleiche: in einer anderen Sprache gibt es das Wort “selbstzweckhaft” so gar nicht meinem Vernehmen nach. Das taucht da nirgends auf, aber in Deutschland begründet man so gewisse Einstellungen gegenüber (ansonsten) unliebsamen Darstellungen scheinbar jeden Tag.
Indem man von “selbstzweckhafter Gewalt” spricht und diese nach belieben verortet oder halt nicht.
Auf der deutschen Insel selbst wird sowieso nicht soviel in diese Richtung produziert oder entwickelt. Das sind eher Ausnahmefälle. Und es gibt ja auch die Stimmen, welche einem “Drakensang” noch die Bildung gewalttätiger Banden vorwerfen…

Nachtrag: die “ausländischen Errungenschaften” und die Feindseligkeit gegenüber den fremden Kreativen von denen ich schrieb, deren vielfach angeblich feststehenden Interessen – Geld, “niedere” Instinkte aus persönlicher Unreife, sonstige unerwünschte und eingebildete (Gewalt-)Obsessionen, vornehmliche “Barbareien” – müssen nicht im Ausland liegen. Die können zum Beispiel auch in Berlin hausen. Bloß: wer gibt denen dort ein Geld? Wie können sie in Berlin ein “Splatterhouse” entwickeln zum Beispiel. Das wäre vielleicht auch mal zu fragen – und so hat die Industrie in Deutschland schon ein Biotop geschaffen das manches vielleicht monetär auch gar nicht mehr möglich macht. Also ohne gewisse Unterstützung: auch was Startup-Firmen betrifft. Welche deutsche Bank gibt einem Jungunternehmen schon Geld für die Fertigstellung eines Spieles, von dem anzunehmen wäre dass es zumindest indiziert werden würde? “Manhunt 2″ wurde teilweise in Wien entwickelt. Hier in Österreich geht das (noch): bei Rockstar Vienna, jetzt schon lang geschlossen. Welcher internationale Hersteller wie Take 2 würde sich in Berlin so engagieren? Ich glaube kaum einer. Da kommt es doch auch auf ein gewisses politisches Klima an

Abschließend vielleicht noch ein paar Gedanken zu international renommierten deutschen Spieleschmieden: ich glaub dass Crytek Deutschland noch nicht vollständig verlassen hat hängt auch damit zusammen, dass sich da woanders vielleicht nicht so wohl gefühlt wird wie in Frankfurt. So vernehme ich bei jedem Video-Auftritt von Cevat Yerli viele Stimmen in anonymen Kommentaren von Foren, dass man ihn in den USA etwa nicht versteht, weil sein Englisch angeblich so schlecht wär oder was.
Andere wie Julian Eggebrecht haben Deutschland hingegen schon früh verlassen und sich mit ihrer Firma (Factor 5) auch zehn Jahre in den USA halten können zum Beispiel
Viele andere international wirklich große Erfolgstories gibts ja schonmal gar nicht – die meisten deutschen Spieleschmieden produzieren auch eher für den deutsch(sprachig)en Markt
Es hat anders als aus dem Nachbarland Frankreich (Atari, Ubi Soft) es auch noch kein deutsch(sprachig)er Publisher es geschafft sich international wirklich zu etablieren. Blue Byte wurde vor fast zehn Jahren jetzt schon von Ubi Soft geschluckt und die schicken heute eine über Microsoft arbeitslos gewordene Legende wie Bruce Shelley hierher um “Die Siedler” aufzupeppen…

Nachtrag vom 29.4.2010:

@Thomas
Gerade Leute mit solch elitären Einstellungen sind aus meiner Sicht das Problem: Reich-Ranicki hat schon Roches “Feuchtgebiete” irgendwie nicht als Literatur gelten lassen wollen und sprach von “Pornographie” – vor zig Jahren regte sich dieser auch über Texte der heutigen Literaturnobelpreisträgerin Jelinek im Fernsehen furchtbar auf, vor allem über deren selbst proklamierten “Anti-Porno” “Lust”. Seine Ablehnungen häufiger Verwendug des F-Worts mag auch in anderen Fällen bereits an amerikanische Zustände erinnert haben Wertkonservativ durch und durch. Der hat auch eine gewisse Vorliebe für bürgerliche HeldInnen, wohl als Fan von Thomas Mann, und will proletarischere Milieus etwa nicht in erzählenden Rollen haben

Nein, wie man wie Reich-Ranicki als leuchtendes Beispiel schon immer nur das Eigene sehen will und auf das Fremde herabschielt, wird sich da nichts ändern – jedenfalls solange nicht, solange es auch überhaupt kein Bewusstsein für das Fremde und Eigene gibt und man bei einer Rede vom Fremden ernsthaft noch immer glaubt, man meine damit “Ausländer” oder so: die eigenen moralischen Überhöhungen so unangetastet bleiben, weil gegen dieses Fremde hat man naturgemäß nichts – der Fremde und die negative Beziehung zu dem kann jedoch ein Nachbar, zu einem Nachbarn, ebenso sein wie ein Verwandter, zu einem Verwandten, darstellen – ja noch ein Freund sein über dessen Geschmack und Empfinden womöglich auch hergezogen wird – als “krank”, “los”, “pubertär” oder sonstwas. Sonstwie gefährlich möglicherweise noch dazu – als potentiellen Attentäter. Solange die Gewalt des Normalen auch regiert, noch ungeachtet einer Ausdruckskraft und -macht der Eliten (als Gäste im Fernsehen, Chefs von “Meinung” in großen Tageszeitungen) und ein “normaler” Jugendlicher etwa eben nicht CS oder Battlefield, sondern Fußball spielt.

Gestern Abend wurde mir die Absurdität von Einschätzungen bezüglich dem Gewaltdarstellungsverbot als strafrechtliches Vergehen auch wieder deutlich: ich spielte das dänische USK-18-Spiel “Kane & Lynch” von 2007 und in der vierten Mission müssen der eitle und der psychotische Verbrecher auf die Strassen und Highways einer Stadt fliehen – mit dem Ergebnis dass sie dort auch den Verkehr zum erliegen bringen. Die Polizei mischt sich ein, doch unter den PolizistInnen finden sich auch immer wieder die (zivilen) Insaßen der Fahrzeuge, welche ziellos umher irren oder herumstehen und sich teilweise vor den Verbrechern verstecken. Dabei können durchaus Szenen entstehen die an “No Russian” aus “Modern Warfare 2″ (MW2) erinnern, wohl verstärkt noch durch eine ähnlich kühl-naturalistische Ästhetik. Der Psychologie der Täter, als der Lehre von deren Psyche, zufolge unterscheidet das Spiel nicht im geringsten zwischen Polizei und Zivil-Bevölkerung: im Falle von MW2 hat diese Nicht-Unterscheidung bekanntlich zu den Maßnahmen gegen das Spiel geführt.

Und das soll ein “ethischer Diskurs” sein? Ein ethischer Diskurs wird so höchstens verhindert! Durch die Gewalt eines Staates. Wenn verhindert wird, dass man sich etwa selbst ein Bild machen kann und auf solche Zusammenhänge wie ich sie gerade beschrieben habe hinzuweisen. Das ist bestenfalls ein “unethischer Diskurs”, und zwar eben über den betreffenden Staat geführt

Wann ist etwas „reprehensible“ (verwerflich)? Und wann nicht?

25. April 2010

Angeregt durch Adam Sesslers Hinweis (Eintrag Soapbox) hatte ich letzte Nacht mal wieder Roger Eberts Rezension von Meir Zarchis misanthropischem „Ich spuck auf Dein Grab“ (I Spit on your Grave/Day of the Woman) von 1978 gelesen – in Chicago wurde der Film anscheinend erst zwei Jahre später skandalisiert. Chicago Sun-Times. Wie dem auch sei: Sessler, der ja nie verlegen zu sein scheint für die Kulturform dieses Jahrhunderts etwas tief aus der Kulturgeschichte des vorangegangenen zu bemühen, erinnerte sich. Und zu Recht! Nicht nur Eberts Leugnung von Videospielen als Kunst betreffend, sondern auch bezüglich seiner aktuellen Ablehnung von „Kick-Ass“. Eberts Kritik zur Comic-Verfilmung von Matthew Vaughn: dabei muss ich sagen, dass ich beide Filme, sowohl den Zarchi-Film als auch „Kick-Ass“ noch nicht gesehen habe. Dafür sah ich das wie der Zarchi-Film in Deutschland zum Beispiel ebenfalls verbotene „Letzte Haus links“ (The Last House on the Left) von Wes Craven (1972) schon mehrmals, für das Ebert als „Rape & Revenge“-Film in der Nachfolge von Bergmanns „Jungfrauenquelle“ bekanntlich eher lobende Worte fand.
Bei meinen Recherchen bin ich nun auf ein interessantes informelles Detail gestoßen, wonach die Vergewaltigungen in beiden Filmen so unterschiedlich bewertet worden sein sollen, dass die Vergewaltigung bei Craven „inszeniert“ gewesen sei, bei Zarchi hingegen „glorifiziert“ – was mir wiederum die absolute Willkür solcher Interpretationen von Fiktionen vor Augen führt. Wie und weshalb diese auch immer so rezipiert wurden: fest steht, dass über die beiden Schauspielerinnen welche bei Craven die Opfer gespielt haben nur wenig bekannt ist. Sie, oder zumindest eine von beiden, soll später noch kurzzeitig für Pornofilme gearbeitet haben – „Last House“ selbst wurde ja auch schon in diesem Umfeld produziert -, mehr weiß man aber fast schon nicht: die Legendenbildung um diesen (ehemaligen) „Video Nasty“ in GB formte jedoch sehr wohl eine ziemlich unappetitliche Geschichte darüber wie „nah“ die Vergewaltigung an einer Realität angeblich gewesen wäre – was über die Herstellung des Zarchi-Films meines Wissens nach keineswegs kolportiert wurde oder wird.

-Nachtrag:
Das Opfer bei Zarchi wurde von Camille Keaton dargestellt. Diese war mit dem Regisseur verheiratet, sowie ist mit Buster Keaton verwandt und heute die Witwe des Ex-Manns von Judy Garland, Sidney Luft. Ihre Karriere ist ganz gut dokumentiert

Dieser Film und seine Perzeption soll hier aber nicht weiter das Thema sein, dazu empfehle ich immer noch Carol J. Clovers exzellente Analyse von 1992 (Männer, Frauen, und Kettensägen). Amazon, unbezahlte Werbung.

Was mir jedoch vor allem auffiel bei Ebert, dessen Wahrnehmung dieses Films, als auch des aktuellen „Kick-Ass“ in dem es zwar nicht um Vergewaltigung geht, dafür gewalttätig( gemacht)e Kinder – ein anderes Tabu sozusagen, jedenfalls fernab negativer Medienwirkungsforschung: beide Film-Fälle lehnte Ebert mit dem Wort „reprehensible“ (verwerflich) (moralisch) ab. Also einen Mainstream-Film von heute ebenso wie einen Untergrundhorror von vor dreißig Jahren
Nun sind solche Moralisierungen und Bewertungen hierzulande ja nichts ungewöhnliches, wo einem diese bei Gewaltdarstellungen und auch zu expliziter Sexualität ja leider fast schon auf Schritt und Tritt begegnen, samt Anfeindungen, übelsten Unterstellungen, usw. Was hier, im Falle Deutschlands und der Schweiz bei Gewaltdarstellungen zumindest noch gesetzlich durchgesetzte Gewalt dagegen ist, sieht in einem Land mit größerer libertärer Tradition aber für gewöhnlich ganz anders aus: unbegründet kommt man dort damit nicht so einfach durch ohne sich zumindest lächerlich zu machen. Moralische Überlegenheitsdünkel ziehen außerhalb eines gewissen Puritanismus, der wiederum hierzulande gerne den Amis noch vorgeworfen wird, einfach nicht. Und ja, es gibt auch so etwas wie einen Gewalt-Puritanismus aus meiner Sicht.
Während man hierzulande noch eingebildet als liberal gelten kann, wenn man Andersdenkende diesbezüglich am liebsten gleich einsperren möcht oder mit totalitären Ideologien zusammenbringt bevor man sie gleich „Nazi“ schimpft – wahrscheinlich weil man mit den eigenen dunklen Seiten nicht so gut zurecht kommt -, sind derlei normierte Vorstellungen die womöglich selbst auf noch immer unbearbeitete, historische Abgründe verweisen in Gefilden mit größerer Tradition individueller Freiheit und geringerer Bedeutung bürgerlicher Interessen (politisch links wie rechts – siehe den Perfect Storm gegen „Killerspiele“) weniger anzutreffen.

Zweiter Nachtrag: zu einer (weiteren) aktuell negativen Wahrnehmung von „Kick-Ass“ siehe auch diesen vorangegangenen Blog-Eintrag von mir <–

Meinungen und „Wirkungen“ – alles Politik

24. April 2010

„Klüger macht“ das lesen eines solchen Artikels jedenfalls nicht, denke ich: auf derStandard.at.
Vor allem dann nicht, wenn man sich noch viele der Wortspenden im angeschlossenen Forum ansieht

Man kann dort aber gelegentlich ganz erstaunliche Dinge beobachten find ich: binnen Minuten sammelt sich eine Gruppe um sich auf die ein oder andere Seite zu schlagen – bei Games-Themen kommt es vor allem darauf an wo sie platziert werden, sind sie im RSS-Feed oder auf der Hauptseite prominent gesetzt worden entwickelt sich schon bald sowas wie das dort zu dem Artikel, ansonsten schreibt überhaupt kaum jemand wenn es positives zu berichten gibt zum Beispiel
Das steuern also auch die Redaktionen massiv mit
Zudem fällt mir seit etwa einem Jahr dort der enorme Hang zu einem Linkspopulismus auf, wie er etwa auch über die Nachrichtenillustrierte „News“ in Österreich feststellbar ist. Die Online-Artikel sind fast schon grundsätzlich verkürzt bis schlecht recherchiert, was sich auch anhand einer schlampigen Orthografie zeitigen mag

Empfehlen kann ich auch das Print leider nicht wirklich, auch deshalb nicht wie dort mit Kundendaten umgegangen wird: so bekam ich bei einem Test-Abo die Post meiner Verwandtschaft zugestellt – diese schwört keine eigene Mail-Adresse bekanntgegeben zu haben: haben ja die gleiche Real-Adresse dachte sich da jemand wohl, und wenn wir keine andere E-Mail-Addi haben schicken wirs halt diesem Mayer elektronisch zu… Im Fernsehen (ORF-Pressestunde) gab die Chefredakteurin 2008 Informationen über die Test-Abos im Haushalt des unliebsamen, mittlerweile verstorbenen, Politikers Haider preis. Das werde ich nie vergessen. In einer eigenen Sendung machten sie sich über ihre UserInnen lustig: so wurde in einem Video auch etwas von mir mal vorgelesen. In den AGBs fand ich von dem allem nichts was einem darüber erwarten kann, aber es ist halt auch aus meinem Land Österreich 🙂 Alles etwas seltsam hier 🙂

Zum eigentlichen Thema das dort in dem Artikel besprochen wird siehe (auch) die Diskussion bei Stigma Videospiele: FPS fördern kognitive Flexibilität Kommentar: ‚Was ich mich dabei fragte war ob die Bildunterschrift “Ego-Shooter machen angeblich klüger” zu Studien die negative “Wirkungen” annehmen analog auch so stehen würde: also etwa “Ego-Shooter machen angeblich Mörder”…‘

Google veröffentlichte Statistik zu Regierungsanfragen

24. April 2010

Google: demnach befindet sich von den 43 darin aufgelisteten Ländern Österreich in Gesellschaft mit 32 Staaten, welche weniger als zehn Zensuranfragen stellten (wie doch anzunehmen ist in erster Linie Anfragen nach Löschung beziehungsweise Ausblendung von Suchergebnissen der Maschine). (Eindeutig-)Kinderpornografisches Material filtert Google bereits von sich aus aus. Über China gibt es keine Daten – es ist jedoch wohl anzunehmen, dass es die Statistik anführen würde: ansonsten führt Brasilien vor Deutschland und Indien die Zensur-Liste an, bereits dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten.
Bei den Datenanfragen wird Österreich überhaupt nicht gelistet – die häufigsten Anfragen dazu kamen ebenfalls aus Brasilien, gefolgt von den Vereinigten Staaten, sowie weiter abgeschlagen aus dem Vereinigten Königreich und auch wieder aus Indien. (Zusätzlich-)Verfälscht dürfte die Liste in Bezug auf Brasilien und Indien durch das Google-eigene Social Network „Orkut“ werden, das sich in diesen beiden Ländern großer Beliebtheit erfreut und offenbar erhebliche persönlichkeitsrechtliche, sowie anscheinend auch politische Probleme verursacht.
Für Deutschland gibt es hingegen keine relativierende Erklärung – die BPJM wird, auch in Hinblick auf dieses Dokument <- ausdrücklich genannt.

Schnittberichte – Kommentar zur Situation in Deutschland:

Lieber BTN!
Das sehen Sie falsch.
Man müsste vor Google halt eine Sperre auftun, damit jugendgefährdende Inhalte nicht mehr zugänglich sind.
Postident-Verfahren, etc. (auch) dort einführen, usw. Ein Ansuchen vor jede Anfrage eines neuen Menschen stellen: Google eben mit Passwort und Login schützen – zum Wohle der Kinder von jedem der halt aus welchen Gründen auch immer googlen will zum Beispiel die Kopie des Reisepasses fordern – meiner liegt hier gerade vor mir: es kann doch nicht so schwer sein diesen zu kopieren und Google zur Verfügung zu stellen, wenn man schon googlen will.
Dann hätte auch die BPJM kein Problem, denn die BPJM zensiert ja nicht, sondern sorgt für Jugendschutz.
Sie ist darüber hinaus auch nicht für strafrechtliches wirklich zuständig – das wären ansonsten die Gerichte, welche bekanntlich ja auch in Deutschland unabhängig sind.
Also kann hier von Zensur nicht die Rede sein beziehungsweise ist Zensur (nur) positiv zu sehen 😉

Jon Stewart verteidigt Ausdrucksfreiheit

24. April 2010

Zur aktuellen Kontroverse um „South Park“:

Die alte Leier – neuerlicher Kommentar auf SB.com

24. April 2010

@Onetwothree
Ja das kann ich nur bestätigen. „Die“ Gesellschaft und das Recht handelt da sehr gefährlich wenn sie diese Leute dermaßen an den Rand drängt, knebelt und noch mit gewalttätigen Gedanken zusammenschnürt.
Ich habe mich persönlich immer für eher konservativ in diesen Fragen gehalten, doch die hasserfüllten Gedanken welche da gegen diese Leute artikuliert werden sind äußerst bedenklich aus meiner Sicht
Man kann fast nur davor warnen denen noch weiter ihre gedanklichen Freiräume zu nehmen – wer weiß welche Konsequenzen das noch hat, und zwar zum Schutz unserer Kinder. Verschwinden wird da nämlich sicher nichts – durch die Gewalt eines Staates. Das hat noch keine Gewalt zusammengebracht

Schnittberichte