Am Ende der Gezeiten

Kommentar bei Stigma Videospiele

Sobald ich einen Spielstand in einer „solchen … Gewaltorgie“ anlege fühle ich mich mit als Entwickler von sowas – zumindest im Sinne deren Wahrnehmung. Ich entwickle die dann auch (mit). Vor allem wenn ich das Spiel womöglich noch rezensiere. Und „ich war noch niemals in New York“, um etwas von Udo Jürgens mal auszuborgen, sowie auch nicht im Rest der Vereinigten Staaten von Amerika.
Wollte mich deshalb vorhin nicht aus einer vermeintlichen Anonymität hier lächerlich als „Barbar“ beschimpfen lassen und schwieg, den hat mein Landsmann Arnold S. Seinerzeit viel besser gespielt als ich, und der ist heutzutage Gouverneur von dort wo mitunter diese ganzen „üblen Produkte“ dem Vernehmen nach herkommen, auch wenns nicht stimmt, aber bitte eines erscheint mir schon bemerkenswert zu sein: dass jemand hier angegriffen wurde, nicht ich, der einfach meinte er sei „gut unterhalten“ worden. Das sei dessen Meinung, aber da gäbe es eben noch andere: ja schön, ABER Wo!? Wo denn, bei Gericht!??
Oder wo gibts die demnach. Hier geht es um Spieleverbote – durch Gerichte. Also
Das ist zweifellos und nachweisbar totalitäres Gedankengut bitte. Das tangiert nicht nur (wie üblich) autoritäres (Normdenken), sondern ist eben einfach totalitär.
Weil einem Richter etwas nicht gefällt, der nicht „gut unterhalten“ wurde dem Vernehmen nach, lässt er etwas verbieten, mehr noch: womöglich einziehen – damit alle anderen auch nicht mehr in den Genuss kommen können. Ich denke nicht dass das der Sinn gewesen ist als das Vergehen Gewaltdarstellung im deutschen Strafrecht geschaffen wurde. Nicht einmal sein konnte – im Sinne einer Entwicklung welche Deutschland seit 1949 doch positiv (hoffentlich) durchgemacht hat. Ja innerhalb Deutschlands das betreffende Werk gar nicht mehr legal (für den Verkäufer/Schenker) erwerben gekonnt wird, dass sie (die womöglich andersdenkenden Menschen) sich selbst ein Bild machen könnten. Weil wem geschadet wurde? Dem Richter so wie einem Roland Näf, wenn er sich verletzt fühlt. Oder einem Klaus Miehling durch Lärmbelästigung in Freistadt? Aber so ein Richter wird doch (noch) mit ganz anderer, realer, Gewalt für gewönnlich konfrontiert werden müssen. Tatsächlichen Verbrechen!? Wie reagiert der Richter, die Richterin, dann darauf? Hält er oder sie das auch nicht aus? Wie soll Rechtsprechung dann überhaupt funktionieren? Weil die Gewaltdarstellung nicht goutiert wird. Reale Gewalt von fiktionaler nicht unterschieden? Weil man sich derer überlegen fühlt, der Gewaltdarstellung, über der Gewalt (von Dingen!?) stehend, moralisch für was besseres hält, sich nicht die Hände schmutzig machen will, das Überwesen oder sonstwen markiert. Tatsächlich den historisch massivst belasteten Übermenschen (weiterhin)?
Wenn schon (leider) nicht den Kwisatz Haderach 😦 Odern den hebräischen Vorgang Kefitzat Haderech.

Gewalt ist keine Meinung. Und hier wird im besten Fall gegen Gewalt(darstellung) mit Gewalt vorgegangen, so sehr, dass ein Werk nicht mehr rezipiert werden kann. Ein Gewaltdarstellungsverbot gibt es auf der pluralistischen Welt überhaupt bloß in Deutschland und der Schweiz. In der Schweiz wurde es gegen Videospiele bislang nicht angewandt. Muss jetzt der Rest der Welt sich danach orientieren? Woran nochmal? An Deutschland? Hat D. Tatsächlich die Moral inne? Wirklich? Wahrhaftig? Bei der Geschichte? Welches Bild möchte Deutschland da eigentlich abgeben? Was hat das was einem Richter oder Staatsanwalt nicht schmeckt mit Recht zu tun?
Ja, auf solche Fragen wird üblicherweise mit Kinderpornografen oder Neonazis reagiert. Doch wo rufen die verbotenen Spiele schon wirklich zu Gewalt und Hass auf, stellen diese – eben wie Kinderpornografie für gewönlich, gar dar? Was ist beziehungsweise wäre Gewaltdarstellung. Welches reale Leid wird durch spaßige Spezialeffekte oder Polygonmodelle so eigentlich gering gehalten? Wenn sich gegen aggressive Zombies in einer endzeitlichen Extremsituation gewehrt wird, in Verbeugung vor dem Martyrium eines New Orleans gegen Naturkatastrophen dort oder sonstwo, als politischer Kommentar, oder wenn noch Widerstand gegen Nazis geleistet wird. Wo denn? Wo ist das Unrecht? Das strafrechtliche Vergehen? Im Multiplayer von Wolfenstein? Dort herrscht weniger Egalität als es in Deutschland anerkannte konservative Historiker aus dem Historikerstreit mit ihren wenn schon nicht revisionistischen so zumindest fragwürdig positivistischen Ideen bis ins ZDF Noch schaffen. So sieht es aus. Aber geht es hier um den Historikerstreit aus den Achtzigern? Nein, es werden in vermeintlichem Spielzeug Hakenkreuze gesehen und die Alarmglocken läuten. Alles nur negativ weiterhin betrachtet. Simple Vorurteile, historisch-fiktionale Darstellungen ohne Rolle, doch mit mitunter weitreichenden Konsequenzen für erwachsene Menschen ohne eingebildete Reife wie mich, die sich mitunter tagtäglich damit (mit Computerspielen) beschäftigen. Bis sie eben verboten sind
So auch meinen ihre relative Bildung erlangt zu haben

Heute Mittag gibts bei uns im katholischen Haushalt Spinat. Den vertrag ich für gewöhnlich gar nicht. Heute werde ich ihn nach Jahren voraussichtlich aber wieder mal zu mir nehmen – weil er mir eigentlich schmeckt.
Ich hoffe dagegen hat kein Gericht hierzulande etwas einzuwänden.

Nachtrag, exklusiv für hier: statt dem oberösterreichischen Freistadt meinte ich naturgemäß das bayerische Freiburg. Der Fehler sei mir verziehen 😉
2. Nachtrag, zweiter Fehler: Freiburg liegt naturgemäß wiederum nicht in Bayern, sondern in Baden-Württemberg

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2 Antworten to “Am Ende der Gezeiten”

  1. Emil Klinghaus Says:

    Freiburg liegt nicht in Bayern, sondern in Baden-Württemberg.

    • pyri Says:

      Danke für den Hinweis! War schon froh, dass ich es nicht wieder mit dem oberösterreichischen Freistadt verwechselt hatte 🙂

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