Köln ist nicht die Welt

Kommentar anlässlich von „Clash of Realities 2010“ bei „Stigma Videospiele“

Ich glaube, dass auch die TeilnehmerInnen von “Clash of Realities” so nicht von der Hand weisen können, dass ihre Interessen auch einen politischen Hintergrund haben. Sicher nicht den, welchen sie vom KFN, einmal verkürzt formuliert – möchte nicht immer den Chef von dort beim Namen nennen -, vorgeworfen bekommen – was schließlich auch mit dessen Unterschrift beim KA* besiegelt wurde. Also sicher keinen im Sinne der Industrie welche ihre Arbeit unterstützt. Es ist aus meiner Sicht nur so:
ihre Interessen decken sich bloß auch anders überhaupt nicht mit denen dieser anderen Seite, da diese (KFN und Co.) offensichtlich eben NICHT daran interessiert ist “Computerspiele(r” zu verstehen. Aber auch das ist eben Politik.
Verständnis interessiert da in Hannover oder um Erlangen keineswegs. Eher Vorsicht, Warnungen, usw. Wenn schon nicht gleich der Ruf nach (weitergehenden) Verboten ertönt
Dass sich sozusagen dennoch nicht eindeutig für die problematischen oder problematisierten Spiele etwa ausgesprochen wird hängt mit massiven Ressentiments gegen fiktionale Gewaltdarstellungen auch jenseits davon zusammen. Das heißt auch in Wissenschaft welche bei “Clash of Realities” Wissenschaft für sich reklamiert.
Das hat über die deutsche Spielepresse mir das letzte Jahr persönlich knallhart vor Augen geführt. Da gibt es in der Tat Null Toleranz vielfach ab einem gewissen Punkt. Und auch kaum eine Reflexion – wenn etwas nicht passt ist da schnell was gleich “Gewaltpornographie”, usw. Begründet wird das höchstens damit, dass in unseren Breiten das eben so sei – Medien in “der” hiesigen, normierten, Kultur kein Spiegel ihrer selbst, sondern angeblich dazu da irgendwie neues zu schaffen. Selbst “Kultur” zu schaffen. Das gute und schöne – erhabene und saubere, “kritische” und moralisch vermeintlich bessere – was auch immer: in “Angloamerika” wär das halt anders zum Beispiel. Und auf Andersdenkenden wird da völlig rücksichtslos geistig getreten – da ist man völlig machtlos aus meiner Sicht. Da werden auch schnell Urteile über völlig fremde Kreative gefällt – die womöglich keiner von denen die so denken noch je getroffen hat oder auch nur irgendetwas zu tun gehabt.

Und ich befürchte, dass sich das nicht ändern wird. Die Seite der BefürworterInnen weitergehender Verbote so eher noch gewinnen – siehe Schweiz: in Verbindung mit einem Populismus von linker wie rechter Seite, gegen böse gedachte Konzerne, das noch als Unabhängigkeit vorgestellt, schlechten Kapitalismus der junge Menschen verdirbt “Werte” entgegen haltend, mit Unterstützung zwischen Claudia von Werlhof und ein paar versprengten KommunistInnen, deren Zeitungen in der Marx-Nachfolge womöglich zu wenig Gehör finden vermutlich, sowie Christa Meves, Joachim Herrmann und anderen familienorientierten Christenmenschen. Die alle gemeinsame Sache machen während Konstantin W. dramatische Lieder vorträgt und Reinhard Mey dazu zur Abwechslung Gitarre spielt. Auf Ws “Flügel” sitzt derweil Gudrun Pausewang im Kreise lauter friedensbewegter Leute welche über ihre Glanzzeiten in den 80ern sinnieren. Gesponsert von attac und “besorgten” KommunalpolitikerInnen der Computec-Stadt Fürth

Bei uns in Österreich ist gerade der Endspurt des BundespräsidentInnenwahlkampfes, und hier ist viel von “Werten” die Rede – zumindest auf Plakaten: die Gegenkandidatin von Rechtsaußen zum als “links” vorgestellten amtierenden Präsidenten redet davon, wie auch dieser selbst. Bloß weiß wohl niemand so recht was diese “Werte” überhaupt sein sollen – nur eines ist klar: dass sie verschieden sind, vermeintlich völlig unterschiedlich.

Insgesamt hat man es in Deutschland von Gesetzwegen her aber (noch) nicht so schlecht. Es werden nur vereinzelt Kennzeichen abgelehnt oder Spiele verboten. Die Notwendigkeit von Zensurmaßnahmen ist seit 2003 gefühlsmäßig schon etwas zurückgegangen. Zuletzt wurden einige klassische Filme vom Index genommen. Vielleicht geschieht das ja auch einmal (vermehrt) bei Spielen

* „Kölner Aufruf gegen Computergewalt“ (2008)
Stigma Videospiele

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