„Dieser Preis IST ein Machtinstrument GEGEN populäre Spiele“

Weiterer Kommentar meinerseits auf „Stigma Videospiele“.

Die Industrie hätte sich von Anfang an anders positionieren müssen in Deutschland, denn sie war von Anfang an in einer Verteidigungshaltung begriffen. Aus dieser Defensive wird sie auch jetzt nicht rauskommen, immerhin hat sie „Dawn of Discovery“ noch selbst nachnominiert – gerade UM zu beruhigen und zu beschwichtigen, dass alles weiterhin seine Ordnung hat. Selbst wenn die Nominierung formal gegen die Statuten verstoßen sollte
Beim Preis konkret hätte man sich nie darauf einlassen dürfen, da eine so „pädagogische“ oder auch „kulturell“ erwünschte Ausrichtung zu haben – dann hätte man eben nur einen Jugendpreis gehabt, aber so ist der Preis eben nicht aufgestellt. Wie er aufgestellt ist, ist im Sinne der Bewahrpädagogik welche Videospiele nicht als Erwachsenenausdruck überhaupt wahrnimmt – und sowieso einem päjorativen Unterhaltungsbegriff gegen eine Spaßgesellschaft verfolgt

Dieser Preis IST ein Machtinstrument GEGEN populäre Spiele

Man braucht so auch nicht ernsthaft glauben wie Michael Trier, dass es da nächstes Jahr um die Wurst gehen wird wenn „Crysis 2“ und Spec Ops aus Deutschland am Programm stünden. Da hab ich vorhin auf gamestar.de herzhaft lachen müssen. Die werden dort ganz einfach nicht vorhanden sein (ein Crysis oder sonst was in die Richtung): vielfach habe ich den Eindruck kulturell völlig Unbedarfter in den Redaktionen. Und sie testen ja formal auch bloß Produkte sowie rezensieren keine Kulturgüter…
Sie glauben über ein MW2 nach Belieben herziehen zu können wenn es vermeintliche Tabus bricht und gleichzeitig ein Crysis mit Wertungen über 90% auszustatten weil es aus Deutschland kommt und nicht zu brutal für ein USK-Kennzeichen ist, also so sehr noch angepasst, sowie eine gute Technik hat. Aber bei solchen Preisen geht es nunmal nicht darum, sondern um andere Wert(ung)e(n). Deshalb hat vor Jahren bei den BAFTAs schon eher ein Conker als ein Perfect Dark oder Goldeneye gewonnen

Weil ein besoffenes Eichhörnchen nunmal politisch auch relevanter ist als Elvis, der graue Außerirdische, in Area 51, so wie „Das Leben des Brian“ auch politisch interessanter ist als „Independence Day“. Aber man braucht sich ja auch nur die gelegentlichen Filmkritiken auf gamestar.de ansehen meiner Meinung nach um zu erkennen, dass da manches nicht kapiert wird anscheinend was ich hier zum Beispiel anzusprechen versuche. Das bleibt dort zumindest unverstanden.
Und ich fürchte leider für immer

Beim deutschen Filmpreis redet kein Mensch davon einen „pädagogisch“ oder „kulturell“ wertvollen Film nur auszeichnen zu wollen – da geht es eben um Filme und die deutsche Filmlandschaft. Basta. Ein Untergrund-Splatter oder Irgendwas-Scifi mit einem Model oder Muskelprotz in der Hauptrolle existiert dort aber auch nicht, so wie auch nicht bei den Oscars jenseits der technischen Kategorien zumindest
Aber beim „Deutschen Computerspielpreis“ geht es gar nicht um Computerspiele. So wie es Christian Pfeiffer auch nicht um Computerspiele geht, sondern um eine heile Welt sowie darin enthaltener „Jugend“ – wenn schon nicht um sich als Selbstdarsteller.
Wenn es um „Filme“ geht, geht es auch nicht gleich um „Wirkungen“: und auch ein aufgeschlossener „Spielraum“ in Köln ist vom Computerspiel als „Kindermedium“ angewiesen. Kein Mensch forscht über die BesucherInnen von Gewalt-Musiktheater, solchen Opern… Auch die MedienpägogInnen setzen darauf. Auf das Kindermedium. Auf das vorhandene politische Interesse an Wirkungen. Auch ihre mitunter positivere Nutzungsforschung beschreibt ein Kindermedium, und wenn nicht das, dann einen bloßen Zeitvertreib. Psychologisch. Ich habe schon so manchen vermeintlich aufgeschlossenen Fragebogen aus dieser Richtung vor mir gehabt wo ich mir nur an den Kopf fassen konnte: kein Mensch fragt mich zu meiner Literaturleidenschaft etwa danach aus, ob ich Thomas Bernhard lese um Spaß zu haben, mich berieseln zu lassen, den Alltag zu vergessen oder mich „abzureagieren“. Danach nach einem Hobby
Sorry, aber für Modelleisenbahnbau gibt es gar keine Preise vom Bund soweit ich informiert bin…

Sicher: in England hat ein Call of Duty bei der BAFTA noch Chancen, aber auch nur weil es immer schon politisch relevante Themen angesprochen hat und dort schonmal ganz anders auch wahrgenommen wird als in einer Gamestar-Redaktion…

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