Wo ist Ceville geblieben?

Eigentlich wollte ich zum Deutschen Computerspielpreis 2010 ja nichts mehr schreiben.
Aber wie es bei mir häufig so ist, habe ich mir dieses Vorhaben wieder überlegt 🙂
Ich bereite gerade das Kapitel meiner Dissertation vor, welches sich mit der Entnazifizierung von Spielen für Deutschland beschäftigt, das ich dann im Juni/Juli schreiben möchte, nachdem ich dieses Monat hoffentlich mit dem zum „Kölner Aufruf“ fertig geworden bin an dem ich nunmehr schon über ein halbes Jahr arbeite.
Und in dem Nazi-Kapitel geht es nicht nur um ein vermeintliches „Gewaltspiel“ wie „Wolfenstein“, sondern neben „Indiana Jones“ etwa auch um die Harlan-Ellison-Versoftung „I Have No Mouth, and I Must Scream“, welche 1996 wahrscheinlich wegen der Situation in Deutschland diesbezüglich für Deutschland, und zumindest Frankreich auch, gar so zensiert wurde, dass sie faktisch unspielbar geworden ist. Ein Adventure
Und um ein Adventure geht es auch in diesem Post: „Ceville“ nämlich. Den raffgierigen Antihelden aus einem Anfang 2009 veröffentlichten deutschen Spiel, von dem neben „Risen“ beim Deutschen Computerspielpreis jede Spur fehlte. Warum? Zu Risen fragte ich das dieser Tage in Foren bereits mehrmals. „Ceville“ habe ich mir für hier aufbehalten. Ich kann ja noch verstehen warum „Tropico 3“ keine Erwähnung fand – das war vielleicht wirklich nicht so gut, obwohl es mir auch sehr gefiel. Noch dazu ist es nur von einem deutschen Publisher veröffentlicht worden, jedoch in Bulgarien entstanden. Aber „Risen“ und „Ceville“?
Es gab drei herausragende große Adventures letztes Jahr aus Deutschland: „The Book of Unwritten Tales“, „The Whispered World“ und eben „Ceville“. Alle drei setzten unterschiedliche Techniken ein und können wohl als gelungen dabei bezeichnet werden
„The Book of Unwritten Tales“ hat mich persönlich überrascht, weil es trotz einer gewissen Konventionalität doch einen gehörigen Pfiff hatte und mich so an die alten „Discworld“-Adventures erinnerte. Von allen drei hatte es sicher die besten production values. Das melancholische „The Whispered World“ hat beim Preis als Nachfolger des herausragenden „Edna bricht aus“ sicherlich verdient schon was gewonnen – selbst wenn man streiten kann, ob es sich dabei tatsächlich um ein Spiel für die „Jugend“ handelt. So wie man sicher auch streiten kann ob Spike Jonze‘ (Being John Malkovich) melancholischer Film „Wo die wilden Kerle wohnen“ überhaupt (angemessen) von Kindern rezipiert werden kann – so toll er auch ist.
„Ceville“ war von den drei Titeln als einziges in einer aufwändigen Echtzeit-3D-Grafik gehalten und der Titelcharakter ist sicher nicht der menschenfreundlichste Typ. Bereits ein Grund um beim Deutschen Computerspielpreis übergangen zu werden?
Falls ja, kann man sich in Anbetracht dessen was Stephan Reichart vom G.A.M.E.-Verband so über die PC-Games auch bei Stigma Videospiele zitiert sagt schon sehr wundern, wenn nächstes Jahr die Militär-Shooter „Crysis 2“ und „Spec Ops: The Line“ tatsächlich dort (auch) nicht übergangen werden sollen… Wünschen würde ich es mir zwar, aber vielleicht auch nur für die Einführung technischer Kategorien??

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