Österreichische Grüne: 120 Euro jährlich für die Verbrechen anderer

Interview mit Wolfgang Zinggl

Die österreichische Grünpartei ist hiermit für mich (auch) unwählbar geworden.
Wohin mit diesen Vorstellungen von Kulturpolitik die Reise gehen soll ist nicht so schwer nachzuvollziehen denke ich, denn mit einem 120-Euro-Freibrief zum „Kultur verbreiten“ wird zwar irgendein Extrem-Schrammler aus Wien etwa glücklich werden können, aber sicher keine 200-Million-Dollar-Produktion mit Michael Bay am Regiesessel finanziert werden, und soll sie eben wohl auch nicht:

‚Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is:
welche inhalte sollten überhaupt unter die „cultural flat rate“ fallen? schließlich werden sehr viele unterschiedliche inhalte im internet genutzt.
Wolfgang Zinggl:
Das ist eine sehr wichtige Frage selbstverständlich wird nicht alles und jedes von einer Flatrate abgegolten werden können dafür wird es Regeln geben müssen. So werden z.B. pornografische Inhalte ausgeschlossen werden.‘

Die normierten Vorstellungen über „Kultur“ und wahrscheinlich halt auch deren „schaffen“ könnte größer kaum sein. Doch dem nicht genug. Man stelle sich erstmal noch dieses Zitat vor:

„clementinchen:
Wenn ich auf einer legalen Internetplattform (z.B. istore) ein Album kaufe, zahle ich dann in nicht Zukunft doppelt?
Wolfgang Zinggl:
Ja, wenn sich die Anbieter dieser Plattformen nicht mit Nieschenprodukten behaupten können.“

Der Mann bezeichnet iTunes als eine Nische. Allein an dieser Vorstellung wird aus meiner Sicht deutlich wie ein solches Denken noch jeglichen Wertkonservativismus als Entschuldigung nicht mehr gelten lässt, auch bei den Grünen nicht, und auf eine Ebene der Gewalt wandert: schließlich gibt es Prognosen, welche (Bild-)Datenträger völlig im verschwinden begriffen sehen.
Die Ideologie hinter Zinggl ist dem hingegen der Ökonomismus einer Rede von „Kulturindustrie“: er (Zinggl) redet zwar vom Wert des Schaffens Kreativer, doch verweist indirekt dennoch nur auf materielle Größen – ansonsten würde diese Freiheit über eine SYMBOLISCHE Abgabe, „Flat-Rate“ – wie auch immer sie das noch absurder auch nennen mögen -, für immaterielles gar nicht angedacht werden.
Die Ausrichtung des Interview macht aber auch deutlich, dass es vordringlich wohl (erstmal nur) um Musik geht. Musik interessiert mich nach wie vor nur wenig. Doch sieht man daran im Interview auch wie persönliche Vorlieben ausgeschlachtet werden und anderen aufgedrückt – Software soll zunächst ausgeschlossen sein aus den Plänen – sexueller Ausdruck davon (siehe oben) nicht betroffen, ist wohl zu wenig normierte „Kultur“: es ist so keineswegs vermessen zu behaupten, dass dadurch die Kultur Andersdenkender möglichst unterdrückt werden soll. Andersdenkender die keiner „Authentizität“ etwa nacheifern, sondern komplexe, aufwändige Welten (mit)gestalten und gestaltet sehen wollen – welche viel Geld kosten und von Leuten wie Zinggl für gewöhnlich, ohne dabei etwas unterstellen zu wollen, als bloßer „Kommerz“ verachtet werden.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich im Sinne Gene Roddenberrys gegen die Geldwirtschaft bin.
Vergleiche Star Trek – „realer“ Sozialismus 12f. Nicht gegen den Kapitalismus, welchen ich so wahrlich nicht für sehr wichtig halte, sondern gegen das Geld. Weil es Ungerechtigkeit erzeugt und über seine Existenz fast schon automatisch Menschen voneinander diskriminiert.
Doch solange die Herstellung von Sachen welche mir und vielen anderen Menschen noch zumindest gefallen und mich mindestens ebenfalls interessieren viel Geld kosten, sehe ich da keine Möglichkeit auf diese Ökonomie zu verzichten. Außer diese Sachen SOLLEN eben zerstört werden.
Da sehe ich leider keine andere Möglichkeit😦
Und diese Kulturpolitik als Gewalt an: Gewalt, welche anderes, unerwünschtes, unliebsames, kaputt machen soll (soll deshalb vor allem, weil sie auch so offensichtlich normiert – gegen „Pornographie“ etc. – daherkommt)

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