Kommentar auf Cynamite.de

Bei Cynamite (Computec)

Das problematischste an dieser pornografiefeindlichen ganzen Sache scheint entweder eine gewisse Unkenntnis der Rechtslage oder, und das wäre wirklich nicht zu verharmlosen, eine gefährliche Kompetenzüberschreitung zu sein: über das Strafrecht (§184) IST offene „Pornografie“ im einzigen Land der Europäischen Union oder Nordamerika das ich kenne, in Deutschland nämlich schon verboten!
Dies hat über die letzten fünfzehn Jahre etwa auch dazu geführt, dass sich Internet-Pornografie in Deutschland kommerziell anders entwickelt hat als so in allen anderen Staaten
Es gibt da ein/zwei Unternehmungen, welche mehr oder weniger viel Geld machen mit (zumindest über die Mischbehörde namens KJM) staatlich akzeptierten Zugangsbeschränkungen Inhalte verwalten, sowie darüber hinaus noch einige deutschsprachige Portale, wo pornografische Inhalte einzeln verkauft werden (mit Preisen von bis zu 15 Euro für 10 Minuten Video zum Beispiel). Letztere werden für deutsche Domains (und wohl auch Server) zum Teil äußerst aufwändig noch zensiert bevor sie (unzensiert) zum Kauf angeboten werden.
Beide Systeme sind international kaum konkurrenzfähig: die „Pornografie“ hinter den Jugendschutz-Angeboten, weil da für (angebliche) Verwaltungsarbeit von dubiosen Firmen zum Teil schon Unsummen eingehoben werden, und die letzteren Portale sind international höchstens eine kleine Nische. Anderes, das heisst international konkurrenzfähige(re)s, gibt es deutschsprachig so nur vereinzelt – was meinem Eindruck nach auch mit der relativ geringen Verfügbarkeit von Kreditkarten in Deutschland zusammenhängt. Die Märkte in meinem Land Österreich oder der Schweiz sind dafür sowieso zu klein. Meiner Erfahrung nach vernehme ich im deutschsprachigen Raum auch immer Stimmen, denen es unvorstellbar erscheint für Internet-Pornografie überhaupt Geld auszugeben.
Die ungehindert zugängliche, also kostenlose Pornografie welche da imaginiert wird ist zum Großteil aber nichts anderes als Werbung für diese Content-Vertriebsmodelle welche es für D so krass sowieso nicht gibt – wahrscheinlich ohne dass das den deutsch(sprachig)en KonsumentInnen auffällt…
Aber wenn man zum Thema immer nur verklemmte MedizinerInnen und kulturell saubere Heilsbotschaften hört verwundert mich das ganze auch gar nicht: „pornografisch“ sollen zudem rund ein Achtel sämtlicher Web-Seiten sein. Gegen ein Achtel des WWW vorzugehen – wie steht das einer (jungen?) Union, welche (wieder) „Internet-Partei“ werden will…

(etwas erweitert, ergänzt und Fehler ausgebessert)

Weitere Anmerkungen aus dem „Stigma Videospiele“-Forum:

Ich fürchte man wird in allen etablierten Parteien Deutschlands zumindest die deutliche Überhand einer negativen Beziehung zu „Pornografie“ finden
Und es sind hier ja auch nicht wirklich konservative Ideen welche vorgebracht werden – da verbindet sich eher etwas mit von links: die Idee, dass Pornografie sexuelle Ausbeutung sei nämlich

OT… Das sehe ich im liberal-konservativen Spektrum übrigens in vielen gesellschaftspolitischen Punkten, oder auch in einer Rezeption anerkannter KünstlerInnen: da ist vieles, sind viele Ideen und Konzepte, da wunderbar kompatibel mit einer eigentlich konservativen Weltsicht, sofern es Berührungspunkte bei kulturellen Sauberkeitsvorstellungen gibt, ein „gutes“ oder „schönes“ Leben gezeigt wird und eben nichts „falsches“, sondern halt richtiges, nichts „schändliches“ oder sonst wie verwerflich-anrüchiges. Aber zurück zum Porno-Thema…

Dabei spielte es nie eine Rolle ob Frauen darin überhaupt vorkommen – in der Emma-Kampagne wurde das sogar schon so definiert was Pornografie sei. Demnach wären Schwulenpornos gar keine echten Pornos, weil darin Frauen eben nicht dargestellt werden würden – das wurde da aber auch nicht thematisiert, wie Sexualität so eigentlich generell nicht. Sexualität ist hier auch einfach kein Quell der Freude und hat immer mehr mit Gesundheit zu tun gehabt, oder eben mit Emanzipation
Das ist eine gewisse politische Asexualität, welche zum Beispiel auch Nacktheit als natürlich ok findet, sofern sie nicht sexualisiert rüberkommt

Man muss sich das leider glaub ich eher so vorstellen wie in der DDR mit FKK dereinst umgegangen wurde
Wie in der NudistInnenbewegung das sexuelle überhaupt traditionell geleugnet wird – zumindest nach außen hin.

Ich glaube es besteht da, zum Beispiel auch im Manga- oder Animebereich, ein ganz großes Problem mit einer Sexualisierung der Welt, und dieses Problem besteht weil eine solche Sexualisierung viel mit Kommerz zusammengedacht wird.
Deshalb wird am aller ehesten auch Werbung als „sexistisch“ angegriffen und sich zum Beispiel gegen „sex sells“ so gewehrt

Mit der feministischen Pornografie ist es aus meiner Sicht zudem so eine Sache: ich bin ein äußerst scharfer Kritiker davon was sich für gewöhnlich als solche gibt – so verkauft. Das allermeiste was ich aus diesem Bereich kenne ist überhaupt nicht pornografisch, da werden manche Sachen etwa mit echten oder fingierten FSK-Freigaben verkauft obwohl es ein formaler Grundsatz ist, dass die FSK nichts jugendgefährdendes für Datenträger freigibt.
Und Pornografie ist in Deutschland eben immer jugendgefährdend.
Was dabei Pornografie ist, definiert sich in hiesigen Breiten auch nicht über sexuelle Handlungen wie gemeinhin angenommen, sondern WIE diese sexuellen Handlungen dargestellt werden, vor allem WIE ein primäres Geschlechtsorgan oder der Anus präsentiert werden

Was man mit feministischer Pornografie nicht verwechseln sollte ist Pornografie von Frauen generell: es gibt Pornografie die von Männern oder Frauen produziert wird, aber von Frauen gemacht ist. Für Männer
In dieser sind für gewöhnlich vor und hinter der Kamera bloß Frauen
Diese hat oft dokumentarischen Charakter, weil sie an einem Portrait von (meist eher jungen) Frauen interessiert ist. Elemente daraus finden auch Eingang in gewöhnlicherer Internet-Pornografie, ob bewusst oder unbewusst, zum Beispiel bestimmte Interviewtechniken wie ich sie in England zuletzt feststellte. Den gewöhnlichen Youporn-Konsumenten mag das alles aber ganz und gar nicht interessieren. Daneben hat es auch schon seit den 1980er Jahren Frauen im Porno-Business gegeben, meist selbstbewusste Personen nach ihren Karrieren als Darstellerinnen, welche stark genug für den Pornosumpf waren. Man denke bloß an Ilona Staller in Italien oder Frau Orlowski in Hannover. Denn ja sicher kann Pornografie auch ein ganz übles Geschäft sein. Und da muss man eben stark genug dafür sein, als Frau, aber auch als Mann

Und dann gibt es noch Pornografie von Frauen für Frauen die ähnlich produziert wird wie Schwulenpornos, aber die ist eine sehr kleine Nische

Bei der feministischen Pornografie, oder den „Frauenpornos“, die sich für gewöhnlich auch noch als solche bezeichnen, ist es hingegen so, dass diese eher nach Spielfilmen oder Poesie streben denn nach Dokumentationen von Sexualität: das mit den Spielfilmen war auch immer in der restlichen Mainstream-Pornografie so, deshalb haben so viele dieser Filme auch eine so schlechte Handlung und einen furchtbaren Soundtrack, also jenen auf Datenträgern vor dem Internet. Früher und von dieser Seite auch noch heute wird alles andere, zum Beispiel was unmittelbarer ist, verächtlich gemacht noch innerhalb der Erotikindustrie zuweilen: da ist dann zum Beispiel von „paartauglichen“ Produktionen die Rede, womit man sich abgrenzt von anderem

Das würde hier bei der Union aber aus meiner Sicht eigentlich alles keine Rolle spielen, weil schon das was dort bei Cynamite wiedergegeben wird ganz klar an der Gesetzeslage und einer Realität von Internetpornografie in D vorbei geht

Forum

Ich denke, „dass hier sehr klischeevolle Vorstellungen von Pornografie wiedergegeben werden: so in Richtung Leistungssport und so. Oder igendwelchen extremer gedachten Praktiken.

Ich mein das scheint mir ja fast so zu sein wie wenn man ein Schwimmbad zusammenbauen will: nach Anleitung und so. Pornografie als Anleitung
Also da scheint mir ein gewisser pornografischer Blick auf erotische Inhalte schon gegeben zu sein: Sitmulus und Response. So nach dem Motto: „ja genau so wie es da dargestellt wird will ich es auch machen!“ Irgendwie völlig unvorstellbar für mich
Erotik als Pornografie hat doch immer mit positiven Fantasien zu tun? Auch im BDSM-Bereich zum Beispiel. Und selbst dort kann man nachweislich gewisse ethische Standards schaffen oder herrschen im Idealfall schon vernünftige Regeln innerhalb einer spielerischen Situation. So fantasielos kann man doch gar nicht sein…
Da kann ich auch nur die Kenntnis von besserer Pornografie fordern: dass nicht allem gefolgt wird was einem die gewöhnlichen Angebote an Datenträgern in Sexshops, ein Vivid-Hirsch im Versand oder als Werbung und/oder Exhibitionismus bei Youporn so vorgesetzt wird“

In einer Realität von Internetpornografie in D wird man schon die KJM oder sonstwen aus dieser Ecke über kurz oder lang im Nacken haben zeigt man bloß den teilerregierten Penis eines einzigen Erwachsenen in einer erotischen Montage unzensiert über eine deutsche Domain

Erotik als „Pornografie“ ist immer sexueller Ausdruck für mich. Ich glaube nicht, dass ich dazu persönlich ein großes Talent habe, genau so wie ich auch kein großes literarisches Talent habe glaube ich – was ich bemerkte als ich mit meinen beiden Romanen jeweils anfing
Also sehe ich mir den sexuellen Ausdruck anderer an
Und diesen bewundere ich dann auch, sowie versuche eigentlich immer Schönheit darin zu entdecken, Bildung und Kenntnisreichtum dadurch (mit) zu erlangen

Als Masturbationsvorlage kann dabei auch eine gewöhnliche Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen dienen, wenn man womöglich einen Faible für diejenige Person hat welche die Nachrichten vorträgt

Ein Literat herabwürdigt sich für mich auch nicht, wenn er Literatur fabriziert hat und ich diese anschliessend konsumiere wenn man so will, bessere rezipiere: genau so rezipiere ich auch Pornografie.

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