Das Sommerloch

Ein paar längere Erklärungen meinerseits aus dem Stigma-Videospiele-Forum der vergangenen Monate

@Zitat von einem gewissen Karl Zimmermann von der CDU – leider keine Realsatire sondern eher traurige Wirklichkeit in deutschen Parlamenten:

„Ich bin nicht der Meinung von Herrn Professor Gallwitz, der noch am Tattag, gleich am 11. März, sagte, dass diese sogenannten Killerspiele Gott sei Dank keinen Einfluss hätten. Ich bin anderer Ansicht.
Vielleicht hat der eine oder andere Kollege sich bei diesem Thema auch schon eingelesen. Woher kommen denn die Killerspiele?
Bei meinen Recherchen habe ich erfahren, Herr
Kollege Gall, dass die Killerspiele aus den Neunzigerjahren stammen. Damals hat das Pentagon 50 Millionen Dollar zur Entwicklung sogenannter War Games ausgegeben. Diese wurden zur Ausbildung der Rekruten, insbesondere für den Golfkrieg
und für andere Auslandseinsätze, entwickelt. Aus diesen Kriegsspielen haben sich die Killerspiele entwickelt. Bei ihnen geht es also um das Training zum Töten. Ob das ein Spiel ist oder nicht, wird kontrovers diskutiert.
Wirklich abscheulich ist aber aus meiner Sicht, dass das Pentagon im Juli 2007 weltweit 200 000 Dollar ausgelobt hat. Jeder konnte weltweit an einem Killerspiel teilnehmen. Gewinner
war, wer in kürzester Zeit mit geringstem Einsatz von schweren Waffen die meisten Menschen tötete. Dabei zählten also nur sogenannte Body Counts“

Karl Zimmermann, CDU…

Meine Analyse dazu: ‚Man beachte wie detailliert das zusammengefasst wurde. Woher können diese Informationen überhaupt stammen?
 Von Grossman kann Zimmermann das kaum erfahren haben, allein über ihn wird das nicht entsprechend interpretiert worden sein können. Also bleiben eigentlich nur noch andere Interpretationen von Grossman und Zeitungsberichte welche immer wieder über so Finanzierungen sprechen – diese aber halt eigentlich doch auch immer in einem anderen Kontext meinen
 … Bemerkenswert ist für mich dabei besonders die Textstelle, welche „Killerspiele“ so hinstellt als sei da einmal jemand beim Militär praktisch auf folgende Idee gekommen: so, und jetzt entwickeln wir mal „Killerspiele“… Hier sind „Killerspiele“ von ihrem jeweiligen Sujet völlig losgelöst betrachtet, von ihren Kreateuren auch insofern als dass sie ursprünglich lediglich Auftragsarbeiten für das US-Verteidigungsministerium gewesen wären. Im Grunde wird jedem/r Kreativen so diesbezüglich schonmal vorderhand unterstellt, dass er oder sie keine „Killerspiele“ erschaffen könnte ohne damit im Sinne des US-Verteidigungsministeriums zu handeln. Höchstens noch dagegen in dem Sinne, dass eine Waffe auch von der jeweilig anderen Seite gebaut werden könnte: denn das imaginiert Videospiele so formuliert schon weniger als Ausdruck von Menschen denn als Waffe.

 Danke für den auffrischenden Link … Werde den Gedanken so wie ich ihn oben formuliert habe weiterverfolgen und noch verwenden

 … Nachtrag: gerade wenn etwa nach Jesper Juul Videospiele realen Regeln in fiktionalen Welten folgen ist die Beschreibung eines solchen Preisausschreibens ja geradezu sinnlos. 
Und ich denke diese Sinnlosigkeit ist neben der moralischen Verwerflichkeit welche sich da so vorgestellt wird auch Teil des politischen Interesses so ein Preisausschreiben als „Killerspiel“ vorzuführen, also nicht die thematische Sinnlosigkeit einer elementarsten E-Sport-Disziplin wie einem Deathmatch, das etwa auch die tatsächliche Sinnlosigkeit eines gewaltsamen Konfliktes vor Augen führen kann, sondern die Sinnlosigkeit innerhalb eines Regelwerks.
 Wenn es nur darum geht wer am meisten in kürzester Zeit umbringen kann hat höchtens die korrekte Vorstellung eines Highscores aus der Arcade-Welt vor sich, voneinander unabhängige Nicht-Begegnungen, wo jedeR für sich versucht soviele Punkte zu machen – hier etwa im Sinne des US-Verteidigungsministeriums über die imaginierten „Body Counts“. 
Man muss sich ja auch vielleicht dazu mal vorstellen welche Niedertracht den Amerikanern da eigentlich zugetraut wird…

 Zweiter Nachtrag: was bei „Killerspielen“ oft nicht verstanden wird ist ja deren gewöhnliche Grundbedingung. Gerade im kompetiven Bereich jenseits eines Realismus liegend: dass in einem Deathmatch zum Beispiel niemand wirklich stirbt. Sondern ständig respawned: der „Sinn“ realer Gewalt, Leben auszulöschen oder sich an Gesellschaft zu rächen, wird in einem Videospiel ja ad absurdum geführt. 

Der Tod ist etwas substantiell lächerliches in einem „Killerspiel“.

 Hab ich in einem Deathmatch jemanden gefraggt oder auch wörtlich „gekillt“, in ein paar Sekunden ist derjenige Mensch mit seiner Spielfigur wieder da! Außer er verlässt das Spiel. 
Das wird glaub ich am allerwenigsten verstanden bei den „Killerspielen“ und es wäre dringend notwendig das zu kommunizieren

 … Dritter Nachtrag: ich behaupte ja gern, dass nichts mehr gegen reale Gewalt formal in Erscheinung tritt als die Gewalt in Videospielen – weil nichts mehr reale Gewalt verhöhnt, und ja, damit für mich auch am besten denunziert. Denunziert kann sie aus meiner Sicht nämlich keinesfalls werden, wird sie (die reale Gewalt) auch in einer fiktionalen Form noch ständig mit Ernst betrachtet: nein, das sakralisiert sie im Gegenteil höchstens noch
Sie wird das auch nur dann, wenn man mit ihr umgehen kann, und sie so auch konsumieren
Ideologen aller Schattierungen sehen das aber für gewöhnlich völlig verkehrt, genau anders herum für ihre Zwecke eines Realismus in den Medien‘

@Journalismus (allgemeiner)

Jürgen Mayer: ‚Das Problem ist aus meiner Sicht nicht die Güte eines bestimmten Journalismus, sondern eine gewisse Ideologie dahinter welche etwa glaubt für alles was mit Gewalt zu tun hat eine gütlichere Lösung möglichst noch parat zu haben – die gegen alles auftritt was mit Krieg oder Gewalt zu tun hat, weil diese eben nie notwendig oder sinnvoll seien aus deren Sicht. Ungeachtet dessen, dass durch eine solche Ideologie womöglich noch selbst Gewalt, und wenn begrifflich schon nicht “Gewalt”, dann zumindest Druck ausgeübt wird auf Andersdenkende – in vielerlei Hinsicht. Ob sie nun mit etwas aufhören sollen (Computer spielen zum Beispiel), oder anderen Professionen nachgehen
Ganz abgesehen davon, dass sich eine solche Ideologie gegenüber anderen quasi schon notgedrungen erhöht – Vorstellungen vom “richtigen” Leben mitbringt
-
Ich glaube auch nicht, dass man da in der Sache viel Ahnung haben braucht um gewisse negative Gefühle dabei zu erkennen. Wie Stefan schon sagte sehe auch ich, ohne jegliche militärische Kompetenzen, diese beständig aus Artikeln heraus lesbar: bis hin zu jenem aus meiner Sicht unsäglichen Text über Halo von Carsten Görig zum Beispiel (SPON). Wo Halo bei völliger Ignoranz gegenüber den religiösen Grundlagen des betreffenden Universums und in diesbezüglich eindeutiger Verkehrung der Sachverhalte das Verhältnis von Militär, Politik und Religion im Spiel betreffend, Halo quasi zu einem Rekrutierungsprodukt für das US-Militär gemacht wird, sowie mit dem Master Chief zu einer schon postfaschistoid anmutenden Fantasie vom Übermenschen, welche die Amerikaner noch irgendwie so verbreiten wollten womöglich
Dass der Master Chief jedoch jeder Mensch ist der Halo spielt, so auch Carsten Görig tat er dies für den Artikel zumindest, spielt(e) da überhaupt keine Rolle – leider!‘

@Journalismus (spezieller) – @einen gewissen Fabian Siegismund bei der FAZ (online)

Jürgen Mayer: ‚… wichtig erscheint mir bei Videospielen da vor allem zu sein, dass an den jeweiligen Universen überhaupt ein gewisses Desinteresse besteht.
Man liest aus den Universen, ob nun Halo oder Star Wars, die sind für sowas scheinbar besonders anfällig weil sie auf sehr archetypische Muster in ihren künstlichen Mythologien (Lehren von Mythen) zurückgreifen, mit Vorliebe und vornehmlich scheinbar das raus was man für die Verbreitung der eigenen Ideologie braucht: und da ist es noch “ideologiekritisch” auf Afghanistan zu kommen, weil die Videospiele und populären Kulturwelten eben so für die “völkerrechtswidrigen Kriege” (ebenfalls) vorbereiten
 … 
Es gibt ja auch noch vermeintlich nicht-konservative Ideen, welche in Hinblick auf einen Realismus (Arche-)”Typen” überhaupt ablehnen, bei denen keine Klischees oder Stereotypen vorkommen dürfen sozusagne, weil sie immer auf eine Negativität in den Lebenswirklichkeiten bezogen werden: Auswirkungen (dann auch), welche verheerende Schäden haben
Diese Fantasiefeindlichkeit mag etwa auch so weit gehen, dass negative Gefühle zum Beispiel auch Einheiten aus Strategiespielen entgegen gebracht werden, wie zum Beispiet “den Soldaten”, oder “den Gärtner”, weil diese eben auch auf solchen Rollenbildern basieren würden. Darauf baut glaube ich die gesamte Gegnerschaft gegen die populäre Kultur, welche nicht konservativ ist und vor allem in Deutschland so auftritt, auf

Zitat Siegismund, obs derselbe wie von der Gamestar ist kann ich nicht sagen: “Ah ja, genau, World of Warcraft, das war doch irgendwie böse. Allerdings nicht, weil es ein Ego-Shooter und besonders brutal wäre. Stattdessen ist World of Warcraft das erfolgreichste Online-Rollenspiel der Welt. Es gerät des öfteren in die Kritik, weil es seine Kunden stundenlang vor den Monitor fesselt. Stichwort: Spielsucht. Aber brutal ist es nicht, sondern eher bunt, comichaft und fröhlich. Es ist entsprechend ab 12 Jahren freigegeben.” 
Ich glaub das ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Situation da so schwierig ist und sich in der Berichterstattung wie einer FAZ auch nichts ändern wird, denn was hindert da einem der beide Titel eben nicht kennt trotzdem skeptisch zu sein beziehungsweise zu bleiben: gut, es wird korrekt darauf hingewiesen dass WOW schon ab zwölf Jahren freigegeben wird, sowie in einem zweiten Kommentar noch, dass der Remedy-Erstling indiziert ist, aber Chrissi P. fordert da für ersteres ja auch eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erst. Wegen der Suchtgefahr zwar, auf die Siegismund in seinen Kommentaren hinweist, aber immerhin… 
Also was hindert da dem geneigten FAZ-Leser dem Herrn Siegismund (auch) bloß nur wieder “Verharmlosung” zuzurufen, wenn er da etwas “eher bunt, comichaft und fröhlich” sieht. Womöglich wird der Herr S. so bloß noch als dementsprechend “abgestumpft” wahrgenommen, dass er da etwas “eher bunt, comichaft und fröhlich” sieht, wenn Gewalt in WOW ausgeübt wird. 
Also so, mit solchen Vorstellungen, ist dem ganzen glaub ich keinesfalls beizukommen‘

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