Der Schlüssel Ambivalenz

Neuerlicher Kommentar bei „Stigma Videospiele“

Also um (einmal mehr) etwas klarzustellen: Gewalt ist für mich schon per Defintion negativ. Und zwar in dem Sinne, dass sie etwas wegnimmt, verletzt, unterdrückt, zerstört oder vernichtet. Das heisst nicht unbedingt in einem moralischen Sinn – in dem ist sie (Gewalt) eher ein Werturteil: Folter ist jedoch auch in diesem Sinne für mich immer negativ, weil ich keine Situation wüsste wo sie mir angebracht erscheinen würde und deshalb verurteile ich auch gewisse (historische) US-Praktiken Folter betreffend. Ich unterstelle vorderhand aber auch keinem fiktionalen Werk Folter gutheißen zu wollen. Bei Mord sieht es schon wieder etwas anders aus, weil die Geschichte zum Beispiel gezeigt hat, dass der Tyrannenmord mitunter nicht nur legitim wäre, sondern moralisch sogar erwünscht – ja ein regelrechtes „soll“. Dennoch ist auch jeder Tyrannenmord in der Hinsicht negativ, weil dabei zumindest der Tyrann weggenommen wird – das heißt auch das stellt einen formalen Verlust dar.

In den Hostel-Filmen zum Beispiel „geht es“ für mich nicht um Folter, sondern um mehr oder weniger naive junge Menschen aus Amerika welche in einem für sie fremden Land mit kulturellen Zuständen konfrontiert werden die ihren eigenen Lebensstil dazu verwenden sie jedoch auszubeuten. Das heisst, das vermeintlich rückständige und gefährliche in dem Land wird von ihrer eigenen Kultur aus gesponsert – im Sinne einer perversen Dienstleistung zwischen Generationen: die Elterngeneration kommt in das fremde Land um ihre eigenen Kinder zumindest sinnbildlich zu foltern und umzubringen. Die Filme haben so einen bestimmten negativen Zugang zum Kolonialismus und Imperialismus der einerseits auch einer deutschen Filmkritik zum Beispiel noch gefallen könnte, andererseits steht dem ein negativer Zugang zur Idee der Reise aus meiner Sicht wiederum völlig entgegen, sowie dass ein Bürgertum eben überhaupt so handelt, auch wenn es ein dekadent gedachtes aus Amerika ist. Und dann noch die explizite Gewaltdarstellung – all das macht die Filme zu den „Folterpornos“, dumm, einfältig, „geschmacklos“, „verrohend“ und was weiß ich noch alles.
Das perverse foltern und morden in den Filmen mag zwar eine sexuelle Komponente haben, aber zumal es sich auch um doch ziemlich prüde US-Filme handelt, überwiegt diese doch bei weitem nicht – weshalb ich als jemand der De Sade glaubt ziemlich gut zu kennen auch nicht unbedingt von Sadismus dabei sprechen möchte. Man kann sagen, dass es Sadismus gibt in den Filmen, aber ausführlich eher versteckt möchte ich meinen: bei De Sade geht es letzten Endes nämlich um ein ständiges sich entladen (wollen), das heisst um männliche Ejakulationen, Zwang und überspielte Verzweiflung (Eitelkeit), welche schlielßlich durch immer kompliziertere Konstruktionen aus Gewalt, Folter, Vergewaltigung, Macht-Beziehungen, Koprophilie etc. erreicht werden sollen. Arrangements welche in Extreme gesteigert schon perfiden Performances ähneln. Dabei können jedoch gedanklich auch Freiräume geschaffen werden – De Sades Werk näherte sich auch Extremem hin und ist es nicht immer gewesen – siehe etwa auch Susan Sontag’s „The Pornographic Imagination“ über De Sade und Bataille: wenn schon kein differenzierter Zugang, dann ist vielleicht Ambivalenz der Schlüssel dazu für einen selbst

Worum es grundsätzlich bei dem ganzen Themenkomplex doch geht ist die Bewertung unethischer Inhalte, beziehungsweise vermeintlich unethischer Inhalte, und wie diese dabei vor allem eben in einem moralischen Sinne zu sehen wären

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