Telepolis und „Verrohungen“: kritisch zum einst, nicht zum jetzt

Im am 1. Mai dieses Jahr bei Telepolis veröffentlichten Text von Hans Schmid zum alten Vorbehaltsschinken „Friesennot“ zitiert dieser Paragraf 7 der nationalsozialistischen Ausführungsbestimmungen zum Reichslichtspielgesetz: „Die Zulassung ist zu versagen, wenn die Prüfung ergibt, dass die Vorführung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden, das nationalsozialistische, religiöse, sittliche oder künstlerische Empfinden zu verletzen, verrohend oder entsittlichend zu wirken, das deutsche Ansehen oder die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden…“
Schmid kommentierte damals: ‚Ein Filmemacher, der sich dauernd fragen muss, ob er „das nationalsozialistische, religiöse, sittliche oder künstlerische Empfinden“ verletzt, arbeitet mit der Schere im Kopf. Das „Verrohende“ und „Entsittlichende“ taucht übrigens in den Indizierungsentscheidungen der von Adenauer eingeführten „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften [später: Medien]“ wieder auf. Wenn diese Behörde für unsensible Filmbetrachtung gelegentlich das beim Verbieten verwendete Vokabular überprüfen könnte, das wäre schon mal was.‘
Gestern darf der Psychologe Tobias Rothmund ohne Widerspruch schließlich Folgendes über die BPJM-Praxis heutzutage zum Besten geben ohne Widerspruch zu erhalten: ‚Bei „Verrohung“ sprechen wir von einer moralischen bzw. emotionalen Desensibilisierung. Wenn Sie eine Person sehen, der Leid zugefügt wird, löst das etwas bei Ihnen aus. Das passiert nicht bewusst, sondern automatisch: eine empathische Reaktion. Diese Reaktionen werden auch in Spielen ausgelöst, vor allem dann, wenn die grafische Darstellung Filmniveau erreicht und so gut gemacht ist, dass sie Ihren gesamten Wahrnehmungsapparat „austrickst“. Die automatischen Prozesse können dann sozusagen nicht mehr „unterscheiden“, ob die Szenen auf Ihrem Bildschirm ablaufen oder sich vor Ihren Augen abspielen.‘

Schlagwörter: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: