Ethik und Moral

Kommentar zur Replik von Pirate Gaming

Eine sehr erfreuliche Veröffentlichung. Vielen Dank für die Mühe das alles extra zu dekonstruieren.
Besonders gut gefallen hat mir naturgemäß die Introspektion in einen Titel wie „Modern Warfare“
Dabei hätte ich aber auch mein einziges größeres Problem mit der Replik: nämlich eine Unterscheidung zwischen Ethik und Moral
Ich denke da sollte man vorsichtig sein: unethische Inhalte haben, wie auch der Text zeigt, wohl Platz in Computer- und Videospielen. Und sollten meiner Ansicht nach auch einen anerkannten Stellenwert wie in anderen Ausdrucks- und Kulturformen haben, wobei in Videospielen traditionell vieles anders ist als im Roman oder einer Plastik
Das worum es bei diesen Leuten, also hier Weiß und Hopf, geht ist aber der Blick auf diese Inhalte (womöglich) und andere Inhalte: und dabei geht es mehr um Moral, weniger um Ethik.
Das Spielen wird als unmoralisch, regelrecht unanständig begriffen – auch wenn es um einfache Multiplayer-Deathmatches zum Beispiel geht
Krieg und Gewalt haben in ihrer traditionellen Form so, vor allem offenbar in der Unmittelbarkeit eines Shooters, keinen Platz laut diesen Leuten. Sie werden so beständig affirmativ interpretiert. Und zwar nicht in Hinblick auf eine Freude an Gewaltdarstellungen, sondern einer Faszination von Gewalt selbst, doch tatsächlich schon so etwas wie „Blutrünstigkeit“ welche da unterstellt wird. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass den Spielen mitunter vorgeworfen wird sie wären eine Gedankenlosigkeit und würden bloß „niedere“ Instinkte ansprechen. Dass sie unter Umstäden auch zum Nachdenken anregen können steht da völlig außer Frage. Diese Interpretationen gibt es aber auch nicht nur bei den Games, sondern auch im Genre-Filmbereich zum Beispiel, wenn Genre-Filme als Lügen gegenüber einem reduktionistischen Realismus dargestellt werden. Leider sehe ich da auch bei einer Medienpädagogik beispielsweise keinen prinzipiellen Widerspruch: gegen „Computerspielgewalt repressiv“ vorzugehen erscheint mir weitgehend anerkannt zu sein. Und darauf bauen ein Hopf und Weiß auch auf
Es gelte aus meiner Sicht deshalb vor allem diese Unmoral der Darstellung mitunter unethischer Inhalte zu hinterfragen, beziehungsweise von Krieg und Gewalt in den Spielen. Krieg und Gewalt müssen dabei ja auch nicht unbedingt unethisch sein – so ist ein Tyrannenmord dies historisch vielfach nicht gewesen und sogar auch der bloße Versuch noch anerkannt worden. So wäre auch ein gewisser Wert von (fiktionalen) Gewaltdarstellungen festzustellen sowie diese von (anderer) Gewalt noch weiter zu unterscheiden als es im ursprünglichen Brief bereits angeklungen ist.

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