Kommentar beim VDVC

Kommentar.

‚Ich halte das Spiel nach den Beschreibungen welche es darüber schon gibt für pietätlos und unglücklich.
Die Behauptung von dajan ist aber auch eine Unterstellung dem Genre gegenüber: was da wohl gemeint wird sehe ich zwar auch hier als Problem an, doch nicht in „Ego-Shootern“ allgemein, sondern vor allem in derem kompetitivem Teil.
Es mag für eine Mehrheit zwar unverständlich sein, aber in narrativen Kampagnen kann man Ego-Shooter durchaus auch so rezipieren, dass Mitgefühl durchaus vorhanden ist – Leid neben dem Ziel zu Überleben und durchaus auch dazu gezwungen mit Waffengewalt eine Situation zu überstehen, wahrgenommen wird: dieses Leid kann auch im Zentrum stehen.
Insofern sagt eine solche Äußerung wie die von dajan für mich mehr etwas über eine gewisse Ignoranz gegenüber den Erzeugnissen von Kreativen aus. Was mit diesen auch erlebt werden kann – was dabei auch gefühlt werden kann, als videospielender Mensch der auch eine gewisse Liebe der Ausdrucksform entgegen bringt.
Nein, es ist einfach eine ganz üble Unterstellung zu behaupten dies wäre nicht möglich – oder gar „Hersteller“ wollten das nicht – es kommt ganz darauf an wer etwas wie spielt: wenn ich ein „Call of Duty“ im Einzelspielermodus spiele möchte ich mich mit niemandem „messen“. Mit wem auch? Oder gar den Computer „besiegen“. Wozu das Ganze? Ich möchte mich in eine Extremsituation hineinversetzen und einem gewaltigen Schauspiel folgen das mir dargeboten wird, wobei ich durchaus auch auf Dinge, Zusammenhänge, aufmerksam gemacht werden möchte. Dabei etwas im positiven Sinne lernen – auch über mich selbst.

Obwohl ich der Position des VDVC grundsätzlich zustimme, dass so alle – ich eingeschlossen – auf Vorurteile basierend sich bloß zu dem Titel noch äußern können, kann ich auch nur davor warnen päjorativen Unterhaltungsbegriffen aufzusitzen: natürlich wollen Serious Games auch „unterhalten“. Das ist doch sogar vordringlich auch ihre Aufgabe, unterhaltsam auf etwas aufmerksam zu machen: ansonsten könnte man auch ein trockenes Traktat einem vorlegen – sei es über eine Institution mittels Werbung wie bei „America’s Army“, die Arbeit der NASA mit „Moonbase Alpha“, die Welthungerhilfe der Vereinten Nationen (World Food Organisation) „Food Force“ oder den Darfur-Konflikt mit „Darfur is Dying“.
Auch die Tagesschau will so neben über etwas zu informieren auch „unterhalten“. Und dabei kann man durchaus auch Spaß an einzelnen Schrecklichkeiten mitunter haben, unethischen Inhalten, ohne als unmoralischer Mensch deshalb gelten zu brauchen: ich halte im Gegenteil auch Empörungen in der Form welche über Werturteile hinausgehen für höchst unmoralisch, die Universitäten so vorschreiben wollen was sie zu untersützen hätten und was nicht, das ist auch undemokratisch für mich. Es herrscht ebenfalls Gewissensfreiheit und diese ist als Menschenrecht fest verankert. Unsere Rechtssysteme in der westlichen Welt zumindest basieren doch auch nicht darauf in die Köpfe von Menschen einzudringen: Reue für zum Beispiel Verbrechen kann zwar eine Milderung von Urteilen bewirken – das ist aber auch schon alles. So sind moralische Überlegenheitsdünkel, diese gewaltphoben und xenophoben Artikulationen gegen „Gewalt“ als konsensual und hoffentlich doch auch gewaltfrei geschaffenem Ausdruck der einem bloß nicht passt noch weit eher tatsächliche Gewalt, und zwar reale Gewalt. Noch sogar selbst mit Tendenz zum unethisch-Sein: und betrifft eben auch weitergehend menschliche Existenz.
Deutschland hätte aus meiner Sicht noch eine (historische) Verantwortung mehr konsensualen Ausdruck anderer Menschen zuzulassen und nicht ständig mit Überheblichkeit und einem negativen Menschenbild sich über andere Menschen zu stellen. Es ist in dem Fall doch regelrecht absurd anzunehmen, dass dieser Student oder dessen Universität da in böser/schlechter Absicht gehandelt hat – mit Malevolenz im Kopf ans Werk gegangen ist/sind.‘

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