Zensur als offenbares Soll

Bei IDG ereifert man sich der bevorstehenden, offensiven Thematisierung von Folter im nächsten „Call of Duty“-Titel ähnlich wie schon letztes Jahr bei „No Russian“ in „Modern Warfare 2“ – damals allerdings noch erst im Nachhinein.
Wo in anderen Staaten wie etwa Australien sich in der Vergangenheit über jedes RC furchtbar aufgeregt wurde, das heißt auch in der Presse, gehen deutsche SpielejournalistInnen so zunehmend den entgegengesetzten Weg: sie bitten den Staat fast regelrecht einzuschreiten, oder die HerstellerInnen zu Zensurmaßnahmen.
Der einhellige Tenor, das war auch schon bei „No Russian“ so: bloß den Massenmedien keine Gründe liefern um gegen Games zu hetzen
Heikle Themen bleiben so außen vor, weil auch in den Redaktionen anscheinend die Ideologie vorherrscht, dass ein unmittelbarer Zugang zu unethischen Inhalten quasi automatisch eine affirmative Interpretation (allein) bedeuten würde. Anderes wird so dem Vernehmen nach auch gar nicht zugelassen. Überhaupt kein Gedanke daran verschwendet, dass es Kreativen (womöglich auch noch) um etwas Anderes ginge als „niedere Instinkte“ anzusprechen, an den schnöden Mammon über einen gelegenen Skandal zu kommen – selbst wenn dieser die deutschen Grenzen auch kaum verlassen sollte.
Wie undemokratisch und moralisch verwerflich ich dieses negative Menschenbild, diese verabscheuungswürdigen Überlegenheitsdünkel finde, auch noch über solche Vorurteile vorgetragen, kann ich eigentlich gar nicht zum Ausdruck bringen. Applaus für Zensurmaßnahmen noch von Seiten der Spielepresse haben unbedarfte deutsche SpielerInnen wahrlich nicht verdient. Mein Mitgefühl gilt Ihnen

Selbst dann wenn sich für diese „Kritik“ (wieder) eine Mehrheit im Land dem Vernehmen nach auch unter dem Games-Pressepublikum finden sollte: Demokratie zeichnet sowieso für mich einzig und allein aus wie mit Minderheiten umgegangen wird. Und über diese wird so gnadenlos drübergefahren
Abscheulich. Und warum das Ganze? Weil man offenbar dieselben Ressentiments hegt wie die Massenmedien – geht es um bestimmte Erzeugnisse der Industrie: weil man auch dort bei „Spiel“ in erster Linie an „Spaß“ denkt, von der Idee einer Verteidigung von Kreativen meilenweit entfernt zu sein scheint

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Eine Antwort to “Zensur als offenbares Soll”

  1. purchaser Says:

    Anpassungen heißt das jetzt, was vorher noch Zensur war. Und unsere Gaming-Presse begrüßt das, mit dem Hinweis, Schaden von der Branche abwenden zu wollen. In der Tat, was brauchen wir noch Zensur, wenn wir selbst voher alles herausschneiden, was beanstandet werden könnte.
    Bald müssen wir keine CDs mehr aus der Schweiz kaufen, es genügt die Ankündigung, dass wieder eine angeboten wurde.

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