Zur Zeit im Westen

Kommentar im „Stigma Videospiele“-Forum

‚… Die Zeit in der wir im Westen leben ist ähnlich glaube ich wie jene am Ende des 19. Jahrhunderts, als die Moderne als Solches mit Marx, Darwin, Freud und Co. ihren Anfang nahm. Auch das war nicht unbedingt etwas das plötzlich durchdrang oder auf Wohlwollen stieß. Vor allem nicht in konservativ geprägtem Umfeld – ich denke da etwa an meine Universität hier in Österreich. Und Geschichtswissenschaft dort – bis sich allein die zum Beispiel gewerkschaftlichen Idealen geöffnet hat, hat eine halbe Ewigkeit gedauert, da ist selbst heute noch eine organisatorische, wenn schon nicht logistische, Segregation feststellbar.

Was diese Zeit bedeutet, möchte, will, ist naturgemäß aber auch noch nicht abschätzbar denke ich.
Vielleicht auch ein viel größerer Umbruch grundsätzlich weg vom manifesten Menschen dessen Leben in geordneten Bahnen verläuft. Auch wirtschaftlich über eine unsichere Dienstleistungsgesellschaft, usw. Veränderte Arbeitsbedingungen. Über eine Multitude, mehr Vielfalt, Spezialisierungen die zumindest eindeutig weg von Normen gehen wie sie so gern Tageszeitungen und Rundfunk (immer noch) transportieren (möchten). Wo gemeinsame Interessen auch artikuliert werden können – man fürchtet sich so vor dem anderen Sein, das auch andere Interessen hat als man selbst. Moderne war geprägt von gemeinsamen Interessen, Gemeinschaft so, das ist heute eben anders – und davor wird sich auch gefürchtet. Vor der Vielfalt der einheimischen NachbarInnen sozusagen, diesem Fremdem, nicht dem klassisch Fremdem über Migration zum Beispiel. Das ist eher mit ein Gegenlauf. Man betont deshalb auch so gern Gemeinsames über Trennendes – das was zuwiderläuft ist bald mal nichtig, gar „nichts“. Auf Wertediskussionen wird sich dabei aber auch gar nicht eingelassen – werden sich diese noch verbeten. Reflexartig. Das wird auch (noch) aggressiver werden fürchte ich. Auch die Anfeindungen wie sie letztlich ebenfalls Grundlage dieser Seite hier sind, dieses „Stigmas“, etc.
Man wehrt sich dabei gegen Verschiedenes denke ich: das was als „gesund“, „sozial kompetent“ und geschmackvoll gilt wird gegen ein krankes Andere verteidigt vor dem man sich zutiefst fürchtet.
Deshalb wird von der Tradition auch Gesundheit und Sicherheit gegenwärtig so hoch gehalten. Zu letzterer Sicherheit gehört auch ein poltisches Wiedererstarken irrationaler Heilslehren – von der evangelikalen Bewegung bis zum Islamismus. Von Scientology bis zum Ökofaschismus, der radikalen Tierrechtsbewegung etc. Dem Rechtspopulismus gegen herkömmliche Migration der auch ein Gemeinschaftsgefühl wecken und stärken soll. Wie auch immer – ob über Verschwörungstheorien oder herkömmlich (andere) Ressentiments. Politische Extremismen sind auch vielfältig geworden. Die „Freundschaften“ auf Facebook seien ja auch nichts wert – nicht einmal als Symbole. Weil sie beliebig sind – und wie ich glaube zum Beispiel auch die Illusion eines Realismus offenbaren. Ich bin ja überzeugt davon, dass die eigentliche Flucht von Menschen aus unerwünschter Welt, der eigentliche Eskapismus sozusagen, der ist in eine sozialkompetente „Realität“. Dort fühlt man sich wohl weil man auch nicht an das eigene Ableben, Einsamkeit in einem Selbst, erinnert wird. Als Staub oder in einem Sarg hat man schließlich nichts von diesen Vorstellungen von „Leben“. Von „jungfräulich in die Ehe“ bis zum suizidalen Terrorismus. Fast schon in bedrohlichem Ausmaß – siehe Vorratsdatenspeicherung. Aus verschiedenen Gründen das (auch) – man klammert sich an seine jeweiligen „Kumpels“, Verhaltenswesen, gesetzen Normalitäten auch um nicht an die eigene Sterblichkeit denken zu brauchen. Um sich nicht zuviel mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Manche können das auch gar nicht – sich mit sich selbst beschäftigen – meiner Erfahrung nach. Die wissen mit sich selbst mehr oder weniger gar nichts anzufangen, sind auf Andere in ihrem Denken sozusagen angewiesen – als Stützen und Hilfen um durchs Leben überhaupt zu kommen. Das geistig
Wieder andere, oder auch dieselben, brauchen es hingegen physisch, Nähe, aber das ist eine andere Geschichte: man wird sehen was noch kommen wird, aber die Transformation von Gesellschaft so wird sich zu unseren Lebzeiten wahrscheinlich auch gar nicht mehr verwirklichen lassen. Eher das 22. Jahrhundert betreffen, wenn vorher die Sonne tatsächlich nicht vom Himmel fällt😉
Der Computer ist da übrigens glaub ich bloß eine Chiffre, bestenfalls ein Werkzeug so wie die Buchdruckmaschine auch viel bewirkt hat. Und letztendlich wird auch so aus Büchern gelesen, bloß dass diese wie hier in einem Textfenster sind und nicht geklebt gebunden‘

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