Empörung über (vermeintlich) Rechte, Islamfeindlichkeit und unethische Inhalte in GTA

Kommentar aus dem „Stigma Videospiele“-Forum

Gestern war im ORF wieder „Club 2“ und es war kaum auszuhalten: vorher schon eine Dokumentation über Neue Rechte in Europa.
Eingangs wurde da ein italienisches Paar gezeigt, dass sich in alten Armeewagen trauen ließ. Es wurde zwar betont, dass diese „keine Nazis“ seien – dennoch war davon als Verharmlosung von Nationalsozialismus und Faschismus die Rede – als Aufhänger für die ganze Sendung – was bei mir schon Kopfschütteln verursachte. Dann haben sie vor einer italienischen Schule FaschistInnen gezeigt die geworben hatten – ohne zwischen dem italienischen Faschismus und anderen Faschismen auch nur im geringsten zu unterscheiden. Die anderen SchülerInnen fanden naturgemäß auch nichts dabei. Umso empörter war dieser Journalismus – und damit haben sie dann einen Brückenschlag zur NPD gemacht und doch tatsächlich den Pastörs davon interviewt, als ob man den ausgewiesenen Neonazi der auch gegen Behinderte hetzt ebenfalls nicht unterscheiden müsste zwischen anderen Gruppierungen, nachdem sie noch auf die antiislamische Bewegung in Köln eingingen und schließlich auf die militanten und stimmenmäßig starken Gruppen in Osteuropa, sowie die Schwedendemokraten.

Ich finde das ist alles viel zu vielfältig mittlerweile geworden, als dass man da überhaupt etwas leicht über einen Kamm mehr scheren könnte.
In der Gesprächsrunde namens „Club 2“ schließlich sah man dann auch den antiislamischen Durchbruch in eine Mitte herein finde ich: ich war ganz erstaunt über die Zusammensetzung welche der Rundfunk da nach dem Beitrag aufgestellt hat. Da war zum einen ein Schweizer Journalist von einer Blocher-nahen Zeitung die sicher auch schon öfters gegen „Killerspiele“ gehetzt hat, ein altbekannt-lustiger Rechtsaußen-Historiker der über den Deutschnationalismus im Land habilitierte und in einer Vorlesung mal die sozialdemokratische Hilfsorganisation „Kinderfreunde“ mit der SS verglichen haben soll, sowie eine konservative „Feministin und Mutter“ oder so, welche anscheinend keinerlei Toleranz anderen Gesellschaftssystemen entgegen bringen möchte, keine Muezzine im Land hören will, dem Minarett-Verbot applaudiert und (auch sonst) anscheinend zwischen Eva Hermann und Alice Schwarzer mit ihren Ressentiments wandelt. Ganz widerlich bürgerlich.
Auf der anderen, linken, Seite nur zwei – ein alternder Journalist der an einer Stelle gefragt hat was SS-Runen in einem Comic über Wien „verloren“ hätten – wohl um die Geschichte der Stadt, Heldenplatz und so, völlig vergessen, sowie noch ein Wiener Kommunalpolitiker der ständig und unerträglich diese substanzlosen Phrasen vom „Neoliberalismus“ ausstieß
Anlaß der Veranstaltung war eben die jüngsten Erfolge der Rechtsausleger bei den Wahlen in Wien.
In der Mitte noch ein tatsächlich eher neutral wirkender Politologe sowie der Moderator

Kein einziger betroffener Mensch. Nicht einE Quoten-MuslimIn.
Konnte es kaum glauben
Soweit ist es schon gekommen – und der Tenor auch in Richtung einer Politik links der Mitte islamfeindlich durch und durch meine ich.
Erschreckend und absolut beunruhigend für mich.
Wobei ich bislang immer dachte, dass in Österreich im Vergleich zu Deutschland die Muslime zumindest organisatorisch über die IGGiÖ [url=http://www.derislam.at/]http://www.derislam.at/[/url] relativ gut aufgestellt seien. Denkste! Die rechte Hetze zeigt offenbar auch so Wirkung. Und bei der lächerlichen Linken mit ihren eigenen Feindbildern aus der Wirtschaft, sehe ich für die Zukunft sowieso schwarz – tatsächlich bürgerliche Schwärze

Dass WählerInnen populistischer Rechtsparteien sowie solche die tendenziell auch rechtsextrem eingestellt sind vielfach ModernisierungsverlierInnen sind ist wohl tatsächlich auch kein Geheimnis.

Man sorgt sich auch nicht um diese Menschen
Lässt sie in ihrem Ressentiment allein

Bei den unethischen, ungesunden Inhalten in einem GTA möchte ich hingegen widersprechen: dabei denke ich sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass Phrasen wie „Verbrechen zahlt sich nicht aus“, „Drogen sind schlecht“ etc. gelten in diesen Spielekosmen einfach nicht. Und zwar ganz bewusst: Staatsgewalt SOLL in GTA nicht wirklich effektiv sein, die gesundheitlichen Schäden durch Drogen bis zum Verlust des eigenen Lebens werden darin eben so auch nicht thematisiert.
Sowie das hat doch alles ganz bestimmte Gründe: zum einen bei der Staatsgewalt jenen, dass die Polizei und die restlichen Ordnungsorgane selbst korrupet, das heißt auch verbrecherisch sind. Nach einem Amoklauf in welchem Ausmaß auch immer, zahlt man nach Festnahme höchstens ein Bußgeld. Es gibt keine Gerichtsbarkeit im Alltag von GTA, narrativ vielleicht schon, aber nicht funktional. Ist nicht vorgesehen. Ebenso wenig vorgesehen ist es Auswirkungen von ungesundem Leben zu portraitieren.

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