Antimilitarismus und Befreiung

Kommentar im „Stigma Videospiele“-Forum

Eine andere Seite würde bei der Durchsicht der hiesigen Kommentare naturgemäß wieder behaupten, dass man es hier bloß nicht wahr haben möchte wie schädlich Medien doch sind und welchen Schaden sie für Gesellschaft anrichten.
Ich denke der erste Weg zur Einsicht wäre es, dass man sich dessen Gewahr wird, dass jegliche Vorstellung von Rundfunk zum Beispiel sich bereits auch über andere Menschen so stellt. Nicht einmal annähernd ähnlich wie ein School Shooter, aber prinzipiell schon auch. Indem man mitunter das was anderen Menschen gefällt so angreift, darunter legitimermaßen noch „Kritik“ versteht

Man stelle sich nämlich vor es hätte diese Gewaltverbrechen auf welche sich da andauernd bezogen wird gar nicht gegeben

Weil auf den Index seit 1954, das einmalige Gewaltdarstellungsverbot schon, beziehen sie sich ja nicht. Kein Gedanke daran, dass die Gewalt eines Staates, von Gesellschaft, diesbezüglich möglicherweise im Gegenteil diese Verbrechen erst begünstigt hat, welche in anderen Staaten die diese Einrichtungen/Gesetze nicht kennen nicht begangen wurden – in dem Ausmaß zumindest nicht, weil es ein sublimes Bedürfnis nach überbordenden Norm(denk)en und kollektiver Gesundheit in Deutschland weiterhin gibt. Wozu auch die Schützenvereine absolut zählen aus meiner Sicht. Ein Bedürfnis das Anderes immer noch ausschließt: Homosexualität mag etwa zwar „normal“ geworden sein – Videospiele so zu spielen, Horrorfilme zu sehen, hingegen offensichtlich noch immer nicht.
Stattdessen wird wenn schon keine Verbote direkt gefordert werden immerhin darüber schlecht geredet.

Und zu dieser gewaltphoben, oder weniger pathologisch selbst gesprochen gewaltnegativen, Einstellung: die wird für gewöhnlich ja mit der Geschichte begründet. Doch eine Machtergreifung welche da angeblich von Neuem verhindert werden möchte im Sinne eines Antifaschismus war ja gar nicht so gewaltsam in dem Sinne was dabei für gewöhnlich eben unter „Gewalt“ verstanden wird. Sondern das war von der Weimarer Republik heraus zunächst eine Kanzlerschaft wie jede Andere. Ein neuer Kanzler war da – einmal aus völliger Naivität heraus gesprochen – vorerst einfach da.
Als die Gewaltherrschaft bis hin zum Zivilisationsbruch dann kam ging diese mit Pazifismus auch nicht mehr weg: das ist ja keine Situation gewesen wie mit Gandhi in Indien – historisch gesprochen. Sondern mit Gewalt in dem Sinne wie sie heute in keinen Spielen oder Filmen gesehen werden möchte.
Die Gewalt in dem Sinne brachte erst die Befreiung von Tyrannei und Barbarei – im Grunde genommen müsste man der Gewalt so (der Allierten) dabei ja auch dankbar sein, und sich freuen wenn junge Männer in Andenken an diese Befreiung(en) etwa Shooter spielen. Nein. Man tradiert lieber Antiamerikanismen, etc.
Stellt bei militärischen Titeln über Antimilitarismus noch Bezugnahmen zum Rechtsextremismus her – Stichwort „Nazis und Familienväter“ oder so.

Deshalb werfe ich aus tiefster Überzeugung einem Antimilitarismus der sich so begründet auch vor, dass dieser ein Stück weit sich mit dem Nationalsozialismus so quasi schon identifizieren muss: und man hört es gelegentlich ja auch heraus bei Spielen über den Zweiten Weltkrieg. Wenn es etwa heisst: „was tust Du da – stell Dir vor das wäre Dein eigener (Ur-)Großvater gewesen auf den Du schießt“.

Man hat leider doch viel vergessen in Deutschland scheint mir.
Man tut immer so, blickt mitunter auch auf Österreichs Rechtspopulismus und vermeintliche Seltsamkeit herab, und zwar das auch mit einer gewissen Vorstellung von Überlegenheit wie sie eben auch in solchen Sendungen anscheinend auftritt. Da die österreichische und deutsche Medienlandschaft vielfältig verwoben ist hört man das auch hier in den eigenen österreichischen Medien oft. Deutschland wird hier häufig als Vorbild hergenommen – zum Teil, gerade von einer Linken oft, als gepriesenes Land gefeiert – wo sich Geschichte (auch) wiederholen mag, weil schon im 19. Jahrhundert war das hier mal so.

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