Friedensbewegter, realistischer Hass – hiesiger Kommentar zu neueren Veröffentlichungen bei der Süddeutschen Zeitung (SZ)

In einer Quasi-Artikelserie zu „Krieg in Computerspielen“ werden neuerdings altbekannte Ressentiments gegen Darstellungen von Kriegen in Games bei der SZ nach Jahren wieder verstärkt bedient meinem Eindruck nach, oder besser gesagt aufgewärmt.
So wie unlängst hier ein wahres, offenbar friedensbewegt erscheinen sollendes Trommelfeuer über einen kreative Fremde verachtenden Realismus. Chauvinismus. Wo die eigenen (moralischen oder sonstigen) Überlegenheitsdünkel an unhinterfragter Schärfe wie selbstverständlich kaum mehr dazu gewinnen könnten – ungeheuerlich und abscheulich verharmlost als vermeintlich wohl legitime „Kritik“ gegen die Lebensvorstellungen Anderer, den Entwürfen anderer Menschen zu Leben. Dessen wahrscheinlich nicht einmal bewusst. So selbstverständlich wird dort mit negativen Gefühlen umgegangen. Von Menschenleben welche es, ginge es nach der eingebildeten Brutalität einer Süddeutschen Zeitung, zweifellos (wieder) nur mehr gelte zu beseitigen. Für die Gewalt einer Mehrheitsgesellschaft. Die welche ja immer wisse wie gelebt werden solle. Wo sich illusorisch behauptet wird anscheinend gegen „niedere Instinkte“ einer malevolent ersonnenen „Spaßgesellschaft“ sich zu erwehren, welcher so immer wieder in ausgesprochener aber eigentlich unaussprechlicher Perfidie unterstellt wird Freude an den schrecklichen Kriegen und militärischen Konflikten dieser Welt zu haben. Völlig infam. Wo die ochlokratische Gefahr und Gefährdung Andersdenkender jedoch in den normierten Redaktionen und Büros der „Meinungsmacher“, „Chefs“ von „Meinung“ beim Tagesspiegel oder sonstwo, sitzt. In einem Land in dem Sektkorken knallen wenn deutsche SoldatInnen am Hindukusch ihr Leben lassen. Und diese antidemokratischen Ansinnen schimpfen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit dann noch mit einer Bewegegung für angeblichen „Frieden“, Gewaltlosigkeit, solchen Verzicht, und anderen Verlogenheiten. Das, dieser Rassismus gegen den Geschmack und das Empfinden Andersdenkender, ambivalenterer und (leider auch!) selbstkritischerer Menschen, welche sich eben nicht für etwas besseres halten, ein Ausdruck ungemein brutalisierter Gewalt selbst sein könnte – diese Gewalt gegen Gewaltdarstellungen – über eine Gewalt im Staat welche so über das Leben Anderer zu bestimmen sucht – über einen Journalismus – kein Gedanke. Nicht ein Geringster.
Perfideste Unterstellungen über die Intentionen und Absichten kreativer Fremder. Mehr nicht an Substanz.

Als Tatsachen behauptete Sätze welche ich keineswegs mir mehr anders denken kann denn als übelste Verleumdungen der Interessen Anderer, auch von Menschen wie mir. Ja warum um alles in der Welt tut in diesem Land, Deutschland, niemand von den direkt Angegriffenen etwas gegen diese völlig verantwortungslose, journalistische Brutalität etwas rechtlich unternehmen? Das wenigstens einmal versuchen. Nicht nur Electronic Arts, dem Pressesprecher in Deutschland Martin Lorber sei hier stellvertretend und persönlich dazu ausdrücklich Dank ausgesprochen, ausnahmsweise mal etwas gegen die USK von Industrieseite – wo sie die Spielepresse dem Vernehmen nach noch sofort gegen sich hatten. Welch absurde Welt. Reale Gewalt gegen Games als „Kritik“. Das Einzige woran Deutschland reich an Vielfalt mir so erscheint ist bei den diversesten Verboten im Land. Wie soll man es auch als Europäer aushalten, dass so etwas in einem Mitgliedsstaat der Union geschieht? Was ist das für eine Pressefreiheit welche so auf andere Medien einschlägt? Schamlos. Offenbar ohne jegliches Gefühl für Sitte und Anstand eine Moralkeule schwingend. Ohne jegliches Gefühl für Menschlichkeit aus meiner Sicht. Was gibt es da für Gesetze – etwa gegen Volksverhetzung – und welche nicht? Wer ist dort alles schutzlos ausgeliefert? An welchen Bevölkerungsgruppen darf sich so freizügig bis zügellos ausgetobt werden? Weil es niemand Anderem kümmert – das sonst niemand mitbekommt? Da keine internationale Gemeinschaft etwas tut/n möchte?
Und dann vielleicht, in diesem zutiefst würdelosen Vorgehen, noch von „Würde“ daherreden wollen. Absurderweise noch eine „kritische Linke“ als gemeinsame Opposition gegen die Kultur von Menschen wie mir imaginierend – seit wann steht eine „kritische Linke“ für dermaßen verabscheuungswürdiges Übermenschentum? Bashing auf einen Kommerz, einen eingebildeten Kapitalismus – was immer dieser auch sein soll. Ja sicher, denn das Kapital von Leuten wie Michael Moorstedt ist ganz offensichtlich ihr widerwärtiger Hass auf andersdenkende Menschen wie mir. Kulturelle Sauberkeitsvorstellungen welche ich neben dem Tatbestand der Beleidigung gegen einfache, andersdenkende, RezipientInnen wie mich aus kulturhistorischer Sicht nur mehr zumindest normativ auch für anderen strafrechtlichen Schutz einfordern kann. Doch was will man auch schon einer Gesellschaft erwarten, in welcher sich der Rechtspopulismus mit einem falsch verstandenen Feminismus noch verbindet und muslimischen Frauen etwa vorschreiben möchte wie sie sich (nicht) zu kleiden hätten. Welche Kleidung sie in Öffentlichkeit tragen dürften. Soweit ist es doch schon gekommen – bereits wieder.
Eine Geschichtslosigkeit die sich in ihrer eingebildeten Überlegenheit über demokratiepolitisch höchst gefährliche Vorstellungen von Gesundheit und Sicherheit bewegt. Doch Theo Lingen badete eben nicht regelmässig im Blut in früheren Unterhaltungsmedien. Das kann kein päjorativer Unterhaltungsbegriff je auch nur einigermaßen begründet behaupten, wenn kulturpessimistisch gegen die Freude an Gewaltdarstellungen heute vorgegangen werden soll. Von einer normiert gedachten „Jugend“ tatsächlich ganz auch zu schweigen.

Absolut verantwortungslos.

Ich lag die letzten Tage mal wieder weggetreten in einem Krankenhaus. Und auch wenn ich dort den österreichischen Standard aufschlage: nichts als Benimmregeln. Vorstellungen von Normen. Es wird detailliert aufgeführt was sich gehöre und was nicht. Wie gelebt werden solle. Über Leben bestimmt. Fast meint man wird demnächst bald mal wieder etwas gegen die „Kuppelei“ unternommen werden und nach den kulturellen Umbrüchen der 1960er Jahren jeglicher Fortschritt wieder zurück genommen – aus den letzten vierzig Jahren. Back to the Guten Alten Zeiten, The Fifties. Oder gar noch in die schwarzbraun-graue Zeit davor. Über Jugendschutz oder Sonstiges – Schutzalter helfen nicht, scheinen auch keine Rolle zu spielen, weil, und das wird auch bei der SZ von einem gewissen Michael Moorstedt deutlich, das Unerwünschte scheint sowieso bloß Minderjährige zu interessieren. Ob berechtigt oder nicht – ganz gleich: Herrn Moorstedt gefällt offenbar naturgemäß etwas ganz Anderes.

Dann gibt es gegen konsensualen, spaßigen sexuellen Ausdruck zwar noch eine Rede als „Männerproblem“ im ZDF-Nachtstudio, aber das wars auch schon.
Für mich ist diese verheerende Intoleranz, weiterhin vor allem aus Deutschland, ein Menschheitsproblem. Zumindest der westlichen Welt. Es ist auch die Aufgabe der westlichen Welt – zugunsten wessen? Nein, nicht zugunsten irgendwelcher anderer imaginierter Bedrohungsgruppen neben Erotikas rezipierenden Gamern wie mir, wie zum Beispiel MuslimInnen, sondern einer ästhetischen Diktatur gerade gegen Pluralismen, vielfältige Lebenswirklichkeiten. Leider und gerade eben aber auch noch von einer politischen Linken vorgetragen. Jedenfalls damit in Zusammenhang gebracht: wenn die Tyrannei des Guten um sich schlägt gibt es keinen Platz für Anderes mehr. Und da lobe ich mir schon fast alle anderen Vielfalten auch, diverseste Diversitäten: diese stellen für mich längst nicht mehr eine solche Gefahr dar wie sie die Linke gerne fantasiert. Wenn zumindest in Deutschland Antidemokratie gerade aus einer eingebildeten „Weltoffenheit“ zu kommen meint, eine absurde „Weltoffenheit“ die auf Andersdenkende in brutalster Weise geistig einschlägt und kaum bis nichts Anderes massenkommunikativ (mehr) zugelassen wird, ob in den großen Zeitungen oder dem Fernsehen – wenn schon nicht bewusst (weitergehende) Verbote und Untersagungen gefordert werden.

Der Grundtenor: mangelhafte „Authentitzität“, wohl ein immer wieder nachhallendes Grußwort Theodor Wiesengrund Adornos in diesen für Leute wie mich schlicht menschenverachtenden Anliegen, beklagt, eine wie auch immer sich vorgestellte (offenbar richtigere) „Wirklichkeit“, eine „Realität“ eben, gegen das „eskapistische Medium“ gestellt. Eine einzige, sprachlos machende, Infamie. Weiterhin

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