Geprägt durch ein tiefes Kultur-Unverständnis

Eine Replique zur Ablehnung des vorletzten CoD-Black-Ops-Werbespots bei der ZEIT ist für mich kaum einsichtiger oder verständnisvoller ausgefallen. Sie zeugt eher noch mehr von einer Nicht-Auseinandersetzungsbereitschaft mit gewissen Vorgängen über bloße Ressentiments gegenüber dem was anderen Menschen so gefällt. Diesmal sei es eher der virtuelle Raum welcher „kritisch“ beäugt wird – als Spielfeld – worauf sich mein unten wiedergegebener Kommentar diesmal dort auch ausdrücklich beziehen soll.
Angesport von dem Ganzen habe ich mir Black Ops heute sogar gekauft. Ich bin der Meinung, dass dagegen Widerstand einfach geleistet werden muss. Gegen solche Berichterstattung – nicht gegen eine angebliche Grenze zum Faschismus welche mit Videospielen so be- oder gar überschritten wird – wie es kulturell fremdenfeindliche AgitatorInnen gegen Videospiele in Deutschland behaupten. Wie kann das was anderen Menschen gefällt und konsensual entstanden ist als ambivalente Fiktion auch faschistoiden Charakter haben? Völlig absurd.
Und allein welch kreatives Konglomerat einem da in den Credits entgegen schlägt machen die Anschuldigungen und Vorwürfe zunehmend sogar noch fragwürdiger respektive haltloser und weiterhin undemokratischer. Wo dasselbe kreative Talent in anderen Bereichen keineswegs abgelehnt wird. Ja tatsächlich: Call of Duty biedert sich schon ganz schön an den Mainstream anderer Medien an. Fast schon so wie GTA. Ein Karl Lagerfeld hat es zwar noch nicht reingeschafft, aber musikalisch die Stones, im Hintergrund von Eminem immerhin auch P!nk und Sam „Avatar“ Worthington spricht schließlich die Haupt- und, eine Call-of-Duty-Premiere, die SpielerInnenrolle. Überhaupt ist der Ego-Shooter bis in die kleinsten Nebenrollen penibel besetzt worden. Der historische Politiker Robert McNamara wird etwa vom Star-Trek-Voyager-Doktor Robert Picardo eingesprochen. Ideal. In Hollywood müsste man so fast schon sagen „videospielreif“.

Also wie geht das? Wer kann da was? Von RTL bis ins Bayerische Staatsministerium fürs Innere. Welche Medizin ist das? Ist Antiamerikanismus in Deutschland bereits so hoffähig geworden, dass da einfach blind darüber gefahren wird?

Hilft alles nichts. Die Ressentiments gegen Militärthemen scheinen unerschütterlich zu sein. Und so wird wie dereinst gegen „Killzone 2“ weiterhin eine fahrlässig gefährliche Hatz wie dass dieses niederländische Architektur-Spiel die Weltkriege „romantisieren“ würde und sich von den angeblich ach so aufgeschlossenen Stöckers dieses Nachbarlandes von hier breit über (angebliche) Schandtaten ausgelassen werden, die Steilvorlagen für jene geliefert welche einen PC oder Konsole für so ein „Killerspiel“ gar nicht erst einschalten würden.
Und sei es auch nur für das Umfeld des großen alten Mannes auf Kuba, das sich wegen solcher Elaborate doch nicht so aufregen soll, denn das nütze doch bloß „dem Hersteller“ – wie es mittlerweile meistens heißt, da braucht gar nicht mehr hinzugefügt werden was von diesen malevolenten Typen, welche angeblich bloß den Blutdurst eines abscheulichen Publikums stillen würden, so gehalten wird. Da kann man sich auch so dazudenken, dass bei derlei immer wiederkehrenden journalistischen Arrangements von Leuten wie Christian Stöcker für welche diese und Menschen wie mich eingeschlossen alles Mögliche zu sein scheinen, bloß keine akzeptablen, respektablen oder gar ehrbaren Zeitgenossen. Kulturschaffende. Scham- sowie verantworungslos. Und immer wieder auch noch Schlimmeres

Nein – wir sind das nicht. Wir schaffen auch nicht deren normierte „Kultur“. Möchte ich auch nicht. Um nichts im Leben oder auf der Welt.

Kommentar bei der ZEIT: ‚Der Artikel macht den ursprünglichen Text nur noch schlimmer: wenn so eine einzig veröffentlichte Entgegnung aussehen soll, dann ist das noch beängstigender. Dieser ganze Rückgriff auf Morus ist an Übelkeit kaum zu überbieten: als ob der Spot auch nur irgendetwas idealisiert hätte. Da wird einfach nur völlig verständnisbefreit über einen eingebildeten Realismus zu Werke gegangen: und die Schreibtat könnte im Ergebnis dabei auch brutaler kaum ausfallen.
Wie stellen sich diese Leute die Auseinandersetzung mit einem Phänomen wie Krieg eigentlich vor: nur mit Zurückhaltung? In jeglich erdenklicher Überlegenheit? So als ob man mit solchen Interessen gar nichts zu tun hätte. Welche Mechanismen greifen denn allein schon im deutschen Innenministerium, wenn wieder mal eine Terrorwarnung, so wie unlängst erst der Fall, ausgestoßen wird? Welche Ideen von Staat in einem solchen Alltag? Und dann soll mit dem Allem nichts zu tun gehabt werden. Sich beständig in Zurückhaltung geübt – nobel, schöngeistig. Kein Platz für Ironie, Ambivalenz ODER Vielfalt. Und das nennt sich noch “demokratisch”…‘

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