Zur Veröffentlichung von Harry Potter 7.1 im Kino: Kommentar im Stigma-Videospiele-Forum

Kommentar zu einem Text von Rüdiger Suchsland.

‚…

Ich finde die Prosa der Rowling eher bescheiden, freundlich ausgedrückt, und habe die Filme eigentlich auch wegen der Vielfalt zu schätzen gelernt.
Tolkien hat sich Analogien ja bekanntlich verbeten und er hasste wohl auch deswegen das „Narnia“ seines Freundes Lewis, die Analogien machen auf „Mittelerde“ auch wirklich nicht viel Sinn imo, und natürlich versucht man es im deutschsprachigen Raum immer wieder – weil man gerade dort glaub ich vielfach nicht anders zu denken in der Lage ist als in Analogien mit Bezug auf Lebenswirklichkeiten. Etwas Anderes auch gar nicht wahr haben möchte meiner Ansicht nach. Das (Schweizer-)Deutsche und Österreichische haben ja so gut wie keine fantastische Literatur von internationalem Rang hervorgebracht. Laßwitz ist ja eher eine Erfindung, Ende und Funke eher pädagogisch, E.T.A. Hoffmann und Hermann Hesse passen auch nicht wirklich in die Fantastik nach Poe imo
Keine andere Welt, keine Fiktion soweit

Ich glaube auch weil Alles was eine Alternative zu dieser Welt darstellt auch als nicht-sein-dürfend gedacht wird von einer etablierten Kritik
Das betrifft auch nachweislich nicht nur Deutschland: so schrieb Michel Houllebecq Anfang der 1990er Jahre in „Gegen die Welt, gegen das Leben“ (Köln 2002 79) am Anfang des Kapitels „Holocaust“: „Wenn sich die morbiden Nebelschwaden der kraftlosen Avantgarden erst einmal verzogen haben, wird das 20. Jahrhundert vielleicht als das Goldene Zeitalter der epischen und phantastischen Literatur erscheinen. Es hat bereits das Auftauchen von Howard, Lovecraft und Tolkien erlaubt. Drei völlig verschiedene Welten. Drei Säulen einer [i]Traumliteratur[/i], die von der Kritik im gleichen Maße verachtet werden, wie sie vom Publikum geschätzt werden.“

Und gerade ein Tolkien ist da negativ, fast schon beliebig gegriffen wird man da kaum etwas Anderes als Vorwürfe von Faschismus, Rassismus und angeblich kleinbürgerlicher Rückwärtsgewandtheit finden. So wie hier etwa von Jan Distelmeyer: http://www.filmzentrale.com/rezis/herrderringe1jd.htm

Harry Potter ist jedoch wohl ein anderer Fall: es ist schließlich auch keine High Fantasy.
Und zurück zu dieser Potter-Rezeption: dass Voldemort nur etwas überspitzt formuliert eigentlich Hitler sein soll wird dabei doch schon seit Jahren gepredigt. Ich glaub ich hab das zum ersten Mal schon vor rund zehn Jahren gehört, als das erste Buch gerade mal auf Deutsch erschienen ist. Spätestens aber als die Bücher hier zur Hälfte durch waren im Verkauf…
Diese Analysen wie da offenbar von Suchsland halten aber auch wirklich keiner Rowling-Analyse stand soweit ich das beurteilen kann. Bin aber auch eben alles Andere als ein Potter-Experte, kenn mich von den ganzen Coming-of-Age-Geschichten wohl am Besten mit Whedons Buffy aus.
Soweit ich weiß hat sich Rowling jedoch eben niemals gegen Lewis gewandt – ausgesprochen negativ über Lewis geäußert – was ja eine Grundbedingung in diesem, ich nenne es mal „deutschem Denken“ ist, selbst dann, wenn Lewis Werke gar nicht gekannt werden von den jeweiligen „KritikerInnen“. Und Narnia ist im deutschsprachigen Raum ja wirklich nicht so bekannt.
Doch was ist Narnia eigentlich: Narnia ist schon eine überaus antimodernistische, katholische Angelegenheit. Und Pullman hat tatsächlich ein modernes Gegen-Narnia im Sinne dieser „KritikerInnen“ geschaffen. Das wars aber auch schon. Pullman ist vielleicht auch eher linker Ideologe als irgendetwas Anderes, wie zum Beispiel ein waschechter Fantasy-Schriftsteller.

Aus dem Goldenen Kompass wurde in Hollywood übrigens (auch) ein sehr schöner Film meiner Ansicht nach – gerade weil die ganzen Ressentiments gegen den Katholizismus zum Missfallen der Pullman-FreundInnen weitgehend weggefallen sind

Doch Rowling halte ich für weitgehend wirklich eher unpolitisch. Mich amüsiert das sogar: bloß weil ein schwuler Zauberer integriert wurde soll das Ganze gleich ein politisches Statement etwa sein. Absolut lächerlich in meinen Augen. Ich glaub da wurde sich überhaupt nichts dabei gedacht, sondern das ist eben der Zeitgeist, und die denkt auch gar nicht soweit…

Ich meine: Rowling orientiert sich doch deutlich an Lewis und wenn diese Kritiker es unbedingt so eng sehen wollen dann sollen sie halt…‘

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