Wenn Frido Hütter die Welt erklärt braucht es keine Semiotik mehr…

Für gewöhnlich halte ich mich von der „Kleinen Zeitung“ mittlerweile ja ferner als der Teufel vom Weihwasser, doch als heute ein Mangel an Lesefähigkeiten vor allem junger Menschen beklagt wurde ging ich in weiser Voraussicht auf Material für hier doch mal wieder zum Leitartikel („Von der Fähigkeit, die jedes Reh beherrscht“ 25.11.2010 8 ) des „Kulturjournalisten“ (vieler) vergangener Jahre.
Und zu „Harry Potter“ geht es darin auch gleich normiert-blasiert los, weil diesen zu lesen, hätte, so „könnte man einwenden“, „keine lebenswichtige Langzeitwirkung“ (sic! Hervorhebung von mir) – im Unterschied zu „Faust oder den gesammelten Schriften Jean-Paul Sartres“.
Bevor sich eine immanente Bilderfeindlichkeit mit dem solchen Ansinnen schon arrogant innewohnendem Kulturpessimismus schließlich verbindet:

„Die moderne Gesellschaft verfügt über viele Hilfsmittel, die Sehnsucht nach dem Lesen-können schon im Keim zu ersticken.“

Dazu: „Denken Sie zum Beispiel an das Fernsehen, das sogar Geschichten erzählt, nach denen man gar nicht gefragt hat. Das in seinem hastigen Ablauf auch keine Rückfragen zulässt und das den Kopf mit einer Bilderfülle füttert, die der Verstand oft gar nicht bewältigen kann.“
Aha. „Wird man im Kleinkindalter diesem System ausgesetzt, nistet sich die Selbstverständlichkeit ein, man könne und müsse auch gar nicht alles verstehen, wenn man es wenigstens irgendwie kapiert.“

Ich denke hingegen, dass niemand diese Ressentiment-beladenen Einbildungen auch nur ansatzweise verstehen braucht. Diese Sache, mehr Problem, des Autors sind. Zumindest Schwierigkeit.
Ebenfalls deswegen, wegen dieses Rückgriffs auf eine mir nur allzu bekannte, kulturell aus meiner Sicht zutiefst fremdenfeindliche „Hirnforschung“: „… Mit dem neuronalen Grundtraining, …, werden zahlreiche weitere intellektuelle Fähigkeiten geübt, die für eine erfolgreiche Berufslaufbahn, ja für das Leben selbst von eminenter Bedeutung sind. Deshalb wird man Lehrmethoden anweden müssen, die die Lesetechnik fördern, bevor man bildungsbürgerlich über Inhalte debattiert. Die kommen dann ohnedies nach.“

Ja, aber eben wohl bloß die Erwünschten, denn wie „Inhalte“ Anderer „bildungsbürgerlich“ gerade in dieser Zeitung abgesprochen werden (können) ist mir nur bestens bekannt. Über mehr oder weniger wüste Beschimpfungen, etc.
Und vielleicht sollte man so die Zeichen der Zeit erkennen wie in solchen Zeitungen Menschen manipuliert werden, über eine Rede von „Wirkungen“ und „Übungen“ mechanistisch in Richtung „Arbeit“ und „Leben“ konditioniert. Einem Leben das vielleicht Herrn Hütter gefällt, jemandem wie mir jedoch keinesfalls.

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