SPIEGEL Fantastisch

Bei SPIEGEL ONLINE wird mit Rückgriff auf die „Legal Tribune ONLINE“, bezeichnenderweise eine Publikation „in Kooperation mit SPIEGEL ONLINE“ (no na), fantasiert, dass eine Erotik-Branche bei der Neufassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages ihre (vermeintlich schmutzigen?) Finger im Spiel gehabt hätte um Inhalte unterhalb der „Pornografie“schwelle in Deutschland so leichter an (na gut, wohl vor allem wirklich) den Mann zu bringen.
Ja sicher… Gerade eine solche Branche wird in Deutschland das zu Wege gebracht haben wo deren Gegenstand im Netz allzu explizit offen herum liegen zu haben im Unterschied zu fast praktisch sämtlichen anderen westlichen Staaten in jenem Land praktisch einzig und allein noch von strafrechtlicher Verfolgung betroffen ist. Zumindest dermaßen wie es sich im gegenwärtigen Deutschland nunmal darstellt.

Und wenn man was dagegen sagt kommt man einem mit „Godwin’s Law“, „ungeheuerlicher Verharmlosung“ oder so.
Nein – ich kann die kulturell sauberen Zustände in Deutschland nicht verharmlosen.

Da braucht wirklich niemand ein Jurist sein so
Während Christian Stöcker anscheinend nicht einmal weiß über welches Land er da überhaupt schreibt, dass es dort seit geschlagenen 56 Jahren ein Phänomen genannt „Indizierungen“ gibt, sind die Argumentationsstrukturen des Juristen bei dieser Rechtszeitung, eines gewissen Thomas Schwenke – der wahrscheinlich vor allem in seiner Eigenschaft als Betreuer einer „Kinder- und Jugendcommunity“ dort (so) schreibt – in ihrer Abenteuerlichkeit und Unkenntnis von nationaler wie internationaler Praxis bei Erotikangeboten im Internet aus meiner Sicht als langjähriger Rezipient dieser nur mehr kaum zu überbieten. Der Gegenstand über den da jeweils berichtet wird scheint jedenfalls so gut wie gar nicht gekannt zu werden von den beiden Herren, nichts vom Aufwand gewusst mit dem die wenigen größeren AnbieterInnen die es gibt ihre international kaum konkurrenzfähigen Pay-per-Download-Seiten noch extra für ein vermeintlich deutsches Publikum „.de“-konform machen. Seit jeher. Marketing-technisch erschreckender Weise vermutlich deshalb weil in Deutschland halt vorsichtshalber gerne mit einem „site:de“ hinten dran gegoogelt wird – selbst dann wenn Mann nach Pornos fischt. Ansonsten vielleicht wirklich zuviel potentielle Kundschaft unerreichbar wäre, auch weil das geheim indizierte „pornografische“ Material aus dem deutschen Google schon grundsätzlich rausgefiltert worden sein könnte. Wo es vom Erotikdefizit nicht weit vom Bildungsdefizit weg zu sein scheint und bessere Fremdsprachenkenntnisse wohl nur wünschenswert wären…
Den meisten Deutschen erscheint es aber zudem wohl auch absurd für Erotik etwas zu bezahlen und selbst Fetisch-Seiten die oft nicht einmal Nacktheit integriert haben sicherten sich doch vielfach bereits mit „.coms“ und Co. von vornherein ab. Wie soll das auch anders sein wenn einem schon das Strafrecht weiterhin sagt dass sexueller Ausdruck Erwachsener deviant wäre und dahingehend scheinbar auch die Bonner Republik kein Mehr an Selbstbestimmungsmöglichkeiten für ihre BürgerInnen bewirkt hat – von den möglicherweise tatsächlich auch gefährlichen Umtrieben einer Mischbehörde wie der KJM ganz zu schweigen.

Aber das passt halt alles auch nicht ins Bild einer solchen Berichterstattung, deren Grundtenor bei Stöcker im Spiegel doch ist, dass schon der aktuelle Vertrag ignoriert werden würde…
Deutschland, das laissez-faire-Paradies. Von wegen Verbote – selten so gelacht.
Doch wenn Einbildung und Arroganz dermaßen illusorisch triumphiert – immer und immer wieder – sollte man diese wohl wirklich (auch) vorzugsweise als verquere Form des Humors nur mehr betrachten, weil ein anderes Denken dort ohnehin nicht (mehr) möglich erscheint: die jeweiligen Vorstellungen und Überlegenheitsdünkel zu einzementiert sind, die normativ gedachte Kraft eines solchen Journalismus ebenso wie die unmenschliche Rechtsstaatlichkeit einer solchen Gesetzeslage.

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