Rund um die Burg (Wolfenstein) ;-)

Kommentar bei Stigma Videospiele

‚Natürlich fällt so etwas in hiesigen Breiten, ob „Wolfenstein 2“ oder nicht, leicht unter den Bannhammer des Vorwurfs einer „Trivialisierung“ des Holocaust, wobei ich der Auffassung bin dass gerade dieser Vorwurf eine leichtfertige Identifikation mit TäterInnen oft darstellt. Ich bin grundsätzlich gegen eine sakrale Behandlung von Verbrechen, erst recht wenn es sich dabei um einen Zivilisationsbruch handelt wie ihn Dan Diner formuliert hat, glaube aber auch, dass es Nicht-Darstellbares gibt. Auch in Fiktionen. So halte ich ähnlich wie es Robert Schindel beschrieben hat nichts davon Leute von heute als Holocaust-Opfer zu verkleiden – „ernsthaften“ Holocaust-Filmen die in KZs spielen stehe ich so auch überaus kritisch gegenüber.

Gerade in Israel, so habe ich gelernt, gab es aber schon immer Zugänge zum Thema welche hier tendenziell vor den Kopf stoßen. Etwa eine Verbindung von Erotik damit. Allgemeiner betrifft das aber auch Sexualität und Tod generell
So verstehe ich auch nicht weshalb man dabei keinen Spaß haben können sollte – bei so einem Setting wie beschrieben. Grundsätzlich ist es anscheinend ja wie Wolfenstein, und eben keine ironische Portierung, das wäre ja ein „echtes“ Nazi-Spiel dann, bloß halt „rund um die Burg“ sozusagen. Hinausgegangen – dorthin was auch Wolfenstein dereinst verschwieg (bis 2009). Oder zynisch auf die deutschen Zensur-Verhältnisse bezogen: was der erfundene Wolfsclan, diese angeblich einfache Sekte, da sonst noch halt so trieb…
Also halte ich auch so ambivalente Zugänge für eine mehr als legitime Form der Erinnerungskultur, Zugänge welche aber eben nicht hin und her gerissen sind beim Thema Nationalsozialismus, oder ein böses Spiel damit treiben würden, sondern welche das Thema eben mit anderem verbinden – wie einer Freude an gewaltdarstellenden Computerspielen.

Es ist doch auch eine Illusion zu glauben, man könnte Vergangenheit bewältigen – erst recht dermaßen geschehenes Unrecht und solch unvorstellbar großes Leid. Und deshalb schätze ich auch Filme wie Tarantinos UND Castellaris Inglorious Bastards oder Tinto Brass‘ Salon Kitty.
Ich wüsste auch nicht wie man da etwas „reflektieren“ könnte so dass es besser oder sonst was in eine positive Richtung werden würde… Das Einzige was man dabei tun kann ist sich beschäftigen damit, sich auseinander setzen – es geht dabei aus meiner Sicht auch um keinen individuellen Heilungsprozess wie aus der Psychologie oder Psychiatrie her bekannt. Keine Entwicklung der Verarbeitung. Wie soll man auch Millionen industriell vernichteter Toter „verarbeiten“ können? Man kann sich der Geschichte so bloß annähern – das ist alles – damit irgendwie, wenn auch vielleicht bloß ansatzweise, umzugehen lernen, vielleicht nicht einmal verstehen, sondern sich egoistisch womöglich auch nur (selbst!) damit abfinden. So ist eben die Welt (gewesen) in welcher man hineingeboren wurde. Und das ist halt genau keine Trivialisierung: sowie Videospiele können so oder so dazu einen Beitrag leisten.‘

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