Zwei neue Kommentare bei „Stigma Videospiele“

Kommentare: 1. ‚@Jan
Ich denke der Verlust an Zeitzeugen wird eher eine Schlussstrich-Mentalität befördern: dass man zunehmend sagt “was geht mich die DDR an, ich lebe heute im hier und jetzt, sowie denk an die Zukunft. Meine Zukunft”. Egoistisch. So wie sich Leute wie dieser “Kritiker” wohl auch Ego-Shooter-Spieler halt so vorstellen…
Die deutschdeutsche Vergangenheit so ist auch das Erbe einer bipolaren Welt: am Ende wurde die dem Unrechtsstaat zugrunde liegende Ideologie nicht weitgehend zurück gedrängt. Ansonsten wäre die “Ostalgie” womöglich auch gar nicht erst entstanden.
Mir scheint dies – von der Reklame etwa angefangen – ja vielfach so ähnlich zu sein wie manche Nostalgie an die 1950er Jahre im Westen: die Beschwörung des Bildes einer heimeligen, glückseligen Gemeinschaft im Osten. Musik, Sprache, Essen. Familientraditionen

Und das politische Erbe aus der Zeit tragen sowohl eine sozialistische Linke, als auch kirchliche Kreise welche sich damit rühmen eine einmalig friedliche Revolution davon weg getragen zu haben. Auch diese Gedanken einer Friedensbewegung sind schließlich nostalgisch
Letztlich wird es für Anderes wohl (auch) an kleineren Gruppen liegen: etwa an schwulen Männern welche ihre Jugend in der “Zone” verbrachten, wenn sie nicht geflüchtet waren – was deren Identität wiederum (mit)geprägt haben wird.
Eine solche Vielfalt an Erinnerungen muss aber auch erst zugelassen werden und darf nicht schon im Keim erstickt werden.

In dem Spiel geht es aber ja um ein Gewinnen oder Verlieren wie im Fussball – das soll zwar keinen Spaß machen, aber dennoch ist es formal so angelegt. Und fördert dahingehend aus meiner Sicht auch diverse Negativbilder über Games. Warum auch immer eine solche Spielform gewählt wurde – in der Erinnerung geht es doch nicht darum. Von Erinnerungen gewinnt im besten Fall jeder Mensch, haben alle was. Von guten wie schlechten Erinnerungen kann gelernt werden – ebenso wie aus allen “Killerspielen”, Games gegen welche sich da womöglich eben noch gewandt wird.‘

2.: ‚Es gibt ja auch dieses Duo „Interpixel“ aus der Schweiz, das „Killerspiele“ sammelt um sie dann in Medienkunst-Veranstaltungen zu vernichten. In Hinblick auf andere Ausdrucksformen wäre das wohl eine kritische Auseinandersetzung, aber die meinen das völlig ernst. Verstehen das noch als kritische Auseinandersetzung mit Games welche sich traditionell mit Krieg oder Gewalt auseinander setzen und finden daran anscheinend auch nichts dabei in einer dementsprechend ideologischen Verblendung
Gegen Kommerz, „neoliberaler Globalisierung“ und etwaigen Zusammenarbeiten mit militärischer Repräsentanz, sowie verbindet sich noch mit Adornoschen Ideen von Authentizität dagegen. Wenn dieser unliebsame Ausdruck Anderer grundsätzlich schon nicht als minderwertig(er) angesehen wird.
Finde es auch bemerkenswert bis tragisch, dass so etwas noch von (anderen) Kreativen kommt, und ich denke das hat mit tiefgreifenden kulturellen Vorstellungen zu tun wie sie gerade im deutschsprachigen Raum vorhanden sind: Kunst hätte da (noch immer), trotz gegenläufiger Bewegung wie dem Wiener Aktionismus, von anderen Leuten wie Schlingensief oder wieder Anderen wie Werner Schwab hier aus meiner Gegend, welche von Haus aus sozusagen eher absteigen als aufsteigen wollten, die bürgerliche Aufgabe einer moralisch normierten Säuberung. Quasi im Vorfeld zu einem „libertären Antimilitarismus“ welcher laut Peter Bürger „Not“ täte. Die grundlegende Idee einer Friedensbewegung ist so aus meiner Sicht auch tatsächlich weniger ein Eintreten für Frieden in der Welt, als eine Reinigung von militärischen Einflüssen, Kriegsspielzeug, „Killerspielen“, etc. So als ob all die Militärs, SoldatInnen und KillerspielespielerInnen eben alle die Kriege dies leider noch immer gibt haben wollten – so schlecht gedacht wird über diese Menschen. Obwohl ich persönlich zum Beispiel ja keinen Einzigen kenne aus diesen Gruppen, welcher auch meinem Eindruck nach so erpicht darauf wäre…

Eine Auseinandersetzung mit Krieg beispielsweise, welche nicht mittels Vorstellungen eigener Überlegenheit und in Zurückhaltung Distanz wahrt, wird nicht ertragen von diesen Leuten: so stieß ich gestern auf ein Fotoshooting Steven Meisels namens „Make love not war“. Das sah sich so (ebenfalls) Pornografie-Vorwürfen ausgesetzt
Bei Games mag ziemlich viel diesbezüglich ja schon über die Titel laufen: so wird ein „Call of Duty“ nicht mit „Ruf der Pflicht“ sondern „Die Pflicht ruft“ übersetzt, obwohl Letzteres doch eher der Derrick-Zeichentrickfilm im Untertitel hieß…

Aber das ist glaub ich auch das Problem, solche Vorstellungen sind es, welche einem Journalismus bei uns vielfach gegen „Killerspiele“ auf die Barrikaden steigen lässt. Von der Hochschule und den „1378(km)“-Leuten wurde (zunächst) eigentlich auch nur die Bild-Zeitung angeführt als Haupt-Kritikerin, weil von der weiß praktisch Jeder in Deutschland mehr oder weniger, dass diese auch „Blöd“ genannt wird. Da meint man so in einem Publikum offenbar auch andocken zu können, obwohl – siehe dieser „Kritiker“ beim „Ost-Blog“ – die Vorbehalte anscheinend doch ungleich tiefer liegen.‘

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