Offener Brief an Frank Wilhelm

Beim Ost-Blog…

‚Sehr geehrter Herr Wilhelm!
Wenn Menschen hier nicht mit ihrem Realnamen schreiben ist das doch kein Hinweis darauf, dass sie etwas zu verbergen hätten. Ich sehe jedenfalls keinen Grund dies anzunehmen.
Das ist eine Unterstellung: ebenso wie der Schlagersänger Udo Jürgen Bockelmann sich auch nicht unbedingt „tarnt“ seit er sich Udo Jürgens nennt. Bei Franz André Heller dessen erster Vorname auch nicht so bekannt ist. Das ist Ausdruck einer jeweiligen kulturellen Identität, unter Umständen mit mehr oder weniger stark ausgeprägtem künstlerischen Charakter, hinter der auch nichts Negatives vermutet werden braucht.

Des weiteren möchte ich zur Empörung über Gewaltdarstellungen noch Folgendes sagen: wenn sie dabei etwas „ekelhaft“ finden so kann das doch auch durchaus gewollt gewesen sein. Ich verstehe nicht weshalb dem nicht so sein soll – viele Computer- und Videospiele wollen eben nicht gute und schöne Dinge zeigen, sondern weisen mitunter auch einen Mut zur Hässlichkeit, zu affektorientierten Körperdarstellungen auf.
Zu Schrecken wie Krieg: das ist auch ein modernes Sujet: Picasso, Bunuel, sowie hat auch schon in vormodernen Zeiten so zum Beispiel christliche Abschreckungen transportieren sollen – etwa bei Pieter Bruegel dem Älteren. Ich kann keineswegs nachvollziehen mit welch negativem Menschenbild dabei in anderen, computerspielenden Menschen, beständig ein Übel vermutet wird.

Worauf ich noch gesondert hinweisen möchte ist etwas das gerade technisch weniger versierte Menschen womöglich falsch auffassen, weil leider auch die Hochschule nicht oder nur unzureichend in der Sache darauf hinweist: „1378(km)“ ist eigentlich kein eigen(ständig)es Spiel, sondern die Modifikation eines Anderen (Half-Life 2).
Dies betrifft etwa auch die Gewaltdarstellung über welche sich empört wird: diese ist genuin nicht unbedingt das Werk des Autors von „1378(km)“, sondern wurde – für Kenner wohl überdeutlich – anscheinend vollständig aus „Half-Life 2“ übernommen, das heißt blieb (zumindest weitgehend) unangetastet.
Das kann man sich vielleicht so vorstellen wie wenn eine Theatergruppe neben einem Stück mit eigenen Kostümen, Requisiten, noch ein Anderes mit denselben oder zumindest ähnlichen Kostümen, Requisiten, aufführt.
Das mag auch als eine billige Verfälschung aufgefasst werden, welche bei unbedarften Naturen womöglich noch zu Irritationen führt. Mit zu Unpassendem.
Für Amateure, und „1378(km)“ ist wie „Frontiers“ trotz Förderungen ein eher amateurhaftes Werk, ist es so unter Umständen jedoch einfacher schnell an beeindruckende Ergebnisse zu gelangen.
„1378(km)“ ist vom Spielprinzip her dabei jedoch völlig anders gelagert als „Half-Life 2“ und erinnert in seinem wettbewerbsmäßigen Charakter eher an „Half-Life 2 Deathmatch“: während „Half-Life 2“ eine dystopisch-bedrückende Geschichte mit komplexen Charakteren und Handlungssträngen erzählt ist „1378(km)“ ein simples Spiel bei dem es – aus welchen Gründen auch immer – um Gewinnen oder Verlieren geht. Und so in gewisser Hinsicht auch Klischees über Computerspiele oder „Spiele“ allgemeiner bedient. Wenn man etwa sagt: „das ist ja nur ein Spiel…“ Dieser Umstand wäre es auch welcher aus meiner Sicht hinterfragt werden sollte: es gibt so viele Spiele welche mit ernsthaften Themen wie problematischen individuellen Schicksalen oder Verlust von Leben durchaus anders umgehen, weniger beliebig verarbeiten als in einem so sportlichen Wettkampf wie „1378(km)“. Aus meiner Sicht legt eine Respektlosigkeit von „1378(km)“ wenn dann darin begründet.

Darüber hinaus: Bildung ist immer auch diejenige Bildung welche man zulässt. Und eben nicht mit Negativität, Vorstellungen eigener Überlegenheit, mittels Abwehr von Fremdem begegnet. Wir sind schließlich alle Menschen – dieser Konflikt hin oder her.

Hochachtungsvoll, Jürgen Mayer‘

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