Ein Widerspruch in sich?

„Studien“ über „Studien“: die Tageszeitung berichtet neuerdings regelmäßig über Computerspiele. Zumindest vorübergehend. Aktuell etwa über Shogun 2
Im Artikel heißt es dazu mit Bezug auf eine aus meiner Sicht für sich selbst bereits äußerst fragwürdige Angelegenheit aus Siegen:

‚Und kann so ein Spiel Geschichte lehren? taz-Autorin Nina Ernst hat sich diese Frage auch schon einmal gestellt und kam beim Auswerten einer Studie zu dem Ergebnis: wohl eher nicht. Grund: Der größere historische Zusammenhang und der Alltag der lebenden Menschen kommen dabei zu kurz.
Nun könnte man das der Geschichtswissenschaft bis zum Auftauchen der Annales-Schule an der Wende zum 20. Jahrhundert auch vorwerfen – erst sie richtete die Perspektive auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen und längere Zeiträume. Vorher bestand Historie vor allem aus Königen und Schlachten.
Aber „Total War“ leistet mehr als das. Es blendet den Alltag des Bauern als nicht spielrelevant aus, zeigt aber größere Zusammenhänge und so etwas wie einen Volkswillen, wenn man beispielsweise bestimmte Dinge bauen muss, um die Untertanen zufrieden zu stellen. Somit – und zu diesem Ergebnis kommt auch die erwähnte Studie – können solche Spiele auf jeden Fall Interesse an Geschichte wecken. Ein Gymnasium im Ruhrgebiet setzt „Total War“ deshalb als ergänzendes Element im Unterricht ein.‘

Also was nun? Werden „größere Zusammenhänge“ da nun „eher ausgeblendet“ oder „gezeigt“?
Im Übrigen geht der Artikel dabei kaum auf die „Total War“-Franchise ein, sondern bedient eher bloß altbekannte Klischees über (Kriegs-)Computerspiele.
So steht „Total War“ eigentlich schonmal nicht für den „totalen Krieg“ wie er dereinst mal in Deutschland sogar noch propagiert wurde, sondern für sozio-ökonomische und psychologische Gesichtspunkte über Militär hinaus. Bei was? Ja: gute Frage. Bei Politik!
Schade, denn dazu müsste man sich einmal mit einem Begriff von „politischer Geschichte“ beschäftigen und eben nicht mit Stereotypen über kriegerische Compispiele arbeiten.
Jeder der schon einmal eine Schlacht bei „Total War“ geführt hat wird darüber hinaus wohl auch erkannt haben, dass es darin um keine Idealisierung von Geschichte, was auch nur ein Realismus Games vorwerfen kann, geht, sondern um die Vermeidung einer gewissen Einschüchterung – Intimidation. Sowie daneben alle möglichen Kontexte halt noch, vom Katholizismus (Medieval), dem beginnenden Kolonialismus (Shogun – 1) über den ausgewachsenen Imperialismus (Empire – sic!) bis hin zum schlichten Größenwahn (Napoleon).

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