Die undifferenzierten Nicht-Analysen einer Kritik der Verbannung

Nachtrag zu meinem jüngsten Müllmann-Kommentar beim Standard: da wird für mich wieder mal ein Fall ungeheurer Brutalität deutlich. Brutalität, welche in aus meiner Sicht einfach nicht zu verharmlosender Form sanftmütigender Relativierungen – von WölfInnen im Schafspelz sozusagen -, vorgetragen, zwar vielleicht bloß auf ökonomische Zusammenhänge hinweisen will, aber dadurch auch beständig sich auf Ebenen einer „Kritik“ begibt in denen tendenziell eben kein Widerspruch mehr zugelassen wird.
Wie soll dagegen auch gesprochen werden, wenn ein Realismus bereits „die“ Realität demnach vorgibt. Die vermeintlich „realen“ Verhältnisse, usw. Zustände, welche in der „Kunst“ halt „kritisiert“ werden sollen (sic!).

Mal sehen wie lange mein Kommentar jetzt dort stehen bleibt: lustiger Weise wurde er offenbar auch schon wieder gegenteilig interpretiert…

Sowie: abgesehen davon findet so häufig auch gar kein fundierter Blick auf den Gegenstand selbst (mehr) statt. Indem sich mit einer solchen „Kritik“ gegen Affirmation als vermeintlichen Sachverhalt gestellt wird.
Wie hier etwa das Beispiel des (US-)“Playboy“ von um 1965 zeigt: ich habe Bilder aus der Zeit erst kürzlich für mich entdeckt. Zusätzlich noch falsch informiert hielt ich sie zunächst auch für erotische Fälschungen, Retro-Nachstellungen aus letzter Zeit.
Während die Playboy-Fotografien der 1950er Jahre eher noch älteren, illustrativen Pin-Up-Modellen entsprechen, noch nicht ganz so altes Paradebeispiel Gil Elvgren, wurde die heute – wenn eigentlich auch nur als tendenziell wohl antiamerikanistisches Klischee – bekannte Realität verfremdende US-Ästhetik eigentlich doch erst ab den 70ern dort entwickelt – bis hin zur mehr oder weniger exzessiv eingesetzten „Kunst“ des Retuschierens, zusätzlich zum (übermäßigen) Einsatz von Make-Up beim Visagismus etc.
Aber um Pin-Ups scheint es beim Standard ja auch nicht „wirklich“ zu gehen. Tatsächlich scheint dort so wieder mal über etwas gesprochen zu werden, das einerseits nicht interessiert – andererseits überhaupt nicht verstanden werden möchte.
Denn bei genauerer Betrachtung würde doch gerade das Beispiel einer Fotografie Sally Dubersons beim Standard gegen diese Entwicklung stehen, aber nein: bezeichnender Weise wird jedoch auch pauschalisiert – jüngere Arbeiten mit Älteren von Ramos über einen Kamm geschert, usw. Quasi nebenbei noch die gesamte Pop-Art abgetan. Wenn schon nicht für verwerflich erklärt. Dieser „Kritik“ kommt eben nichts aus – wobei auch sichtbar wird wo die kulturellen Unterschiede liegen: während die in den USA höchst erfolgreichen Sports-Illustrated-Kalender, mit einer angewandt auf die Gegenwart durchaus ähnlichen Ästhetik wie der Playboy 1965 mit dem angesehenen Time Magazine zu tun haben, geschieht hier diese Kritik der Verbannung schon wenn einmal die Gewalt eines der „Hochkultur“ ansonsten vorbehaltenen öffentlichen Ortes wie der Albertina damit durchbrochen wird. Und dann werden die USA wieder mit Prüderie in Verbindung gebracht…

Dass der „Playboy“ überhaupt noch immer dort als Negativbeispiel für eine Objektivierung von Sexualität dient ist schon erstaunlich. Im Jahre des Herrn 2010. Die letzten fünfzig Jahre im kulturellen Rückwärtsgang. Vor einiger Zeit gab es noch einen Artikel wo sich schon darüber aufgeregt wurde, dass das Magazin bei Fluggesellschaften an Bord von Maschinen öffentlich vorhanden ist – eine Öffentlichkeit über die sich ja noch streiten ließe, was sich bei Ramos, wenn ein Ausdruck gegen einen Anderen ausgespielt wird, aber halt nicht mehr so sagen lässt…
Siehe auch die Schlagzeile beim Kurier: „Comics und Pin-ups im Museum…“ Noch immer oder wieder ein Potential für Skandalisierungen, Problematisierungen? Zumindest scheint die Headline mittlerweile etwas abgeschwächt worden zu sein…

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