Wie die Inspiration durch einen Film von Roberto Rosselini Computerspiele in Deutschland verändern könnte (upgedated)

Ja ja, der italienische Neorealismus vor Pasolini: wozu kann der für einen unverbesserlichen Nicht-Realisten wie mir schon gut sein, außer für die Tradierung der Oberschenkel von Silvana Mangano in „Riso amaro“ (Bitterer Reis)?
Nun, in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift M-Games (4/2011 18) gibt es da einen Hinweis: so soll für das kommende deutsche Adventure „Generation Zero“ doch tatsächlich „Germania anno zero“ (Deutschland im Jahre Null) als (eine) Inspirationsgrundlage gedient haben. Bekanntlich wird dafür schon länger versucht die strikte Praxis zu ändern, dass „Unterhaltungssoftware“ mit Hakenkreuzen nicht für den deutschen Markt gekennzeichnet wird. Ja auch die Praxis, dass Hakenkreuze selbst in Zeitschriften wie der M-Games nicht auftauchen dürfen?
Über Letzteres schweigt sich die Zeitschrift aus, wie auch manch anderes Fragwürdige leider noch dazu dort drin steht: so stimmt es einfach nicht, dass „Generation Zero“ das erste (auch deutsche) Adventure im Nachkriegsdeutschland wäre. Bereits Ende der Achtziger entstand das von Rainbow Arts veröffentlichte Adventure „Berlin 1948“, das auch den Titel „East vs. West“ oder „East and West“ trägt und bezeichnenderweise einen englischsprachigen Wikipedia-Artikel hat, aber keinen bei der Deutsch(SPRACHIG)en. Als Designer des Spiels wird dort ein gewisser „Stephan Graf“ ausgewiesen, offenbar ein Phantom.

Auch stimmt es nicht, dass hier in Österreich das gleiche, ein ähnliches oder aus meiner Sicht mit dem deutschen Verbot des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen auch nur vergleichbares Gesetz gegen Darstellungen von Kennzeichen verfassungswidriger Gruppen (hierzulande) existiert. Ich werde dazu ja nicht müde zu betonen, dass das deutsche Verbot sich aus mir unerfindlichen Gründen praktisch unabhängig von deren ideologischer Grundlage gegen eine Formalie richtet, welche auf japanischen Landkarten etwa dazu dient buddhistische Tempel zu symbolisieren. Die schlichte Prolongation eines symbolischen Missbrauchs aus meiner Sicht, welche – wie vieles Andere auch – eine Identifikation mit dem Nationalsozialismus perfiderweise erst erfordert. Das Hakenkreuz wird dem Nationalsozialismus dadurch als Symbol quasi überlassen, wenn schon nicht geschenkt, anstatt tatsächlich etwas gegen eine Wiederbetätigung in dessen Sinne zu unternehmen.
Eine Situation, welche nicht bloß Computer- und Videospielen, sondern – neben dem Urheberrecht – bekanntermaßen auch einem historischen Zeitungsprojekt bereits Schwierigkeiten einbrachte.

Für Hakenkreuze in „Generation Zero“ wurde dazu schon länger der FDP-Politiker Jimmy Schulz angesetzt und das Ganze riecht schon übel nach einer konzertierten PR-Aktion für mich, welche halt auch diesen ganzen Ab- und Ausgrenzungen über Serious Games (mit) entspricht: es betrifft ja eher auch kein Hau-Drauf-Abenteuer à la „Indiana Jones“, sondern eines um Betroffenheit – worum es aus meiner Sicht so wirklich dabei geht spricht auch der M-Games-Artikel leider überhaupt nicht an, nämlich die grundsätzliche Unterscheidung zwischen „Bildung“ und „Unterhaltung“ (nicht bloß diesbezüglich) in Deutschland.
Man möchte „Generation Zero“ offenbar (unbedingt) als Unterhaltungssoftware kennzeichnen lassen und nicht als Bildungsprogramm labeln – für firmierte Musikprogramme gibt es (meines Wissens nach immer noch) eigene Möglichkeiten, ähnlich jenen für Bildtonträger über die FSK. Warum man so erpicht darauf ist damit eine Unterhaltungssoftware vor sich zu haben, wo doch – das heißt auch in dem M-Games-Artikel – beständig auf die bildungspolitischen Implikationen des Spiels hingewiesen wird, ist mir als Außenstehender jedoch nicht ganz klar – ich vermute aber mal eher kommerzielle oder gar fiskalpolitische als idealistische Gründe dahinter. Dass man dadurch jedenfalls bereit wäre ein „Wolfenstein“ zu verteidigen habe ich leider nicht den Eindruck.

Eine Diskriminierung welche demnach wie überwunden werden kann? Und das ist dann die Krux, denn ES GIBT GAR KEIN gesetzliches Verbot von Hakenkreuzen in Computerspielen für Deutschland. Eigentlich. Was es gibt sind lediglich gerichtliche Einschätzungen in diesem Sinne. Also wird es auch keinen Staatsakt, in welcher Form auch immer, geben können, der Computerspiele – so wie sich das vielleicht manche denken – (plötzlich) zum „Kulturgut“, mit Berechtigung Hakenkreuze integriert haben zu dürfen, erklärt.
Wie das Ganze letztlich ausgehen wird ist freilich noch viel zu früh zu sagen, womöglich versandet die Geschichte auch wieder – ähnlich wie bei „Imagination Is the Only Escape“ von Luc Bernard -, doch ist das Naheliegendste, dass „Generation Zero“ einfach mit Hakenkreuzen ein Kennzeichen der OLJB über die USK erhält. Was hernach geschehen wird, welche Skandalisierungen/Verbote passieren oder ausbleiben, wird man sehen.

Nachtrag: Fehler ausgebessert, Links ergänzt. Habe den Artikel vorhin leider zu früh veröffentlicht.

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