Ein paar Gedanken zur weltweiten Situation der japanischen Videospielindustrie

Im aktuellen „Pach-Attack!“ (HD) ist Michael Pachter wieder mal sehr schonungslos, diesmal in der letzen Frage zur zukünftigen Rolle japanischer Publisher im Westen: deren West-Geschmacksexperimente gingen zumindest kommerziell im großen Stil bekanntlich mehr oder weniger daneben. Und so werden sich in Hinkunft eher West-Konzerne wie EA wohl stärker am japanischen Markt engagieren als umgekehrt. Sowie die Japanischen kontinuierlich (das heißt auch weiterhin) an Relevanz verlieren.
Dazu lese ich gerade ein umangreiches Special in der M-Games (4/2010 8f.): die Gründe sind sicherlich sehr vielfältig, den Schwerpunkt kann man dabei unterschiedlich auslegen. Da ich jedoch jemand bin der Woche für Woche sich die japanischen Neuveröffentlichungen ansieht fällt eines schon auf: ein durchschnittliches in erster Linie für den japanischen Markt produziertes Spiel kostet in der Herstellung einfach um ein Vielfaches weniger als es der Mindestpreis von 20-Millionen-US-$ in der heutigen Konsolenwelt wohl so vorsieht. Große Videospiele die mit den westlichen Big-Budget-Titeln mithalten können zu machen ist für Japan demnach in erster Linie wahrscheinlich einfach zu teuer geworden.
Wenn Rockstar/2K für einen Megaseller wie GTA IV, RDR oder das kommende L.A. Noire kolportierte dreistellige $-Millionen-Beiträge schon gut und anscheinend auch gerne ausgibt, wird es so schwierig.
Allerdings: was heißt das schon? Wegen „Final Fantasy VII“ habe ich mir um die Jahrtausendwende meine erste Videospielkonsole zugelegt und „Final Fantasy VII“ war zu der Zeit zweifellos ein Titel mit den höchsten Produktionswerten. Ähnliches gilt für spätere MGSs, usw. Wie konnte man den Westen damals begeistern? Ich denke nicht unbedingt mit der Qualität vorgerenderter Sequenzen, sondern mit Ideen. Inhalten wie der (damals) besonderen Dramaturgie, den Charakteren, der Spielwelt und anderen Konzepten die eher das Gameplay betreffen.
Und ich denke das kann man heute wieder, doch traut man sich nicht: man ist zu wenig risikofreudig. Man kann eben nicht wirklich voraussehen ob etwas gut ankommt (wie ein „Minecraft“) oder so schlecht (wie ein „Final Fantasy XIII“ oder „Onechanbara“ leider). Die Liste der asiatischen Spiele welche ich gerne im Westen sehen würde ist mittlerweile so lang geworden, dass ich sie schon längst aufgegegeben habe kontinuierlich zu erweitern. Nicht einmal ihre AAA-Fotosafari hat Sony für die PS3 nach Europa gebracht – als ob sie schon genug hauseigene Exklusivtitel hätten… Von der ganzen Vielfalt an Dating-Sims, einschlägigen Musikspielen, ganz zu schweigen.
Man müsste den Westen für gegenwärtige japanische Popkultur halt wieder begeistern wollen: noch ist es nicht zu spät.

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