Kommentar bei Gamersunity

Kommentar: ‚Ich hab hier schonmal geschrieben, dass auch wenn man im Multiplayer etwa nicht gut ist – so wie ich – dass das einem (wie mir zumindest) durchaus dennoch etwas bringen kann.
Kurzum: ich spiele Videospiele grundsätzlich nicht um darin zu gewinnen.

Bei Singleplayer-Erfahrungen geht es mir naturgemäß zwar schon darum ein Ende zumindest zu sehen, aber ähnlich so wie im restlichen Leben auch. Mir reicht ein Leben zu leben.
Ja Videospielen bedeutet auch zu leben für mich. Das ist bei mir ganz klar

Wenn man nun sagt, dass Typen wie „Handlanger“ keine moralischen Entscheidungen abverlangen würden so kann ich dem nur entschieden widersprechen, auch wenn man etwa sagt, dass bloß komplexere Titel wie Rollenspiele ein moralisches Handeln bieten würden.

Ich denke im Gegenteil: will man Videospiele wirklich verteidigen, werden notgedrungen sämtliche Handlungen darin gerechtfertigt werden müssen
Und zwar gerechtfertigt auch nicht so, dass die Gewalt „begründet“ werden müsste, denn Gewalt ist aus meiner Sicht niemals zu begründen. Sondern sie muss verantwortet werden beziehungsweise die Rolle einer verantwortungsärmeren bis völlig -losen Person welche in einem Game bei Gelegenheit halt gemimt wird, erklärt.
Das ist auch der ethisch-moralische Platz den Games ermöglichen. Sie ermöglichen in einer relativ sicheren Umgebung in erster Linie nämlich eines: über sich selbst und ihre/seine Stellung in der Welt nachzudenken, als Frau/Mann, als Mensch.

Und genau das sollte einer skeptischen Öffentlichkeit, politischen EntscheidungsträgerInnen, vermittelt werden – meiner Meinung nach.
Diese Kolumne mag durchschnittliche Hardcore-Gamer ansprechen, die welche etwa auch damit einverstanden sind, dass die Spielpresse einmal nicht in der Lage ist „Modern Warfare 2“ zu verteidigen, ein anderes Mal für dieselbe Redaktion „Bulletstorm“ zu wenig gewaltdarstellend sei. Die welche ohnehin des Öfteren sagen: „mir egal wenn in Deutschland Spiele brennen, ich kaufe meine sowieso in Österreich.“ Das wars aber auch schon find ich.
Andere sind zwar wahrscheinlich sowieso nicht ihr Publikum, aber Andere – das kommt an einer Stelle glaub ich auch heraus – sollen wenn möglich doch erreicht werden

Wenn man nun jedoch von „Handlangern“ spricht welche einfach besiegt werden müssten geht das schon in die „Gedankenlosigkeit“ von welcher der Pianist Lang Lang nach Winnenden sprach. Wenn bloß komplexere Spiele moralische Entscheidungen abverlangen würden: ein „Mass Effect“ ist ja auch nicht das Parade-„Killerspiel“. Und „Dragon Age: Origins“ wurde von der Industrie in Deutschland letztes Jahr sogar zum Deutschen Computerspielpreis vorgeschlagen – dem Ring von der KJM hat dann dem Vernehmen nach zwar eine Questmöglichkeit schon nicht gepasst, aber das ist eine andere Geschichte.

Also nein: unter ständigem Angriff wegen der Gewaltinhalte stehen Rollenspiele doch sowieso weniger, die haben mehr mit der Suchtproblematik zu kämpfen. Politisch attackiert bis strafrechtlich verfolgt werden die einfacheren Actionspiele. Ein Spiel wie „Fallout 3“, das unzensiert in der einzelnen Gewaltdarstellung kaum extremer vorstellbar ist, landete ein halbes Jahr nach Release erst auf dem Index. Und dann wurde es von der BPjM auch nicht einmal als strafrechtlich relevant eingestuft.

So halte ich simplere Actionspiele tendenziell sogar noch für moralischer: einfach weil die Moral darin schon vorgegeben ist und meistens ist das wahrhaftig auch keine Schlechte, eben keine Unmoral – während Rollenspiel-Titel wie „Fallout 3“ (Megaton immer wieder gern genommenes Beispiel) oder Dragon Age/Mass Effect furchtbare Handlungsmöglichkeiten integriert haben tun dies in Deutschland noch beschlagnahmte Titel wie Manhunt aus meiner Sicht ganz und gar nicht, sind mit ihrer vorgegebenen Moral des Überlebens für mich um jeden Preis tatsächlich wesentlich moralischer.

So spiele ich gerade eine Art Manhunt mit Hund, „Dead to Rights: Retribution“. Sehr unterhaltsam bislang. Das kam, gerade in Deutschland wie mir scheint, gar nicht gut an, von Geschmacklosigkeit wurde getönt, usw., doch sah ich darin im Gegensatz zu den Möglichkeiten in vielen Rollenspielen noch nichts Unmoralisches. Darin wird – wie üblich in Computer- und Videospielen – niemand attackiert welcher nicht schon vorher auf einem losgegangen wäre.

Im Gegensatz zu einem für mich eindeutig menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Programm wie „Naughty Bear“, wo als Plüschbär andauernd auf zwar fiese und gemeine andere vermenschlichte Plüschbären losgegangen wird, aber bloß weil andere Leute nicht nett zu einem sind kann man eben nicht auf sie losgehen!
Das nenne ich moralisch verwerflich.

Da das eigene Leben eines Menschen neben dessen Freiheit für Leute wie mich deren höchstes Gut sein sollte. Der höchste Wert. Sowie auch eine ebenso zu respektierende wie respektable Norm der praktischen Ethik. Und ich eine Ideologie welche sich in sakraler oder sonstiger Überlegenheit darüber stellt für zutiefst verwerflich halte – indem man dabei zum Beispiel sagt, dass „Handlanger“ lediglich eine Gegnerschaft wären welche es zu überwinden gelte, begibt man sich in höchst gefährliche Gefilde einer Beschwichtigung von Spielinhalten. Wie auch der von anderen populären Medien.

Das kann man noch über Zombies eines „Dead Rising“ sagen, weil diese dort als Hindernisse wohl von Inafune-san tatsächlich ausgedacht wurden und die eigentlichen Gegnerschaften in „Dead Rising“ stets (psychisch kranke) Menschen dargestellt haben – was Inafune auch mal so erklärt hat – aber das war es auch schon.
Viele andere Spiele wird man so nicht finden.

Nein: wer diese Kolumne liest und nicht schon begeistert ist von den Fiktionen welche Games für gewöhnlich bieten wird diesen danach womöglich noch weniger Verständnis entegegen bringen, denn für Menschen welche den Sinn von Spielen ethisch-moralisch bereits in Frage stellen, ergibt sich dadurch aus meiner Sicht jedenfalls nichts.
Warum sind Figuren wie „Handlanger“ überhaupt nötig? Nein, da wird gar nichts zu einer Parodie, wenn man mit der Grundkonstellation schon nicht einverstanden ist. Wenn man etwa sagt: wieso diese Lügen über erfundene Welten ständig in Videospielen, wenn in Afrika Kinder verhungern, Wale sterben, Ölfelder brennen und Krebs noch immer nicht besiegt ist. Wohin flüchten diese Leute die Videospiele spielen da bloß? Was soll das überhaupt?
Können sie sich nicht um Umverteilung von Gütern und/oder den Weltfrieden kümmern? Warum müssen sie sich gegenseitig bekämpfen, gegen „Handlanger“ oder sonstwen antreten?
Nein. Solche Menschen wird man mit dieser Kolumne gewiss nicht bewegen. Da schadet man demnach meiner Meinung nach noch eher. Leider :-(‚

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